Willi Volka
20.09.2022  -   " Neu: Monatsseite "Kloster Wienhausen; Allerlei - Textlese; Reingeschaut 2 . C. Scheel, Aus gegebenem Anlass, Unter Augenschein; Hannover Messe 2022 - 75 Jahre,   Lenk ein, Code 24022022, Vor 80 Jahren und An der Kieler Föhrde  - Dunkle Wolken, Wladimirs Geschichtsbucheintrag, Allerlei,   - Gesammelte AugenblickeBelichtet / Objektiviert "Auf Maskenfährte" 

Textlese

Während langen Zeitspannen scheinen die Oberen sicher an der Macht zu sein, aber früher oder später kommt immer der Augenblick, in dem sie entweder ihren Selbstglauben oder ihre Fähigkeit, streng zu regieren oder beides verlieren. Dann werden sie von den Angehörigen der Mittelklasse gestürzt, die die Untertanen auf ihre Seite ziehen, indem sie ihnen vormachen, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen.“
                                                                                            George Orwell 1984, Ullstein, S.186
Was so nicht bei Orwell steht: Wenn die Mittelschicht in Unterdrückung oder in Rechtlosigkeit gefangen ist, was dann? Die „obere“ Selbsterhöhung kann nur im Erfolg bestehen. Fehlt er, werden andere „Obere“ gegen den bisherigen aufbegehren und ein Konflikt wächst. Worauf bauen dann die Neuen auf? Auf das Versagen und die Fehlhandlungen des Vorgängers oder suchen sie einen die Zukunft tragenden Weg? Wenn Putin zum „Nichtmehrtin“ wird, was geschieht bis dahin? Mehr Fragen als Antworten.   (19.0.2022)
                                                                                                               © Willi Volka

Sätzling 66 zum Welttag der Poesie

Dunkle Wolken


Der Tag leuchtet auf
Jets vertönen in Routine den Himmel
es gibt Gegenden da heulen unter Tränen
die Übernächtigten und Getroffenen
wo dunkle Rauchwolken den Tag schwärzen.


Der erste Tag des offenen Krieges
zählt bald 30 Einzwölfteljahr
Zeiten gibt es die kriechen schnecken
finden keine Spur zum Frieden
ticken Weh Zerstörung und Tod.


Im Trauern schlagen Herzen Takt
im ohnmächtigen Hoffen dem Schlächter
der Schlaf geraubt die Nerven zucken
nicht er alles beherrschen kann
widerstandfähig Helden im Märtyrersein.


Welche Freunde sind Putin geblieben
Schlächter Assad Vasall Lukaschenko
Geiselnehmer seines Volkes Kjm Jong-un
Eritreas repressiver Herrscher Isayas Afewerki
mit diesen Leuten ist auf Dauer kein Staat zu machen.


Gesinnungsgenossen
im Richten der Geschichte
wird kein Milchglas kein Kitt aus Fake News verwendet
eingehen wird was einmal war
wahnbesessener Wladimir das Ungeheuer …


     (21.03.2022)       
                                                        © Willi Volka

