Willi Volka
14.06.2022  -  Neu:  Code 24022022, Vor 80 Jahren und An der Kieler Föhrde     Aus gegebenen Anlass - Dunkle Wolken, Wladimirs Geschichtsbucheintrag, Allerlei, Sätzling 65, "Lupenreiner Demokrat" Monatsseite Jeder Frühlingsblüher ...  - Gesammelte AugenblickeBelichtet / Objektiviert "Auf Maskenfährte"

Aus gegebenem Anlass

Code 24022022

Nach dem Überfall
auf die Ukraine
zählen die Tage.

Nach 100 Tagen
sterben und leiden
kleben Wochen daran.

Wie bald liegen
Monatsstrecken
auf Gräbern und Ruinen.

Mythos Kiew Rus
verstrickt im Putinismus
im imperialen Wahn.

Imperiumssehnsucht
zwischen Europa und Asien
nostalgischer Gewaltpatriotismus.

Putin lässt Städte würgen
spritzt Propagandagift
nach dem Häuten das gleiche Tier.

Was wenn die Gefallenen
zum Alptraum aufstehen
gestohlenes Leben einfordern?

Können die Augen
vor dem Tod und Zerstörung
fliehen?

Verstrickt im Zwiespalt
des Wahns
vom alten Neureich?

Öl und Gas
Erblasten
Zukunft im Rauchschwarz.

Wie können Geist und Tat
aus todbringendem Raketenpanzern
sich zum Frieden kehren?

                                               © Willi Volka


Vor 80 Jahre

Feldpostbriefe vom Sonntag, den 14. Juni 1942

Mein lieber Spatz !
Vom Sonntag nichts zu verspüren, drückendes Wetter, heute Nacht hat‘s geregnet und seit ein paar Tagen wenig Schlaf. Wir haben die russischen Winterstellungen durchbrochen und rollen zügig vorwärts. Bereits zweihundert Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt. Wenn der russische Widerstand so bleibt, wie er jetzt ist können wir sehr zufrieden sein. Unsere Panzer rennen alles über den Haufen.
Zurzeit hausen wir wie die Zigeuner. Waschen kommt nur alle paar Tage in Frage. Aber wir alle sind froh, dass es vorwärts geht.
Ich liege im Zelt und habe den Hörer auf den Ohren. Ab und zu schießen unsere Spritzen. Im großem und ganzen ist es ruhig. Unsere Panzer schwirren vorne rum und schaffen Luft und Ordnung. Nachher kommt der Kamerad an die Reihe, dann hole ich den Nachtschlaf nach. Wenn es halt hell wird - das ist so um zwei Uhr früh, sind wir auf den Beinen. Meistens wird die Nacht gefahren, da pennst du im Sitzen auf dem Fernsprechwagen.
Für heute Schluss. die Briefe werden jetzt wohl etwas länger brauchen. Mach Dir deshalb keine Gedanken. Alles in Butter!
Alles Herzliche meinen beiden Liebsten,
Euer Seppl.
NS. In Russland gibt es sogar Heckenröschen.

Liebe Mutter, lieber Vater !

Zurzeit sind wir wieder auf dem Vormarsch. Das geht Tag und Nacht. Bereits sind wir zweihundert Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt. Vor uns ziehen unsere Panzer. Der Widerstand ist nicht so stark wie beim letzten Kessel, wo den Russen drei beste Angriffsarmeen vernichtet worden sind. Wir sind herzlich froh, dass es vorwärts geht. Ich liege im Zelt, den Kopfhörer auf dem Ohr und die Batterie feuert. Das ist die richtige Musik. In den Pausen höre ich den Vögeln zu, wenn nicht gerade ein Anruf kommt. Die Gegend hier ist eine einzige Wiese. Hohes Gras und das ist ein Singen und Jubilieren in der Luft. Das wäre herrlich, wenn nicht Krieg wäre.
Für heute will ich schließen. Ein Teil von der Zeitung will ich lesen und dann wird etwas gepennt. Wir haben viel Schlaf nachzuholen. Wenn‘s Tag wird - kurz nach zwei Uhr morgens - sind wir auf den Beinen.
Seid herzlich gegrüßt
von Eurem Sohn
Hans

