Willi Volka
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   Nach der Wahl
    (18.03.2024)

Wenn Kriegstreiber Putin
nach 24 Jahren die Stimmen manipuliert
kaum überraschend 87 %
für sich registriert
er nun
6 weitere Jahre triumphiert
kann in seinem Machterhalt
jetzt er es wagen
Krieg als Krieg
in die Welt zu tragen.

Seelenlos schlägt er ein
auf Wohnhäuser und Infrastrukturen
um Menschen
die wohnen bleiben wollen
in die Flucht zu schlagen.
streut Gift
jagt ohne Ruh
alle jene die ihm nicht folgen
löst gefallene Muttersöhne
mit 60.000 Eurowerten ein
lässt so Rubel rollen.

Schleudert Drohnen Explosionen
verpulvert Volksvermögen
aus traumwandelndem Aggressionenwahn
eingewickelt in Massenmanipulationen
Fake News voran
Macht als Sinn und Zweck
Missbrauch aufbaut
Abstieg ist programmiert
finale Zeitgerichte in Verlusten
zu viele Kreuze
in das Geschichtsbuch zu notieren.

                                  
© Willi Volka
 

   FotoAktuell



Berechenbarer, unberechenbarer Service - Ein Brief   

 Hallo „gelbe“ Post,
      „liebe“ mag ich nicht schreiben. Die Erklärung folgt. Ein lieb gemeinter Brief unseres Enkels überraschte uns. Louis hatte gerade sein erstes Zeugnis erhalten, das ihm bescheinigt, dass er bestimmte Buchstaben zu schreiben vermag, die in LIEBE OMA, LIEBER OPA erfolgreich eingesetzt sind. Auch ein kleines gemaltes Bild fand sich auf dem Papier.
      Ankam Samstag, den 27. Januar in Hannover. Wir Großeltern hatten uns darüber gefreut und gleich daran gemacht, zu antworten. Es verstand sich, in Kapitälchen.
      Am Wochenende wird der Briefkasten in unserer Nähe samstags bereits um 11 Uhr geleert und sonntags gar nicht. Da der Brief erst zu Leerungszeit in unserem Briefkasten fiel, gab es keine Chance eine Antwort noch am gleichen Tag loszuwerden.
     Sonntag morgens (28. Januar) besuchten wir eine Veranstaltung in der Stadt. Den Brief konnten wir zusammen mit einem anderen am Hauptbahnhof rechtzeitig vor der Leerung um 12 Uhr laut Anzeigetafel in den Briefkastenschlitz stecken. Dummerweise hatten wir unserer Tochter in Bad Essen am Telefon erzählt, dass ein Brief an Louis unterwegs sei. Nun war die Spannung bei dem Jungen aufgebaut. Wann kommt er?
       Es wurde Montag, Dienstag, Mittwoch, schließlich Samstag, ohne dass der Brief in Bad Essen angekommen war. Die Enttäuschung beim Enkel und uns war groß.
      Wir grübelten. War versehentlich die Anschrift falsch? Dann müsste er als unzustellbar zurückkommen. Wir forschten nach dem zweiten gleichzeitig eingeworfenen Brief, der zwar in Thüringen angekommen war, aber erst donnerstags, 4 Tage später.
      Wir grübelten weiter. Gibt es bei der gelben Post ein unbekanntes „schwarzes Loch“? Oder? Nein, das will man nicht hoffen. Vielleicht ein Grapscher, der auf Beute hoffte? Denn der Brief enthielt mehr als ein Blatt Papier. Im Umschlag steckten auch eine kleine Karte und ein ausgeschnittener Zeitungsartikel. Der Brief fühlte sich ein wenig dicker an. Zudem hatte meine Frau noch ein paar Bildchen auf den Umschlag geklebt, so dass die Briefmarke nicht allein den Umschlag „zierte“.
      Nach der empfangslosen 5. Woche schrieben wir beide nochmals. Diesmal vertraute meine Frau den Brief erneut der „gelben Post“ an und ich der „blauen Post“. Diesmal kündigten wir nichts an.
     Am Dienstagnachmittag (6. Februar) klingelte unser Telefon. „Der Brief ist da!“ Wir dachten an den Brief von gestern. Nein 2 steckten im Briefkasten, der dicke ältere und ein neuer! Beide von der gelben Post! Nun waren wir neugierig, ob der andere mit der blauen Post ankommt und wann. Er kam am Donnertag (8. Februar) 4 Tage nach dem Einwurf an. Dafür war das Porto 5 Cent günstiger.
        Das Rätsel, was, mit dem ersten Brief geschah bleibt. Ein Bekannter erzählte uns von Stempelautomaten, die das Stempel verweigern, wenn eine Sendung nicht der Norm entspricht. Also der Aufkleber und die Dicke waren vielleicht ein Grund, dass der Brief noch mit Hand bearbeitet wurde. Ein Mensch ist eben langsamer als der Maschinenprozess.
       Die Werbung, dass Briefe über Nacht beim Empfänger ankommen, scheint übertrieben. Wir kennen solche abgesetzten Sprüche, z. B. wie früher von der Bahn: „Alle reden vom Wetter, wir nicht“.
       Man lebt eben gelassener, wenn man solche Sprüche nicht ernst nimmt und zufrieden ist, wenn es überhaupt irgendwie klappt.
       Wenig hochachtungsvoll.
       ein ungewollter Prüfer
                                                                                               © Willi Volka