Sätzling 65

Der irre Weg  eines "lupenreinen Demokraten"
       Herr Ex-Kanzler Gerhard Schröder, spät haben Sie ihre Stimme erhoben, öffentlich ihren Freund, den „lupenreinen Demokraten“ für seinen angezettelten Krieg anzugehen – man sagt eine gute Freundschaft hält auch Krisen aus. Ist die Krise aber derart, dass die Folgen Tod für Menschen bedeutet, Zerstörung bringt und Fluchtbewegungen auslöst, um der Mach willen eingegangen werden, kann das für eine Freundschaft folgenlos bleiben? Ist eine Freundschaft in solch einen gravierenden Fall nicht neu zu überdenken! Wo bleibt die Konsequenz gegen-über einem so brutalen “Freund“, laut und unüberhörbar die „Lupenreinheit“ zu widerrufen und sich konsequent von seinen Gaben á la Gazprom „unverzüglich“ zu lösen, damit ein Be-kenntnis ablegen, dass dieser Weg auch dem kriegsauslösenden Machthaber gestützt hat.
       Ist das Verhalten Putins nun in irgendeiner Form wirklich neu? War sein Weg bisher nicht von Brutalität geprägt: Georgien, Tschetschenien, Weißrussland, Krim, Donbass, nicht Syrien zu übersehen. Er trat schon immer aus seiner Machfülle brutal und knallhart auf. Herr Schröder, ihr bisherige Zurückhaltung hat ihr Ansehen längst tief fallen lassen.
Ihr Wort „Der Krieg und das damit verbundene Leid für die Menschen in der Ukraine muss schnellstmöglich beendet werden.“ ist ohnmächtig, wie so viele andere Worte, aber zu wenig. Und dann schon eine Hintertür zu öffnen, „politisch, wirtschaftliche und zivilgesell-schaftliche Verbindungen nicht gänzlich zu kappen“. Sie ängstigen sich, dass ihre Gazprom-Zusammenarbeit beschnitten werden könnte?
       Der „lupenreine Demokrat“ wird die bestehende ukrainische Regierung beseitigen wollen und einen willfährigen Präsidenten bestimmen und kalkulieren, auf diesem brutalen Weg das Land und in seinem Sinne zu verwalten, eher zu unterjochen. Kann er aber auf diesem Weg die Herzen der Menschen gewinnen? Wohl kaum, schon gar nicht, wenn Wunden geschlagen und gestorben wurde und innere Frieden verloren gegangen ist.
Europa wird sich zusammenschweißen, zusammenstehen in Hoffnung und Notwendigkeit. Die Zeit wird zum Faktor. Zwar mögen kurzfristig putinistische Vorteile entstehen. Das kol-lektive Gedächtnis lebt und wird wachsen. Nicht vergessen sind Aufstände 17. Juni 1953 in der DDR, in Prag oder in Ungarn und nicht zuletzt Leipzig 1989. Die Menschen haben in ihrer sich befreien wollenden Bestrebungen schließlich über Waffen gesiegt. Das ist die langfristige Hoffnung, die am Leben bleibt. Ist die Ächtung, die nun folgt, den Einsatz wert?
          Der Krieg erschüttert Europa, Weckt Genrationserfahrungen. Die Seelen sind aufgewühlt. Was in der bisherigen europäischen Zusammenarbeit gelungen ist, waren friedliche Jahrzehnte. Um dies, was selbstverständlich war, zu erhalten, müssen nun Opfer gebracht werden. Teure Zeiten und Meinungskämpfe entfachen sich in Europa neu. Keiner kennt die Kosten auf mate-rieller Basis, auf emotionaler Ebene mit der Ächtung der Aggression, mit Sanktionen zu bele-gen, die eher wie Seifenblasen wirken, die am „Fell des Bären“ zerplatzen und kurzfristig we-nig Wirkung zeigen.
Wenn Europa sich „zerfleischt“ und seine Ressourcen schwinden, gibt es einen „lachenden Dritten“, der ein Nachbar Russlands ist: China. Stellt sich Putin vor, mit mehr „Europa“ ein Gegengewicht zu dem Massenreich China sein zu können?
        Als hätten wir nicht genug zu tun mit den Umweltfragen, dem technischen Wandel und ei-ner gerechten Verteilungsfrage der Güter. Das alles wird durch einen Krieg geschwächt. Das wird auch auf sein Land zukommen und muss sein Volk ertragen. Wie leidensfähig sind Nationen?
                                                                                                          (24.02.2022)

Sätzling 64

Europa – Mein Beitrag zu „Europe2022“

3 Tage nachdenken, formulieren, aufrufen und handeln.

EUROPA – ist ein Kontinent von Meer zu Meer mit Tiefen und Höhen, mit mor-genländischen und asiatischen Nachbarn, unter Sonne und Regen, Schnee und Eis, Dürre und Überflutung, Lavagluten und Ascheregen speienden Vulkanen, Gletscherauflagen.

Kulturverzweigte Wurzeln, Kulturahnen der Vergangenheit in der globalen Schmelze. Von Vielfalt geprägt und gemeinsamen Werten, die Werte zu tragen und zu verteidigen sind. Was wäre Europa ohne seine Philosophie, seine Religionen, seinen Zeitphasen und Reiche, ohne seine Musik und seine Sprachen? Geografi-sche Lage und Geschichte sind Verpflichtung und Fessel, sie festhalten und lo-ckern zugleich, zur Fortdauer und zum Wandel von Bewusstsein. Das Bleibende, Wertevolle und sich Ergänzende erkennen. Den Sternenbanner Europas hochhal-ten, seine Sterne aufleuchten lassen.