Liebe Eltern !
Die Päckchen und der Brief aus Klosterreichenbach sind angekommen. Ich habe staunen müssen, dass es immer noch so gute Sachen gibt. Ich habe sie mir gut schmecken lassen.
Dass Ihr Euch so gut erholt habt, freut mich. Mutter wird so sicher alles leichter schaffen und nehmen. Luftveränderung tut ja immer gut.
Auch wir haben zurzeit reichlich Luftveränderung. Doch muss ich sagen, dass diese Art von Kriegsführung   jedenfalls für   uns gut zu ertragen ist, fast gemütlich zu nennen. Zum Schuss kamen wir die ganze Zeit nicht. Und so bleibt viel Zeit zum Sonnenbaden. Jedenfalls reut das niemand. Vielleicht fangen wir nächstens wieder mit Fußdienst an.
Na ja, vorne geht‘s inzwischen ja sehr gut weiter. Im Süden und am Mittelabschnitt sind die ganzen Winterstellungen überrannt und Don und Wolga heißen die Ziele. Rostow wird wohl bald wieder fallen   Stalingrad   all jene Ziele, welche wir im letzten Jahr wegen des drohenden Winters nicht mehr schaffen konnten. Dies alles beweist unsere große Schlagkraft. So werde ich wohl recht haben, wenn ich sage, dass bis Winteranfang Russland erledigt sein wird bzw. die Hauptkampfhandlungen abgeschlossen. Hoffentlich brauchen dann nicht wir gerade Besatzungsarmee zu spielen. Ich glaube aber kaum, dass wir den zweiten Winter hier verbringen müssten.
Für heute soll der Sonntagsgruß beendet sein. Lebt wohl und herzliche Grüße
Euer Sohn
Hans


Wehrmachtsbericht vom Sonntag, den 14. Juni 1942 (Auszug)

Vor SEWASTOPOL dringt der deutsche Angriff in erbitterten Nahkämpfen immer tiefer in das mit allen Mitteln der Natur und Technik geschützte Festungsgelände ein. Das auf beherrschender Höhe gelegene neuzeitliche und starke FORT STALIN wurde genommen. Gegenangriffe der Sowjets scheiterten. Kampfflugzeuge versenkten ein in die Südbucht der Festung einlaufendes Transportschiff von 10000 BRT.
(…)
Im Raum ostwärts CHARKOW wurde ein Teil der eingeschlossenen feindlichen Kräfte vernichtet oder gefangengenommen.  Der Kampf gegen die Reste des geschlagenen Feindes ist noch im Gange. Bisher wurden über 20000 Gefangene eingebracht und 169 Panzer, 113 Geschütze sowie zahlreiche andere Waffen und Kriegsgerät erbeutet oder vernichtet. (S.159)




 © Willi Volka


Wladimirs Geschichtsbucheintrag


I m Geschichtsbuch markiert
W assiljewitch und Wladimir
A m Hebel der Macht sitzend im
N ominalen imperialen Größenwahn


D ie Macht aus einsamen Ich
E rhebt sich zu brutaler Gewalt und
R evisionistisch Tod Leid Trümmer und - Wehrwillen.


S endet Panzer bombardiert zerstört
C hamäeleonsgleich kommandiert aus Lebenslügenphilosophie
H ängt narzisstisch im Selbstnirwana
R ettung eines versunkenem Großreiches
E xpansion im mutativen Krieg durch Leichen
C  haos säen im Garten Freiheit
K ämpft vernebelnd mit Worten und Macht
L eidensbereiter Trotz bereitwillig Gewehre ergreift
I m  ‚Sag mir wo die Blumen sind‘
C hronik durch Blut und Trümmern geschrieben
H ebt Schrecklichen den Zweiten zum Pranger hoch
E ndlos im kollektiven Gedächtnis wenn Trümmer längst geräumt.

                                                                © Willi Volka

   An der Kieler Föhrde

   Eine Neuanlage mit Ferienhäusern und Ferienwohnungen ruhig noch?

 

                                               Laboe

                                                        

                                         Wendtorf

                                         Erwachen
                                         im keifenden
                                         Möwenstürzenschreien
                                         durchs glimmende Firmament.

                                          Die See ruht
                                          Dunst um Bootsmasten
                                          überm Grün
                                          ringt ums Überleben.

                                          Weg zum Meer
                                          wo Containerschiffe
                                          Fähren und Segel
                                          den Horizont zieren.

                                          Immerfort getragen
                                          wind- oder motorengetrieben
                                          Lotterie im Wandeln
                                          wo nur wenige Stunden Nacht.

                                          Kein Sandgebläse
                                          im Stimmungshoch
                                          Glückslos gezogen
                                          Hoffnung krönt die Zeit.

                                                                                  © Willi Volka