Willi Volka
Letzter Eintrag: 06.08:2020  - neu: Allerlei Hiroshima 

Sätzling 37

 

Hi-ro-shi-ma 75 Jahre

Diese Silben bepflastern eine Wunde

verursacht durch elementar gefesselte Naturkräfte

entfesselt

im bewusst herbei geführten Urknall durch Menschen …

Moralische Dekadenz!

Hatte Menschheit je

den moralischen GAU im Griff?

Ein Defekt bleibt!

Setzt Nobelpreis für die Reparatur der Gene

nicht aus sondern ein!

Lasst den siegreichen Drachentöter

aus dem Märchen zur Wahrheit werden -

„Hi-ro-shi-ma-niewieder“ soll er heißen.

(06.08.1945 bis 06.08.2020) 



Das "Hi-ro-shi-ma"

brutal experimental.

Sprießt Gutes daraus?



Covid-19 ahoi! Ein Rückblick.

Unsichtbarer Begleiter, laut verbreitet und ab in den Showdown ...

Teil 1 März

Coronavirusepidemie. Risikowahrnehmung. Ökonomiefolgen. Ökobilanz. Finanzhilfen. Finanzpandemie?

Der Virusspiegel steigt Sprosse um Sprosse auf der Leiter nach oben, die Zahl der Angesteckten und der Toten, europa- und weltweit.

Ganz ernst nahm ich anfangs die Sache nicht. Aber irgendwie wuchs nach und nach der Respekt. Meine Frau zählt zur Hochrisikogruppe aufgrund ihrer gesundheitlichen Vorbelastungen. Vorsichtsmaßnahmen sind angeraten: Abstand, Handschuhe, vielleicht Maske und danach Hände gründlich waschen.

Dann ermahnen uns unsere Töchter. Ihr geht nicht einkaufen, haltet euch von sozialen Kontakten fern! Mama schon gar nicht. Ich auch nicht, da ich zum Herd einer Ansteckung werden könnte. Wir erhalten die Fürsorge, wir bekommen von ihnen eingekauft.

Die Zahlen steigen und steigen. Horror verbreiten Bilder der Tageschau. In Italien werden Transporte von Toten durchs Militär gezeigt oder kaum übersehbare Sargreihen mit Toten. Die Risikowahrnehmung verändert sich.

Einen persönlich positiven Aspekt finde ich. Meine Frau ist leider nicht gut zu Fuß, so mache ich mich allein auf den Weg, wandere durch die Frühlingslandschaft und fotografiere das frische Grün, das Blühen und das Sonnenlicht, gehe Wege, die ich kenne oder lerne neue kennen. Für meine Homepage (willivolka.de) habe ich einiges meiner Fotoausbeute zusammengestellt. Auch ein Gedicht entstand in diesem Zusammenhang:

Frühling frei … 

Frühling treibt

mit Grün die Blüten

Zeit das Virus

zu besiegen,

 

Frühling trimmt

sich blau weiß gelb

das Virus führt

im Tanz die Welt.

 

Frühling treibt aus

wir sitzen fest im Haus

das Virus herum sich treibt

macht das Leben schwer.

 

Frühling tiefer atmen lässt

die Lungen füllt

das Virus hält sich ran

pustet raus die Pest.

 

Frühling ungebändigt

Grün die Blüten treibt

das Virus in seinem Spiel

verklammert in der Zeit.

 

Frühling komm

treib ihn aus

bist ungebunden

Trieb- und Treibkraft voll.

 

Und dann sind da die Berichte über die medizinische Versorgung, der Mangel an notwendigem Schutzmaterial für das Arzt- und Pflegepersonal, die Sorge, ob die Intensivbetten reichen, als bedrückende Fakten.

In der Familie ist im Augenblick niemand vom Virus befallen, aber es existiert die Bedrohung durch Kurzarbeit, Ausfall von Einkommen. Aushäusige Tätigkeit entfällt, die Kinder sind zu Hause, müssen gezähmt und medienschulisch betreut werden. Bei den Freiberuflern bleiben vorläufig die Aufträge aus, Evaluation vor Ort entfällt. Abgaben richten sich nach den vorigen Quartalen und wer produziert, kann nicht liefern. Wie lange ist das durchzuhalten und was zieht das nach sich?