EURO - ein Kitt, der einen Teil der Staaten verbindet, ein Wirtschaftsraum, der sich Regeln gibt und den Markt damit verkittet. Eine Währung verteilt in viele Geld-beutel, ungleiche Steuern. Wie lange das dann gut geht? Baut auf den Euro gegen die Mächtigen der Welt, schafft Vertrauen in ihn und verbessert die verbindenden Grundlagen. Zusammenraufen ist angesagt oder Währungsscherben werden im entfesselten Wettbewerb zerstörerische Kräfte freisetzen.

EU („e-uh“), ist eine Wirtschaft- und Wertegemeinschaft auf gemeinsamer Basis von Demokratie, Freiheit und Rechtmäßigkeit mit Exit-Tendenzen einzelner Staa-ten. Modell erhalten und Identität stärken. Menschlichkeit ist mehr wie ein Banner?

Die ethnisch-kulturelle Vielfalt ist offen zu halten, miteinander zu versöhnen. Dies ist eine andauernde Kernaufgabe und wichtig für die globalisierende Zukunft. Die aufweichende Homogenität der Bevölkerung gilt es aufarbeiten, anleiten und lernen, im Wandel zu bestehen. Der Individualismus darf nicht mächtiger sein wie der Gemeinsinn. Ein kollektives Bewusstsein darf nicht auslaugen. Brüssel hat sich stetig, in der Zusammenführung zu bewähren.

E im Strom für eine Umwelt. Klimarettung? So Vieles ist immer wieder zu retten. Hört die SOS-Rufe – handelt, rettet, überzeugt. Stromwelt fördern, aber nicht über-treiben. Konsum und Energiehunger ins Gleichgewicht bringen. Weltweite Zusam-menarbeit und Partnerschaft finden, in Fragen der sich verbindenden Interessen beim Klima, in der Welt der digitalisierten Kommunikation, im Frieden und gesell-schaftliches Leben für alle. Die Idee einer Weltgemeinschaft in gemeinsamen Pro-jekten umsetzen. Ein schwerer weiter Weg zu mehr gegenseitiges Vertrauen.

In Europa steckt Potential, das vor allem menschlich ist. Auf solche Welt zu bau-en, bedeutet Zukunftsfähigkeit und bedarf belebender Denkungsart gegen Gleich-gültigkeit. Weitsichtigkeit zu entwickeln heißt ablassen von Zerstörung und vergif-tenden Störungen der Kreisläufe.

Erkenntnis akzeptieren und Besserungen anstreben ist die Aufgabe. Was tut Eu-ropa für und mit uns? Besser, was tust du und tue ich für Europa?

Ohne Europa wird deine Stadt und dein Land zum Spielball anderer. Eigene Stärke ist in Gemeinsamkeit zu beweisen. Ohne Wissenschaft, ohne Erkenntnis und Einsicht und Gegensteuern wird die Globusnatur menschliches Leben und Sein verdrängen …

EUROPA→EURO→EU (E-UH)→E -  Viel, viel  bleibt zu tun! Den Weg finden, ihn zu gehen tut not. Wann rauftt sich die Staatengemeinschaft endlich zusammen?

                                                                                                    © Willi Volka


Sätzling 62

Da hat einer die Sprossen der Macht erklommen. Die Frage stellt sich: Wie und wie lange hält sich ein knallharter Stratege auf einer schwankenden Leiter? Der Alexander – kein großer – ein brutaler Egomane umklammert verkrampft die Streben.

Die Zivilgesellschaft stimmte nach der Wahl im August, deren Ergebnis nach Auffassung von Beobachtern gefälscht wurde, für andere Vorstellungen von Herrschaft, die ein sich festgesetzter ehrgeiziger Präsident nicht akzeptiert. In seinen verengten Gehirnkammern gibt es nichts stärkeres, wie Macht zu halten, existiert eine Konditionierung des Denkens, die  Gedankenfreiheit und Selbständigkeit nicht zuzulassen, auf Kosten von Menschlichkeit, sich selbst zu dienen anstatt seinem Volk.