Gedenken denken
       Am 24. Februar naht der Beginn des dritten Kriegsjahres des russischen Angriffs auf die Ukraine, die sogenannte militärische Spezialoperation nach putinischer Lesart. Zuvor wurde am 22. Januar in der Ukraine an den Einheitstag von 1919, von vor 105 Jahren, gedacht, einen unteilbaren und unabhängigen ukrainischen Staat aufzubauen. Daran klammert sich Einigkeit und Glaube als Wille zum Sieg. Vielleicht ist dies ein Teil des Durchhaltewillens des ukrainischen Volkes.
     Der sich erneut jährende Jahrestag des russischen Angriffs legt es nahe, dass dort bilanziert wird. Die nun andauernden und heftigen russischen Drohnen- und Raketenangriffe, die blutigen Fronteinsätze zielen darauf ab, bis Ende Februar Erfolge aufzutischen. Die Situation wird eiskalt ausgenutzt, da es bei den Ukraineunterstützern zu lahmen scheint, Munition knapp und manche moderne Waffe nicht zur Verfügung gestellt werden. Es steht ein schwieriger Monat bevor, wenn der verstärkte Einsatz stattfindet, jetzt um jeden Preis einen Erfolg zu erzielen. Auch will der Kreml-Despot im März wieder gewählt werden. Erfolg tut not. Wer wird länger durchhalten, der Verteidiger oder der Angreifer?
      Wenn Putin das sich abzeichnende Ziel nicht erreichen soll, dann muss die Unterstützung jetzt schlagartig gesteigert werden. Wenn es nicht gelingt den Aggressor in Schach zu halten, ihn scheitern zu lassen, dann wird der „Wahnput“ triumphieren und den seinen den Krieg seinem Volk weiter schmackhaft machen und forcieren.
       Die Frage steht im Hintergrund: Wie weit reichen die Ressourcen der Kriegswirtschaft Putins, hat sie auf Dauer mehr zu bieten als massenhaft Soldaten ins Abwehrfeuer zu befehlen? Wird das russische Volk diesen despotischen Plan weiter mittragen? Die Mütter der verlorenen Söhne (350.000 ?) oder bald auch von Töchtern, die die für den Krieg schuften müssen? Oder das Mundhalten müssen über Missstände?
Die Zukunft kennt niemand. Wie groß ist das Potential auf Dauer wirklich?           

      Die Frage steht im Raum, wer hält länger durch? Ist eine Diktatur die Stärkere, weil nur befohlen wird, ohne geduldeten Widerspruch, die Vielfalt der Völker sich in gegenteilige Ansichten verheddert? Es heißt weiter zusammen zu stehen, bevor es zu spät ist! (23.01.2024)
                                                                                                        © Willi Volka

Streit

Befehle
schnitzen und schnetzeln
euere Völker.

Träumen tun sie beide
der vom Großreich
der andere bescheiden
in Not vom eigenen Land.

Der goltiathische Angreifer
findet nicht die Kraft
zu siegen.

Der Kleine hofft
auf starke Brüder
die ihn stützen
ihn nicht
bis zum Siegen führen.

Keiner kann aufgeben
Zerstörung Tod
Angst und Traumata
als Lohn
sind sich
so nah so fern
im täglich
sickerndem Blut.

Jeder klopft
an sein Schicksal
essen so lange
so viel
nur um
nicht zu verrecken
Friede und Tod
zu Geschwistern verdammt.