Wenn die Toten begraben sind, der Virus klein geworden, was passiert mit uns Lebenden? Alle werden die Ärmel hochkrempeln und versuchen, der monetären Pandemie entgegen zu wirken. Als Rentner konnte man bisher noch rechnen. Wer kann sagen, was kommen wird? Der Pessimist auf der Leiter unkt: jetzt kommt ein Untergang, der Optimist sagt: der kommt nicht. Schwitters Satz lautet: Man kann nie wissen. Derzeit hat der Mann recht.

Teil 2

14. Woche

Die Epidemie hat unsere Welt verändert.

Die 14. Woche. Routine wächst. Den Morgen gemächlich angehen lassen. Die Zeitumstellung fallt dadurch nicht ins Gewicht. Wir lesen die Zeitung im Bett. Verlängerung der Kontaktsperre bis 19. April.

Sonne. Grün. Blühen. Outdooraktivitäten. Frühling genießen.

Rückläufige Zunahme der Zahlen. Raus in die Natur. Weder Auto-, noch Straßenbahnfahrt. Seit Tagen weht ein kühler Wind. Das Fahrrad bleibt in der Garage. Alles zu Fuß, wie früher, auf meinem Weg zur Arbeit. Die Jahreszeit erleben, die Witterung, am Morgen und am Abend. Sich bewegen, egal ob die Sonne scheint oder der Himmel grau.

Erinnere mich, dass ich vor Jahren im nahen Wäldchen versuchte, Kastanien zu pflanzen. Schaue dort vorbei, entdecke, dass ein Bäumchen gewachsen ist, kopfhoch. Er trägt Knospen. Der Stammumfang hat das Maß einer Wasserleitung. Grün schimmert überall durch.

Nach der Wahl ist vor der Wahl – ein Leit- oder Leidspruch für Gewählte oder Abgewählte. Nach der Epidemie, ist vor der Epidemie. Kann das gelten? Kaum, denn das Wahlgesetz regelt die nächste Wahl. Nach der Epidemie sind die Folgen aufzuarbeiten, sozialer, ökonomischer, ökologischer, gesundheitlicher, medizinischer, psychologischer Art. Hierfür gibt es kein Routinegesetz. Die Gesellschaft ein andere sein.

Enkelin Mia ruft an. Oma wollen wir am Telefon Schiffe versenken spielen, wie damals,als du im Krankenhaus lagst?

Das Radio berichtet von einer Piraterie von Gesichtsschutzmasken, die von Deutschland in China bestellt waren und in die USA umdirigiert wurden. Das passt ins Image des Amerikafirstpräsidenten. Am nächsten Tag keine weitere Nachricht darüber. Wird verschleiert oder Fake News?

Enkel kaufen für uns ein. Vom rundfahrenden Kikerikihändler wollen wir später Eier, lose Butter, Quark einkaufen. Er versetzt uns. Am Abend vor 21 Uhr eile ich zum nahen Lidlmarkt. Überraschung! Es gibt „Weißes Gold“! Für unsere Tochter habe ich gleich ein Paket gekauft. Mehl ist nach wie vor ausverkauft.

Am folgenden Tag ein Anruf: „Ich habe 4 Rollen Klopapier für euch.“ „Wir eine ganze Packung für dich!“

Es ist wärmer. Die Gartenmöbel werden herausgeholt. In der Sonne die ZEIT lesen. Der Artikel „Made in China“ von Adam Suboczynski im Feuilleton bringt mich ins Grübeln. Digitaler Leninismus versus europäischen Individualismus. Ist das Überwachungssystem in China in der Krise dem westlichen Politikmodell überlegen? Diktatur gegen Lenkokratie?

Wir setzten uns auf die Räder, um zu „tauschen“. Ein stimmungshebender Tag. Baumärkte öffnen am Samstag. Warum nicht Gärtnereien und Müllkippen? Unsere Tochter in Bad Essen erzählt, dass sie ein Zimmer gemeinsam gestrichen haben. Sie berichtet von der Schattenseite der Enge. Neben der geschlossenen Kita wird ein Gebäude für misshandelte Kinder hergerichtet. Ein Bedarf, der infolge der Stresssituation wächst.

Hält an die Abnahme der Zunahme?

Teil 3

15. Woche

Himmelsblau. Sonnenleuchtglanz. Blütenfülle. Bienensummen. Hummelgebrumm. Meisenzank.

Die neue Woche im Vollfrühlingsmodus. Hemdfreundliche Temperaturen. Gartenleben.