Alles, was Alexander Lukaschenkos Machtanspruch gefährdet, verfolgt er, schleudert er wie Unkraut auf den Komposthaufen. Perfide ist, aus Rachegelüsten auf verhängte Sanktionen, Menschensaat, Setzlinge auf dem „Grenzacker“ auszubringen. Wie unverschämt, zu behaupten, Flüchtlinge wären von jenseits der EU-Außengrenze „eingeladen“. Vielmehr nutzt er die Sogwirkung der kapitalistischen, demokratisierten und informationstechnisch entwickelter Räume aus und ebnet den Zugang in den Grenzraum, vor allem von Polen, Litauen und Lettland. Er beschuldigt die Grenzbewacher, Kinder, Frauen und Männer vor Zäunen ausharren, frieren und hungern zu lassen. Die Mneschen kämpfen in ihrer Verzweiflung gegen den Sperrriegel, leider auch mit Todesopfern.

Wer ist der Motor für diesen Zustand? Mit seiner Unterstützung der Flüchtlinge zum Grenzgang zeigt Lukaschenko eine unbarmherzigen Umgang mit Menschen. Er nimmt deren falsch geleiteten Hoffnungen als Waffe und Propaganda gegen EU-Staaten. Kollateralschäden seines Vorgehens, der selbst verursachten Migrationssituation, nutzt er propagandistisch gnadenlos aus und verdreht dabei Ursache und Wirkung. Sein strategisches Sinnen im medialen und anthropozänen Zeitalter und allgemeinen Wirtschaften und Kulturleben lässt im eigenen Volke keinen Wandel zu, ist zynisch und lebenverachtend, negiert er Umbrüche in den Gesellschaften.

Die Magie seiner Macht hält er für beständig. Sie treibt ihn in die Angst, zwingt in Rückzugskammern. Im lukaschenkonisches Stück glaubt er an Fäden, Puppen tanzen lassen zu können. Er sucht die mediale Aufmerksamkeit, zugleich als Ablenkungsspirale und Manöver gegen die eigene Gereiztheit. Die Ressource, Druck auszuüben, unterliegt einem Zeitfaktor. Seine Utopie, sie ständig aufzufrischen führt in die Abnutzung und zeigt Nebenwirkungen, löst Reflexe aus, die seine Angst steigern. Er fokussiert die Welt in sich, als gäbe er nur diese eine. Spielt sich auf wie ein Ritter ohne Furcht und Tadel mit Allmacht, die er nicht besitzt. Er pflegt eiskalte Diktatormoral, die nur für sich selbst steht und ins Verhängnis führt, ihm den Schlaf raubt. In seiner Not wirft er sich in die Arme des benachbarten Bruders. Rette mich, sorge für meine Sicherheit. Der große Nachbar wird gerne vorsprechen und versprechen: Wir bilden ein Reich und wird ihm sagen, wo es lang zu gehen hat.

Dem Zeitgeist und der Menschlichkeit sich verschließen, heißt ein Ritter voller Borniertheit und Verblendung, ein Don Quichote gegen Windmühlenflügeln zu sein. Aber letzterer träumte von seiner Dulcinea, die ihn anspornte. Lukaschenko verhakt sich in seiner Winterkälte und seinem starren Machterhalt. Unzensierte Geschichtsbüchern werden eines Tages sein unrühmliches, gegen Rechtsstaatlichkeit geführtes Regime dokumentieren.

Pessimismus ist kein Raum zu geben. Er macht bequem. Sich bewegen und eine bessere Zukunft ersehnen und bauen, ist ständiger Antrieb und Aufgabe. Globales Gemeingut wie Humanismus, Achtung, Rationalität und Utopien erfordert, für die Menschen einen Weg aus dem zynischen Akt zu finden. Leider wird da auf Zeit gespielt, um nicht eine Schleuse für unkontrollierte Migration zu öffnen, um den Auslöser dieser Grausamkeiten nicht triumpfieren zu lassen.Das lastet schwer auf den Betroffenen

(10.11.2021)                                                                                               © Willi Volka

Sätzling 61 

Ein Entscheid der polnischen Gerichtsbarkeit erhebt sich über eine vereinbarte gemeinsame Grundlage im Europäischen Gemeinschaftsrecht. Offenbar werden die polnischen Richter politisch besetzt und folgen in ihren Entscheidungen Vorgaben der nationalen Politik. Die Frage steht im Raum, wo und wann greifen die Regeln des gemeinsamen Rechts und wer hat das letzte Wort?