                          © Willi Volka


Reformationsfenster

      Wünscht die eine Frau der anderen: “Fröhliches Halloween“. Antwortet die andere: „Ich bin evangelisch und feiere Reformationstag.“
      Gefeiert wurde er im Oktober 2023 in Hannover in der Marktkirche auf besondere Weise. Anlass dazu bot die Einweihung eines Reformationsfenster zum Gedenken an Martin Luther. Nachdem der Reformator im Außenbereich der Kirche mit der Schwurhand für Gewissensfreiheit und Glaubensfreiheit steht, „Hier stehe ich, Gott helfe mir“ auf dem Reichstag zu Worms 1521. Mit dem bunten neuen Glasfenster hat man den Bibelübersetzer und Reformator, dem vor 490 Jahren die Hannoveraner folgten, in den Innenraum der Kirche geholt.
      Neuerungen ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Altkanzler Gerhard Schröder hatte 2017 im Zusammenhang mit der 500 Jahre Reformationsjubiläum angeregt die Marktkirche mit einem bunten Motivglasfenster auszuschmücken. Dazu spendierte er und vermittelte weitere Spender. Nach dem Grundsatzbeschluss erhielt der Maler Markus Lüpertz den Auftrag ein „Lutherfenster“ zu entwerfen. Es sollte Oktober 2023 werden, bis es den Kirchenraum schmückt. Mehrere Hindernisse galt es auf dem Weg bis dahin zu überwinden.
       Als der Entwurf der Öffentlichkeit gezeigt wurde entzündete sich eine Debatte über den Inhalt. Anstoß und Ablehnung finden insbesondere die 5 Fliegen, die auffällig groß sich im Bild verteilen und eine große Mücke gar auf Luther Brust lastet. Dies wurde für eine Kirche und für den Reformator als unästhetisch empfunden. Es bedurfte der Aufklärung, Fliegen als „Zeichensprache“ in der Tradition zu verstehen. Schließlich hat Luther mit dem Teufel „gekämpft“, der ihm so real erschien, dass er mit dem Tintenfass nach ihm warf, weil er sich durch eine „teuflische“ Fliege an seiner Bibelübersetzung gestört fühlte.
     Im Alten Testament berichtet Mose im 2. Buch von einer Mücken- und Stechfliegenheimsuchung. Fliegen standen in der biblischen Darstellung für das Böse.
     Ein weiteres Problem trat infolge der Urheberechte an der Kirchraumgestaltung auf. Die Erben strengten einen Prozess an, wollten die puristische Gestaltung der Backsteinwände, Säulen und vor allem die großen weißen Fensterfronten des Architekten Dieter Oesterlen als Ensemble erhalten wissen. Der Prozess endete 2021 mit einem Vergleich, der den Einbau zuließ, ihn mit einer Tafel versehen, die darauf hinweist, dass das Fenstern ursprünglich kein
Teil der Raumgestaltung war.
    Bei strenger Betrachtung entspricht der gotische Flügelaltar im Ostchor gemeinsam mit bunten halbhohen Glasfenstern, nicht der „puristischen“ Architektur. Reste der farbigen Glasfenster mit Heiligendarstellungen sind über den Krieg gerettet worden. Ein Teil davon stammt aus der Zeit von 1500. Auch wenn man den Blick in den Turmraum über dem Westprotal wendet, schaut man auf ein buntes Betonglasfenster mit einem Trinitatismotiv von 1960 des Bildhauers Klaus Arnold.
    Unter diesem Blickpunkt betrachtet, ist das neue Fenster eine Fortsetzung einer „Bilderwelt“ im Sakralraum, eine Sprache in einer Glasfensterbildtradition. Wer weiß, ob nicht eines Tages einmal auf der gegenüberliegenden Seite ein weiteres Glasfenster, als ein Pendant entsteht.
     Kaum war die Urheberrechtsklage überstanden, stieß Altkanzler Gerhard Schröder mit seinem Bekenntnis zur Freundschaft zu Vladimir Putin, was nach dem Überfall der Ukraine durch Russland schwer nachvollziehbar ist, auf Unverständnis. In der Folge hat die Kirchengemeinde sich von der Spendenaktion des Initiators über 208 000 € distanziert und zurückzahlt bzw. ein Teil zur Unterstützung der Ukraine umgewidmet.
     Im neuen 13 m hohe Reformationsfester dominiert im unteren Drittel die weiße Gestalt Luthers. Auf ihrer Brust sitzt eine übergroße schwarze Fliege mit angelegten Flügeln und Krabbelbeinen auf der Brust. Sie verkörpert mit den anderen das Teuflische, störend. Das Teuflische hat Flügel, bewegt sich im Bild auf vielen Stellen und kommt in der Wirklichkeit in unsere Stuben.
       Das große zentrale Tier wird links und rechts noch von zwei kleineren Fliegen begleitet. Zentral zeigt sich auch das von Leid gezeichnete Gesicht Luthers, voll Selbstzweifel und Depressionsausdruck, Ausdruck einer inneren Zerrissenheit. Hier steht kein strahlender Verkünder. Mit groß aufgerissenen Augen schaut er herab. Erst bei genauerer Betrachtung entdeckt man segnende Hände. Wie sind die erhobenen Hände, die beim zweiten Blick auffallen, zu deuten? Von Luther oder gar einem dahinterstehender Jesus?
     Über Luthers Kopf wird in leuchtemde Rot ein Laib mit sichtbar rippenknöchrigem Körper gezeigt, der erahnen lässt, dass hier ein Gemarterter liegt. Darüber das leidende Gesicht Christi, ein christliches Symbol des Leidens, der Auferstehung und Vergebung der Sünden.
    Diese Abfolge nach oben von Luthers verzerrtem Gesicht, über den toten Körper, dem Kronenhaupt, den die größte Fliege deckelt – was für eine Abstufung!
     Und ganz oben überrascht ein wohlgeformter Kopf, in klassischem Stil, mit einer Fliege am Hals. Dort angekommen rätselt man über die Deutung. Darüber ist ein Tintenfass mit leuchtendem Blau zu entdecken. Nicht schwarz, sondern blau in der Höhe weist eine Verbindung zum Himmelsblau über uns.
   Der nicht gegenständliche Teil des Fensters zeigt sich als eine farbige Komposition aus auf Glas gemaltem Mosaik, Linien, Ornamenten und Kreuzmustern.
     Ist es nicht so, dass die Macht solcher Bilder im Erzählen, Erinnern und Inspiration liegt. Im Kirchenraum bleibt das Bild fixieret, wechselt die Farben mit dem Licht der Sonne, bleibt sich treu. In solchem Rahmen hat das Bild bestand, drängt sich in aller Stille auf, bleibt stehen. Wie anders unsere digitale Bildwelt, die immer wieder sich erneuert, ablöst und abtaucht.
     Wenn Neues im Öffentlichem Raum auftaucht, kommt es spontan zu Ablehnung oder gar Anfeindung. So, wie es Anfang der 70er Jahre mit den bunten und drallen Figuren von Niki de St. Phalle geschah. Heute sind sie geliebt, anerkannt und werden in Miniausgaben als Souvenir für Hannover angeboten.
     So werden sich die Wogen über das Fliegenfenster ebenfalls glätten und die Bildersprache akzeptiert werden. In absehbarer Zeit wird das, was täglich viele Besucher anlockt, nicht mehr wegzudenken sein.
    