Felsenbirnenschnee an Füßen nach überallhin tragen.

Eine Biene ins Foto fangen. Wähle sie für Ostergrüße.

In früheren Jahren war das Blütenweiß ein Geburtstagsgruß an unsere Tochter (18. April). Bis trägt sie in den letzten Jahren bereits ihr Blätterkleid!

Kohlmeisen und Blaumeisen kämpfen um eine „Villa“, obwohl zwei an der Hauswand hängen. Sie verschnabeln sich auf dem Boden. Klatsche in die Hände. Beide fliehen.

Einfach Gedanken der Epidemie. Viel Zahlenfechterei.

Monothematismus. Weiß kein anderes Wort für den Corona-Erregungsraum. Wie sich vom Thema befreien? Falle immer wieder ins Coronainformationsnetz: Bestätigte Fälle – Dunkelziffer - Coronatote – Sterblichkeit – Genesene – Verdoppelungsziffer.

Dabei gibt es „Stille-Post-Nachrichten“. Jemand kauft für seine Angestellten bei betroffenen Geschäften Gutscheine, die er später an seine Angestellten austeilen will. Nachbarn bringen Kuchen vorbei. Eine junge Mutter bietet sich an, für uns einzukaufen. Es ist nicht unsere Art an Ostern zum Essen auszugehen. Aber diesmal bestellen wir ein Gericht zum Abholen.

Ohne Vater aufgewachsen. Ihn heute verstehen.

75 Jahre nach dem Kriegsende lese ich wieder in seinen Feldpostbriefen. Werfen wegen seines Idealismus in der Kriegssituation viele Fragen auf. Wäre er aus dem Kriege wieder nach Hause gekommen, wie wäre seine Einstellung danach gewesen?

Als das Wetter so schön wurde, stellte ich die Spaziergänge ein. Besinne mich.


Nein lege mich nicht auf die faule Haut

lasse mich nicht von der Sozialsperre

hinter den Abschluss zwingen

gehe in den Frühling

der grün frei geschaltet ist.

 

Durchs Mikroskop betrachtet

hat er ein Gesicht

nur sehen kann man es nicht

nicht riechen noch schmecken

der Winzling zeigt nicht offen sich.

 

Wenn er sich verriete –

wenn er es täte wärs schon zu späte

Don Quichotte ist berühmt

für Windmühlenflügelgespenster

die er sah außerhalb der Fenster.

 

Lassen wir Covid-19 keine Chance!

Sind Abstand halten Gesichtsmaske tragen

und Hände waschen schon genug?

Der Winzling trägt eine Tarnkappe

wie in Märchenzeiten ein heimlicher Betrug

 

Nein lass mich nicht einschüchtern

ziehe in die aufbrechende Natur

trete neu in ihre Schönheit ein

Covid-19 sag ich ganz nüchtern

 wird nur frei durch uns allein.


Meine Frau ist leichtsinnig geworden, geht zum Bankautomaten, kauft ein. Trägt Mundschutz. Es gibt immer noch kein Mehl. Dabei werden wir von der Familie unserer Tochter auf Wunsch versorgt. Kommt jetzt die Sorglosigkeit?

Auf Vorschlag unserer Tochter machen wir einen Ausflug zum Wietzegraben. Fahrräder ans Brückengeländer angeschlossen. Überall Blühen, leuchtendes Busch- und Baumgrün. Kann die Vielfalt der Hunderassen erleben. Auf einem Stamm eines umgefallenen Baumes treffen wir eine drei Generationenfamilie. Deutlich abseits sitzen Großeltern. Als sie die Sonnenbrillen abnehmen, erkennen wir sie von früher, von der Schulzeit unserer Kinder. Alle schnitzen Stecken für Stockbrot. Ein harmonisches Bild.

 Ostern Langsamkeit. Mediengesprächsersatz. Eiergenuss. Mittägliches Glockengeläut. Auferstehung. Kann es nicht glauben.

 16. Woche

Zum Ausklang nach tagelangem Sonnenschein: Wolkengrau, keinen Tropfen Regen, kräftiger kalter Wind.

 In die Natur . Die Winterjacke tragen!

 Nach den Ostertagen Lockerung, Lock-out? Wiederkehr eines normalen Lebens?

(siehe auch: TGB-Zachhuber, Coronatagebuch)