Willi Volka
05.05.2022  -  Neu:  Mitten drin im Blühen ... Aus gegebenen Anlass - 60 Tage Ukrainekrieg ... Dunkle Wolken, Wladimirs Geschichtsbucheintrag, Allerlei, Sätzling 65, "Lupenreiner Demokrat" Monatsseite Jeder Frühlingsblüher ...  - Gesammelte AugenblickeBelichtet / Objektiviert "Auf Maskenfährte"


 


Aus gegebenem Anlass

60 Tage Krieg seit dem russischen Angriff auf die Ukraine! Was steht am Ende?


Oh, Putin. Weißt du wie viele Mütter weinen, hast du ihre toten oder Krüppelsöhne je gezählt, weißt du wie viel Witwentränen fließen? Weißt du wie viel Volksvermögen du verpulverst?
Wenn du einsam über den Roten Teppich gegangen bist, kannst du danach ruhig schlafen? Die Saat, die gesät, wächst, zu welchem Ende? Oh, Putin!
80 Jahre zuvor kämpften deutsche Truppen in der Ukraine, ebenfalls in einem Angriffskrieg, bereits auf dem ukrainischen Territorium in der ehemaligen Sowjetunion.


Ein Blick auf die „Spiegeldaten“
24. Februar 202
Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag, den 24.02.1942:
„An verschiedenen Stellen der OSTFRONT brachten Verbände des Heeres und der Luftwaffe auch gestern feindliche Angriffe zum Scheitern. Kampfverbände der Luftwaffe setzten die Zerstörung sowjetsicher Eisenbahnlinien fort. (…) Bei Nachtangriffen deutscher Kampfflieger auf die Festung SEWASTOPOL entstanden große Brände.“ S.41
Feldpostbrief Ostfront, Dienstag, den 24. Februar 1942Liebe Eltern !
Heute nur ein paar Zeilen.
Frühlingswetter, auf den Feldern und Wegen beginnt das Eis zu schmelzen und auf den Hügeln taut der Schnee weg. Es rieselt und rinnt und wir freuen uns über den Sonnenschein. Dazu morgens noch süßen Kaffee und Honigbrot, was wollen wir mehr? Beim Wasserholen heute Morgen haben wir uns am Waldrand etwas verpustet und saßen in der Sonne. Das war wie im März. Ich glaube, dass die dunkle Zeit endgültig vorbei ist und die Tage jetzt etwas heller werden.
Wenn dieser Brief in der Heimat ist, blühen im Waldpark gewiss schon die ersten Veilchen. Wenn ich hier die erste Blume sehe, will ich sie nach Hause schicken. Euch und der Heimat zum Gruß!
Alles Gute und Herzliche Hans (S. 167)


Eigener Tagebucheintrag: 2
Der Schreck. Putin lässt seine Truppen in die Ukraine einmarschieren. Es sieht so aus, als wolle er Kiew mit Parlament im Handstreich einnehmen, um sogleich eine willfährige Regierung einzusetzen.


Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag, den 24.04.1942:
„Im SÜDTEIL DER OSTFRONT waren einige Angriffes- und Stoßtruppunternehmen im DONEZ-GEBIET erfolgreich. (…)“ S. 94


Feldpostbrief Freitag, den 24. April 1942
Liebe Eltern !
Euer Brief vom 5. April habe ich schon erhalten. Auch die beiden Päckchen mit Rauchwaren. (…)
Wie wir Ostern feierten, habe ich Euch bereits geschrieben. Führers Geburtstag war bei uns auch ein halber Feiertag. Ansprachen, Aufmarsch und nachmittags leichter Dienst. Sechs Ernennungen gab es. Auch mich hat man zum Obersoldaten, "Edelweißgefreiter" sagt man dazu. Naja, ich bin jetzt wenigsten kein Rekrut mehr. Sonst bedeutet die Ernennung nichts. Nach meiner Tätigkeit in der Verbindung mit der Wehrmacht als Zivilist komme ich mir selbst lächerlich vor. Doch ich will zufrieden sein, schließlich bin ich ja erst ein dreiviertel Jahr richtiger Soldat. Lieber wäre es mir allerdings gewesen, wenn man mich im Herbst zum Gefreiten gemacht hätte.
Dass die Flieger jetzt (in Mannheim) wieder öfter kommen, das hat ja der Teufel gesehen. (…)
Ich habe gelesen, dass Ihr jetzt nur dreihundert Gramm Fleisch die Woche bekommt. Ist das nicht ein bisschen wenig? Wie kommt Ihr da zurecht? Im Verhältnis zu Euch bekommen wir da immer noch reichlich Fleisch, wenn auch nicht mehr in dem Maß wie damals, als wir Selbstverpfleger waren. Jetzt haben wir mehr Abwechslung. Doch wird an allem gespart. Trocken Brot morgens ist keine Seltenheit. Durch den verschärften Dienst bekommt man auch so Kohldampf, dass man z.B. am Abend seine ganze Portion aufisst. Der Tag ist auch ziemlich lang. Zehn vor vier Uhr wecken - dann geht es bis halb vier Uhr nachmittags - insgesamt sieben Stunden Dienst, das ist mehr wie in der Kaserne. Da geht auch der letzte Fettansatz weg. (…)
Euch beiden Alten
recht herzliche Grüße
von Eurem Sohn Hans (noch unveröffentlicht)


Eigener Tagebucheintrag:  24. April 2022
Wahlsieger Macron gegen Le Pen, wieder gewählt. Hoffnung für Europa. … Was für gegensätzliche Bilder, die sich einprägen: Heute Händeschütteln, Küsschen mitten unter jubelnden Menschen beim Eifelturm und jüngst das Bild eines einsam schreitenden Putin über einen langen Roten Teppich.

Quellen:
- Wehrmachtsberichte 1939-1945, Bd.2, Deutscher Taschenbuchverlag GmbH, München, April 1985
- Willi Volka, Der Krieg im Osten zu Ende geführt wird … Feldpostnummer 01648, Briefe, Bd. 1, Books on Demand 2021 (siehe auch www.willivolka Homepage, Veröffentlichungen)




 © Willi Volka


Wladimirs Geschichtsbucheintrag


I
m Geschichtsbuch markiert
W assiljewitch und Wladimir
A m Hebel der Macht sitzend im
N ominalen imperialen Größenwahn


D ie Macht aus einsamen Ich
E rhebt sich zu brutaler Gewalt und
R evisionistisch Tod Leid Trümmer und - Wehrwillen.


S endet Panzer bombardiert zerstört
C hamäeleonsgleich kommandiert aus Lebenslügenphilosophie
H ängt narzisstisch im Selbstnirwana
R ettung eines versunkenem Großreiches
E xpansion im mutativen Krieg durch Leichen
C  haos säen im Garten Freiheit
K ämpft vernebelnd mit Worten und Macht
L eidensbereiter Trotz bereitwillig Gewehre ergreift
I m  ‚Sag mir wo die Blumen sind‘
C hronik durch Blut und Trümmern geschrieben
H ebt Schrecklichen den Zweiten zum Pranger hoch
E ndlos im kollektiven Gedächtnis wenn Trümmer längst geräumt.

                                                                © Willi Volka

   Mittendrin  im Blühen -  Berggarten Hannover

                                                                                                                © Willi Volka