(Fotos siehe unter Monatsseite : Ecce Reformationsbild)

                                                                                                      © Willi Volka

Sätzling 67 – Kreuzen im Blau
      Nach der Wahl ein „Doppelwumms“? Ein Teil sieht nun „schwarz“ und mehr sehen blau-äugig und traut den „Blauen“ zu, dass sie Ordnung in ein schräg gefühltes „Chaos“ beringen können.

      Dürfen wir uns an das Wachstum der blauen Balken gewöhnen, dass sie über rot, grün und gelb triumphieren? Die Farbverschiebung darf keine Zukunft haben. Wie in aller Welt soll blau sozialer, grüner und liberaler sein?
       Die Angst und Sorge über Migration und Zuwanderung, Inflation, Teuerung (vor ein paar Tagen, kostete ein Beutel Äpfel 6,50 €, nun plötzlich 7,50 €), ökonomischer und sozialer Wandel, Überforderung durch die Beschleunigung der Veränderung, die Klimafrage und und  …, alles Zusammen frisst sich als Missstand in unsere Köpfe. Allgemeine Unzufrieden-heit wächst, die Kommunikation zwischen Parteien und Bürger stockt, zeigt sich in Streiterei-en, eine Vision, eine Zielmarke fehlt. Der Eindruck ist entstanden, als bewege sich nichts oder alles zerfledert. Dabei ist gewaltig was tatsächlich angepackt gestaltet und gelöst werden muss.
       Die blaue Sicht macht die Migration für die Missstände verantwortlich. Als ob sie von rot, grün und gelb gewollt sind und nicht das Problem, das auf uns zugekommen ist, gesehen wird. Einfach die Lösung: Die Grenzen dicht machen. Den Klimawandel durch menschliche Einflussnahmen leugnen, wo was getan werden sollte (Klimabkommen). Putins Angriffskrieg zu stützen, den Austritt aus der EU anstreben u.a. Ein Klima der Angst wird mit vereinfach-ten Lösungen bedient: Als ließen sich die Probleme mit ihren Worten und Parolen, mit blauer Farbe, schnell und besser beseitigen? Was passiert, wenn sie handeln können?
       Erinnerungen werden geweckt: Hatte einst nicht Nationaldeutschland unser Land und die Welt ins Unglück gestürzt mit der Beseitigung von Freiheit der Meinung (Bücherverbren-nung), Pressegleichschaltung, Verfolgung von Minderheiten (z. B. Juden und Roma) oder auf den Führer zu schwören, seinen Eroberungs- und Vernichtungskrieg (wollt ihr den totalen Krieg) mitzumachen? Hatte Deutschland sich nicht einmal eine nationalistische Regierung gewählt, die sich rasch zur Diktatur formierte. Sind wir so Geschichtsvergessen?
         Wie blauäugig sind die Blauen und wie blauäugig sind die, die blau wählen? Die Blauen müssen mit Argumenten und demokratischen Werten konfrontiert, ihre Vorstellungen wider-legt und wo sie gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik verstoßen, geahndet werden. Wir müssen aufwachen und erkennen, wenn Freiheit, Gewaltenteilung, Grundgesetz, letztlich un-ser Demokratiegebäude angegriffen wird.
        Wie lebte es sich so viel Jahrzehnte geborgen und in Frieden, Sicherheit und gewissem Wohlstand. Wir dürfen uns nicht von der Vergangenheit einlullen lassen.
          Nach der Wahl ist vor der Wahl. Bei zu viel Blauäugigkeit laufen wir Gefahr, ein anderes Land mit anderen Grundsätzen zu werden. Kreuzen wir nicht zu sehr im Blau, die Welt ist bunter …
Ich will stolz auf mein Land sein können!