Nach EU-Grundrechten haben Justizbehörden unabhängig zu sein. Die Beschlüsse gemäß EU-Recht sind für Mitgliedsstaaten verbindlich und die Meinungsfreiheit ist zu gewähren.

Wie geschieht es, dass es zu Unstimmigkeiten kommt?

Gesellschaften sind im Transformationsprozess infolge Pandemie, globale Mobilität Klimawandel, Digitalisierung und Herrschaftsräume mit festen Machtstrukturen u.v.m. verunsichert. Diese Gegebenheit nutzen Politiker mit Machtinstinkt und Herrschaftsansinnen aus. Sie propagieren Lösungen zur Bewältigung der dynamischen Probleme. Sie setzen auf eine Popolistenrolle und geben sich zu Hoffnungsträgern, die viele Menschen aus dem Volk anzuziehen. Man blicke beispielsweise auf Boris Johnson mit dem Brexit, Victor Orban mit seiner Verweigerung einer Lösung für Flüchtlingsfragen oder der jüngste polnische Entscheid, nationales Recht über EU-Recht zu stellen. Der Trend, seine eigenen Interessen in den Vordergrund zu bringen und die Lösung zu wissen, richtet sich gegen gemeinschaftliches Streben, die Notwendigkeit als Gemeinschaft in den großen Fragen geschlossen aufzutreten.

Darf Egoismus einiger europäischer Staaten zukunftsfähig sein? Auf globaler Ebene nein. Es haben sich große und Machtblöcke herauskristallisiert, die wie die kleinen Staaten nach Macht und Einfluss streben und entsprechend handeln. Russland mit 0,15, USA 0,35, EU 0,5 Milliarden Einwohnern und vor allem China mit einem Menschenpotenzial von 1,4 Milliarden.

Ein Vorfall vor Kurzem zeigt, wie aus einem Machblock eine Einflussnahme kam, die offenbart, was die „Kleinen“ von „Großen“ erfahren könnten. Andere werden folgen.

Stefan Aust (Die Welt) und Adrian Geiger (Stern) haben eine Biografie über den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping verfasst. Sie planten in Hannover eine Online-Lesung gemeinsam mit der Universität Duisburg. Eine Intervention, die die Lesung verhinderte, kam von der Tongji-Universität Shanghai, die das Leibniz-Konfuzius-Institut betreibt (z.T. von China finanziert ist). Auch der chinesische Generalkonsul in Duisburg schalte sich ein. Mit der Untersagung liegt ein Eingriff vor, der sich nicht mit unseren Wertvorstellungen von Freiheit der Wissenschaft und der Meinung verträgt. Erfreulicherweise kam es sofort zu Reaktionen, die nun die Autobiografie in den Vordergrund brachte. Die Nachfrage nach dem Buch mehrte den Verkauf. Die Autoren lasen life.

Wäre dies ein zu übersehender Einzelfall, wäre darüber nicht groß nachzudenken. Vielmehr ist das in den Zusammenhang mit Hong Kong zu stellen, wo der vereinbarte Sonderstatus systematisch ausgehöhlt wird und mit den chinesischen Forderungen in Bezug auf Taiwan. Das Vorgehen kommt nicht in einen Gewaltschlag daher, sondern in subtilen Schritten, wo auf Zeit gespielt wird. Hier offenbart sich ein Machtdenken, das die hier vertretenen Ziele mit langem Atem ausgeht.

Vielleicht nur ein kleiner Warnschuss, aber einer, der aufwecken müsste. Die Folgerung heißt, sich zu einigen und gegen solche Eingriffe mit einer gemeinsam die Stimme zu sprechen:

Auf mittlere Sicht ist mit zunehmenden Einflussanspruch zu rechnen. Dagegen heißt es  sich zu wappnen, dass man nicht eines Tages unter dem Druck von außen so einknickt, dass man sich nur schwer noch befreit. Ob es auf einen apokalyptischen Weg führt, wird die ferne Zukunft offenbaren.  

Für 27-EU-Mitglieder heißt es:

Findet tragbare Kompromisse für eure Streitigkeiten. Einigt euch, steht zusammen, setzt Vernunft ein. Ringt um gemeinsame Fundamente, die gegen unsere Werte betreffende Einsprüche Stand zu halten.

Noch ist Zeit dazu!

 (25.10.2021) 



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