Willi Volka
Mein Wunsch: Bleibt gesund! Letzter Eintrag:04.03..2021  -  Sätzling

Auf 200 Worte . . .

(01) Wandel

Das Projekt Speicherstadt in Hamburg zählt bei uns mit zu den bekanntesten Vorhaben der Umstrukturierung. Die dynamische Gegenwart drückt auch abgelegenen Hafenstädten ihren Stempel auf. Etwa, wenn an einem Kanal eine „Marina“ gebaut, ein Hafenbecken für kleinere Yachten angelegt, weiße Kuben am Ufer, im Baustil der Zeit entstehen und zur Wasserseite eine Promenade gestaltet wird. Ein aus der Zeit gefallener Hochbau, ein Speicher aus den 30er Jahren, mit nüchterner Fassade aus Beton und Ziegeln ist ein Fremdkörper neben den Neuanlagen. Dem Verfall überlassen, ohne ökonomische Bedeutung, gibt er ein Gefahrenmoment ab, ist ein Entwicklungshemmschuh. Das zweithöchste Gebäude neben dem Kirchturm hatte den Rang eines Wahrzeichens.

Manche Bürger erregten sich bei dem Gemeindevorschlag, das Bauwerk abzureißen. Ein Geschichtsforscher eilt zu Hilfe. Eine Unterschriftenaktion kommt ins Rollen. Eine Graswurzelbewegung macht die Frage „remain“ oder „exit“ zum Stadtgespräch. Umsonst. Am Ende stimmt eine Mehrheit gegen den Erhalt.

Ohnmächtig schauen die Remainer zu, wie Bagger und Abrissbirne ihr Werk in Szene setzen. Wochenlang poltern und rasseln die Maschine, schreddern das Vergangenheitszeugnis. Inzwischen ist Rasen aufgegangen. Für die kommenden Generationen ankert das Bauwerk nicht mehr im kollektiven Gedächtnis. Die Gegenwart schluckt munter Vergangenheit, baut Zukunft. Nicht jeder findet einen Weg zu einer „Elbphilharmonie“.

© Willi Volka