                                                                                           © Willi Volka

Textlese

Während langen Zeitspannen scheinen die Oberen sicher an der Macht zu sein, aber früher oder später kommt immer der Augenblick, in dem sie entweder ihren Selbstglauben oder ihre Fähigkeit, streng zu regieren oder beides verlieren. Dann werden sie von den Angehörigen der Mittelklasse gestürzt, die die Untertanen auf ihre Seite ziehen, indem sie ihnen vormachen, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen.“
                                                                                            George Orwell 1984, Ullstein, S.186
Was so nicht bei Orwell steht: Wenn die Mittelschicht in Unterdrückung oder in Rechtlosigkeit gefangen ist, was dann? Die „obere“ Selbsterhöhung kann nur im Erfolg bestehen. Fehlt er, werden andere „Obere“ gegen den bisherigen aufbegehren und ein Konflikt wächst. Worauf bauen dann die Neuen auf? Auf das Versagen und die Fehlhandlungen des Vorgängers oder suchen sie einen die Zukunft tragenden Weg? Wenn Putin zum „Nichtmehrtin“ wird, was geschieht bis dahin? Mehr Fragen als Antworten.   (19.0.2022)
                                                                                                               © Willi Volka

Sätzling 66 zum Welttag der Poesie

Dunkle Wolken


Der Tag leuchtet auf
Jets vertönen in Routine den Himmel
es gibt Gegenden da heulen unter Tränen
die Übernächtigten und Getroffenen
wo dunkle Rauchwolken den Tag schwärzen.


Der erste Tag des offenen Krieges
zählt bald 30 Einzwölfteljahr
Zeiten gibt es die kriechen schnecken
finden keine Spur zum Frieden
ticken Weh Zerstörung und Tod.


Im Trauern schlagen Herzen Takt
im ohnmächtigen Hoffen dem Schlächter
der Schlaf geraubt die Nerven zucken
nicht er alles beherrschen kann
widerstandfähig Helden im Märtyrersein.


Welche Freunde sind Putin geblieben
Schlächter Assad Vasall Lukaschenko
Geiselnehmer seines Volkes Kjm Jong-un
Eritreas repressiver Herrscher Isayas Afewerki
mit diesen Leuten ist auf Dauer kein Staat zu machen.


Gesinnungsgenossen
im Richten der Geschichte
wird kein Milchglas kein Kitt aus Fake News verwendet
eingehen wird was einmal war
wahnbesessener Wladimir das Ungeheuer …


     (21.03.2022)       
                                                        © Willi Volka

Sätzling 65

Der irre Weg  eines "lupenreinen Demokraten"
       Herr Ex-Kanzler Gerhard Schröder, spät haben Sie ihre Stimme erhoben, öffentlich ihren Freund, den „lupenreinen Demokraten“ für seinen angezettelten Krieg anzugehen – man sagt eine gute Freundschaft hält auch Krisen aus. Ist die Krise aber derart, dass die Folgen Tod für Menschen bedeutet, Zerstörung bringt und Fluchtbewegungen auslöst, um der Mach willen eingegangen werden, kann das für eine Freundschaft folgenlos bleiben? Ist eine Freundschaft in solch einen gravierenden Fall nicht neu zu überdenken! Wo bleibt die Konsequenz gegen-über einem so brutalen “Freund“, laut und unüberhörbar die „Lupenreinheit“ zu widerrufen und sich konsequent von seinen Gaben á la Gazprom „unverzüglich“ zu lösen, damit ein Be-kenntnis ablegen, dass dieser Weg auch dem kriegsauslösenden Machthaber gestützt hat.
       Ist das Verhalten Putins nun in irgendeiner Form wirklich neu? War sein Weg bisher nicht von Brutalität geprägt: Georgien, Tschetschenien, Weißrussland, Krim, Donbass, nicht Syrien zu übersehen. Er trat schon immer aus seiner Machfülle brutal und knallhart auf. Herr Schröder, ihr bisherige Zurückhaltung hat ihr Ansehen längst tief fallen lassen.
Ihr Wort „Der Krieg und das damit verbundene Leid für die Menschen in der Ukraine muss schnellstmöglich beendet werden.“ ist ohnmächtig, wie so viele andere Worte, aber zu wenig. Und dann schon eine Hintertür zu öffnen, „politisch, wirtschaftliche und zivilgesell-schaftliche Verbindungen nicht gänzlich zu kappen“. Sie ängstigen sich, dass ihre Gazprom-Zusammenarbeit beschnitten werden könnte?
       Der „lupenreine Demokrat“ wird die bestehende ukrainische Regierung beseitigen wollen und einen willfährigen Präsidenten bestimmen und kalkulieren, auf diesem brutalen Weg das Land und in seinem Sinne zu verwalten, eher zu unterjochen. Kann er aber auf diesem Weg die Herzen der Menschen gewinnen? Wohl kaum, schon gar nicht, wenn Wunden geschlagen und gestorben wurde und innere Frieden verloren gegangen ist.
Europa wird sich zusammenschweißen, zusammenstehen in Hoffnung und Notwendigkeit. Die Zeit wird zum Faktor. Zwar mögen kurzfristig putinistische Vorteile entstehen. Das kol-lektive Gedächtnis lebt und wird wachsen. Nicht vergessen sind Aufstände 17. Juni 1953 in der DDR, in Prag oder in Ungarn und nicht zuletzt Leipzig 1989. Die Menschen haben in ihrer sich befreien wollenden Bestrebungen schließlich über Waffen gesiegt. Das ist die langfristige Hoffnung, die am Leben bleibt. Ist die Ächtung, die nun folgt, den Einsatz wert?
          Der Krieg erschüttert Europa, Weckt Genrationserfahrungen. Die Seelen sind aufgewühlt. Was in der bisherigen europäischen Zusammenarbeit gelungen ist, waren friedliche Jahrzehnte. Um dies, was selbstverständlich war, zu erhalten, müssen nun Opfer gebracht werden. Teure Zeiten und Meinungskämpfe entfachen sich in Europa neu. Keiner kennt die Kosten auf mate-rieller Basis, auf emotionaler Ebene mit der Ächtung der Aggression, mit Sanktionen zu bele-gen, die eher wie Seifenblasen wirken, die am „Fell des Bären“ zerplatzen und kurzfristig we-nig Wirkung zeigen.
Wenn Europa sich „zerfleischt“ und seine Ressourcen schwinden, gibt es einen „lachenden Dritten“, der ein Nachbar Russlands ist: China. Stellt sich Putin vor, mit mehr „Europa“ ein Gegengewicht zu dem Massenreich China sein zu können?
        Als hätten wir nicht genug zu tun mit den Umweltfragen, dem technischen Wandel und ei-ner gerechten Verteilungsfrage der Güter. Das alles wird durch einen Krieg geschwächt. Das wird auch auf sein Land zukommen und muss sein Volk ertragen. Wie leidensfähig sind Nationen?
                                                                                                          (24.02.2022)

Sätzling 64

Europa – Mein Beitrag zu „Europe2022“

3 Tage nachdenken, formulieren, aufrufen und handeln.

EUROPA – ist ein Kontinent von Meer zu Meer mit Tiefen und Höhen, mit mor-genländischen und asiatischen Nachbarn, unter Sonne und Regen, Schnee und Eis, Dürre und Überflutung, Lavagluten und Ascheregen speienden Vulkanen, Gletscherauflagen.

Kulturverzweigte Wurzeln, Kulturahnen der Vergangenheit in der globalen Schmelze. Von Vielfalt geprägt und gemeinsamen Werten, die Werte zu tragen und zu verteidigen sind. Was wäre Europa ohne seine Philosophie, seine Religionen, seinen Zeitphasen und Reiche, ohne seine Musik und seine Sprachen? Geografi-sche Lage und Geschichte sind Verpflichtung und Fessel, sie festhalten und lo-ckern zugleich, zur Fortdauer und zum Wandel von Bewusstsein. Das Bleibende, Wertevolle und sich Ergänzende erkennen. Den Sternenbanner Europas hochhal-ten, seine Sterne aufleuchten lassen.

EURO - ein Kitt, der einen Teil der Staaten verbindet, ein Wirtschaftsraum, der sich Regeln gibt und den Markt damit verkittet. Eine Währung verteilt in viele Geld-beutel, ungleiche Steuern. Wie lange das dann gut geht? Baut auf den Euro gegen die Mächtigen der Welt, schafft Vertrauen in ihn und verbessert die verbindenden Grundlagen. Zusammenraufen ist angesagt oder Währungsscherben werden im entfesselten Wettbewerb zerstörerische Kräfte freisetzen.

EU („e-uh“), ist eine Wirtschaft- und Wertegemeinschaft auf gemeinsamer Basis von Demokratie, Freiheit und Rechtmäßigkeit mit Exit-Tendenzen einzelner Staa-ten. Modell erhalten und Identität stärken. Menschlichkeit ist mehr wie ein Banner?

Die ethnisch-kulturelle Vielfalt ist offen zu halten, miteinander zu versöhnen. Dies ist eine andauernde Kernaufgabe und wichtig für die globalisierende Zukunft. Die aufweichende Homogenität der Bevölkerung gilt es aufarbeiten, anleiten und lernen, im Wandel zu bestehen. Der Individualismus darf nicht mächtiger sein wie der Gemeinsinn. Ein kollektives Bewusstsein darf nicht auslaugen. Brüssel hat sich stetig, in der Zusammenführung zu bewähren.

E im Strom für eine Umwelt. Klimarettung? So Vieles ist immer wieder zu retten. Hört die SOS-Rufe – handelt, rettet, überzeugt. Stromwelt fördern, aber nicht über-treiben. Konsum und Energiehunger ins Gleichgewicht bringen. Weltweite Zusam-menarbeit und Partnerschaft finden, in Fragen der sich verbindenden Interessen beim Klima, in der Welt der digitalisierten Kommunikation, im Frieden und gesell-schaftliches Leben für alle. Die Idee einer Weltgemeinschaft in gemeinsamen Pro-jekten umsetzen. Ein schwerer weiter Weg zu mehr gegenseitiges Vertrauen.

In Europa steckt Potential, das vor allem menschlich ist. Auf solche Welt zu bau-en, bedeutet Zukunftsfähigkeit und bedarf belebender Denkungsart gegen Gleich-gültigkeit. Weitsichtigkeit zu entwickeln heißt ablassen von Zerstörung und vergif-tenden Störungen der Kreisläufe.

Erkenntnis akzeptieren und Besserungen anstreben ist die Aufgabe. Was tut Eu-ropa für und mit uns? Besser, was tust du und tue ich für Europa?

Ohne Europa wird deine Stadt und dein Land zum Spielball anderer. Eigene Stärke ist in Gemeinsamkeit zu beweisen. Ohne Wissenschaft, ohne Erkenntnis und Einsicht und Gegensteuern wird die Globusnatur menschliches Leben und Sein verdrängen …

EUROPA→EURO→EU (E-UH)→E -  Viel, viel  bleibt zu tun! Den Weg finden, ihn zu gehen tut not. Wann rauftt sich die Staatengemeinschaft endlich zusammen?

                                                                                                    © Willi Volka


Sätzling 62

Da hat einer die Sprossen der Macht erklommen. Die Frage stellt sich: Wie und wie lange hält sich ein knallharter Stratege auf einer schwankenden Leiter? Der Alexander – kein großer – ein brutaler Egomane umklammert verkrampft die Streben.

Die Zivilgesellschaft stimmte nach der Wahl im August, deren Ergebnis nach Auffassung von Beobachtern gefälscht wurde, für andere Vorstellungen von Herrschaft, die ein sich festgesetzter ehrgeiziger Präsident nicht akzeptiert. In seinen verengten Gehirnkammern gibt es nichts stärkeres, wie Macht zu halten, existiert eine Konditionierung des Denkens, die  Gedankenfreiheit und Selbständigkeit nicht zuzulassen, auf Kosten von Menschlichkeit, sich selbst zu dienen anstatt seinem Volk.

Alles, was Alexander Lukaschenkos Machtanspruch gefährdet, verfolgt er, schleudert er wie Unkraut auf den Komposthaufen. Perfide ist, aus Rachegelüsten auf verhängte Sanktionen, Menschensaat, Setzlinge auf dem „Grenzacker“ auszubringen. Wie unverschämt, zu behaupten, Flüchtlinge wären von jenseits der EU-Außengrenze „eingeladen“. Vielmehr nutzt er die Sogwirkung der kapitalistischen, demokratisierten und informationstechnisch entwickelter Räume aus und ebnet den Zugang in den Grenzraum, vor allem von Polen, Litauen und Lettland. Er beschuldigt die Grenzbewacher, Kinder, Frauen und Männer vor Zäunen ausharren, frieren und hungern zu lassen. Die Mneschen kämpfen in ihrer Verzweiflung gegen den Sperrriegel, leider auch mit Todesopfern.

Wer ist der Motor für diesen Zustand? Mit seiner Unterstützung der Flüchtlinge zum Grenzgang zeigt Lukaschenko eine unbarmherzigen Umgang mit Menschen. Er nimmt deren falsch geleiteten Hoffnungen als Waffe und Propaganda gegen EU-Staaten. Kollateralschäden seines Vorgehens, der selbst verursachten Migrationssituation, nutzt er propagandistisch gnadenlos aus und verdreht dabei Ursache und Wirkung. Sein strategisches Sinnen im medialen und anthropozänen Zeitalter und allgemeinen Wirtschaften und Kulturleben lässt im eigenen Volke keinen Wandel zu, ist zynisch und lebenverachtend, negiert er Umbrüche in den Gesellschaften.

Die Magie seiner Macht hält er für beständig. Sie treibt ihn in die Angst, zwingt in Rückzugskammern. Im lukaschenkonisches Stück glaubt er an Fäden, Puppen tanzen lassen zu können. Er sucht die mediale Aufmerksamkeit, zugleich als Ablenkungsspirale und Manöver gegen die eigene Gereiztheit. Die Ressource, Druck auszuüben, unterliegt einem Zeitfaktor. Seine Utopie, sie ständig aufzufrischen führt in die Abnutzung und zeigt Nebenwirkungen, löst Reflexe aus, die seine Angst steigern. Er fokussiert die Welt in sich, als gäbe er nur diese eine. Spielt sich auf wie ein Ritter ohne Furcht und Tadel mit Allmacht, die er nicht besitzt. Er pflegt eiskalte Diktatormoral, die nur für sich selbst steht und ins Verhängnis führt, ihm den Schlaf raubt. In seiner Not wirft er sich in die Arme des benachbarten Bruders. Rette mich, sorge für meine Sicherheit. Der große Nachbar wird gerne vorsprechen und versprechen: Wir bilden ein Reich und wird ihm sagen, wo es lang zu gehen hat.

Dem Zeitgeist und der Menschlichkeit sich verschließen, heißt ein Ritter voller Borniertheit und Verblendung, ein Don Quichote gegen Windmühlenflügeln zu sein. Aber letzterer träumte von seiner Dulcinea, die ihn anspornte. Lukaschenko verhakt sich in seiner Winterkälte und seinem starren Machterhalt. Unzensierte Geschichtsbüchern werden eines Tages sein unrühmliches, gegen Rechtsstaatlichkeit geführtes Regime dokumentieren.

Pessimismus ist kein Raum zu geben. Er macht bequem. Sich bewegen und eine bessere Zukunft ersehnen und bauen, ist ständiger Antrieb und Aufgabe. Globales Gemeingut wie Humanismus, Achtung, Rationalität und Utopien erfordert, für die Menschen einen Weg aus dem zynischen Akt zu finden. Leider wird da auf Zeit gespielt, um nicht eine Schleuse für unkontrollierte Migration zu öffnen, um den Auslöser dieser Grausamkeiten nicht triumpfieren zu lassen.Das lastet schwer auf den Betroffenen

(10.11.2021)                                                                                               © Willi Volka

Sätzling 61 

Ein Entscheid der polnischen Gerichtsbarkeit erhebt sich über eine vereinbarte gemeinsame Grundlage im Europäischen Gemeinschaftsrecht. Offenbar werden die polnischen Richter politisch besetzt und folgen in ihren Entscheidungen Vorgaben der nationalen Politik. Die Frage steht im Raum, wo und wann greifen die Regeln des gemeinsamen Rechts und wer hat das letzte Wort?

Nach EU-Grundrechten haben Justizbehörden unabhängig zu sein. Die Beschlüsse gemäß EU-Recht sind für Mitgliedsstaaten verbindlich und die Meinungsfreiheit ist zu gewähren.

Wie geschieht es, dass es zu Unstimmigkeiten kommt?

Gesellschaften sind im Transformationsprozess infolge Pandemie, globale Mobilität Klimawandel, Digitalisierung und Herrschaftsräume mit festen Machtstrukturen u.v.m. verunsichert. Diese Gegebenheit nutzen Politiker mit Machtinstinkt und Herrschaftsansinnen aus. Sie propagieren Lösungen zur Bewältigung der dynamischen Probleme. Sie setzen auf eine Popolistenrolle und geben sich zu Hoffnungsträgern, die viele Menschen aus dem Volk anzuziehen. Man blicke beispielsweise auf Boris Johnson mit dem Brexit, Victor Orban mit seiner Verweigerung einer Lösung für Flüchtlingsfragen oder der jüngste polnische Entscheid, nationales Recht über EU-Recht zu stellen. Der Trend, seine eigenen Interessen in den Vordergrund zu bringen und die Lösung zu wissen, richtet sich gegen gemeinschaftliches Streben, die Notwendigkeit als Gemeinschaft in den großen Fragen geschlossen aufzutreten.

Darf Egoismus einiger europäischer Staaten zukunftsfähig sein? Auf globaler Ebene nein. Es haben sich große und Machtblöcke herauskristallisiert, die wie die kleinen Staaten nach Macht und Einfluss streben und entsprechend handeln. Russland mit 0,15, USA 0,35, EU 0,5 Milliarden Einwohnern und vor allem China mit einem Menschenpotenzial von 1,4 Milliarden.

Ein Vorfall vor Kurzem zeigt, wie aus einem Machblock eine Einflussnahme kam, die offenbart, was die „Kleinen“ von „Großen“ erfahren könnten. Andere werden folgen.

Stefan Aust (Die Welt) und Adrian Geiger (Stern) haben eine Biografie über den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping verfasst. Sie planten in Hannover eine Online-Lesung gemeinsam mit der Universität Duisburg. Eine Intervention, die die Lesung verhinderte, kam von der Tongji-Universität Shanghai, die das Leibniz-Konfuzius-Institut betreibt (z.T. von China finanziert ist). Auch der chinesische Generalkonsul in Duisburg schalte sich ein. Mit der Untersagung liegt ein Eingriff vor, der sich nicht mit unseren Wertvorstellungen von Freiheit der Wissenschaft und der Meinung verträgt. Erfreulicherweise kam es sofort zu Reaktionen, die nun die Autobiografie in den Vordergrund brachte. Die Nachfrage nach dem Buch mehrte den Verkauf. Die Autoren lasen life.

Wäre dies ein zu übersehender Einzelfall, wäre darüber nicht groß nachzudenken. Vielmehr ist das in den Zusammenhang mit Hong Kong zu stellen, wo der vereinbarte Sonderstatus systematisch ausgehöhlt wird und mit den chinesischen Forderungen in Bezug auf Taiwan. Das Vorgehen kommt nicht in einen Gewaltschlag daher, sondern in subtilen Schritten, wo auf Zeit gespielt wird. Hier offenbart sich ein Machtdenken, das die hier vertretenen Ziele mit langem Atem ausgeht.

Vielleicht nur ein kleiner Warnschuss, aber einer, der aufwecken müsste. Die Folgerung heißt, sich zu einigen und gegen solche Eingriffe mit einer gemeinsam die Stimme zu sprechen:

Auf mittlere Sicht ist mit zunehmenden Einflussanspruch zu rechnen. Dagegen heißt es  sich zu wappnen, dass man nicht eines Tages unter dem Druck von außen so einknickt, dass man sich nur schwer noch befreit. Ob es auf einen apokalyptischen Weg führt, wird die ferne Zukunft offenbaren.  

Für 27-EU-Mitglieder heißt es:

Findet tragbare Kompromisse für eure Streitigkeiten. Einigt euch, steht zusammen, setzt Vernunft ein. Ringt um gemeinsame Fundamente, die gegen unsere Werte betreffende Einsprüche Stand zu halten.

Noch ist Zeit dazu!

 (25.10.2021) 



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