Willi Volka
20.09.2022  -   " Neu: Monatsseite "Kloster Wienhausen; Allerlei - Textlese; Reingeschaut 2 . C. Scheel, Aus gegebenem Anlass, Unter Augenschein; Hannover Messe 2022 - 75 Jahre,   Lenk ein, Code 24022022, Vor 80 Jahren und An der Kieler Föhrde  - Dunkle Wolken, Wladimirs Geschichtsbucheintrag, Allerlei,   - Gesammelte AugenblickeBelichtet / Objektiviert "Auf Maskenfährte" 

Reingeschaut  2

 Cordula Scheel, “Am Ufer wohnen – Gedichte“




Mir ist der kleine Band übereignet worden: Autorin: Cordula Scheel, Titel „Am  Ufer wohnen – Gedichte“ und erschienen im Geest-Verlag 2022.

 

In der Zeit, wo Farben dominieren, fällt ein schwarzweißes Cover auf. Ein feingestricheltes Schneckenhaus schwebt mit zwei Girlanden im Gegengewicht. Eine Schlangenlinie zieht den Blick auf sich, die Andeutung einer Kriechspur, die gewöhnlich geradlinig verläuft.
Ungewöhnlich, dass eine Gedichtsammlung sich auf 35 Gedichte beschränkt, wo man sicher sein kann, dass eine betagte Autorin, ihre Schublade voller Texte hat.
Der Titel „Am Ufer wohnen“ weist auf festen Boden hin. Das ist nicht einfach irgendwas. Ein Ufer grenzt ans Wasser, das fließt und steht, auf dem Schiffe fahren oder Mutige sich und schwimmen, es ist ein Element, von dem Gefahren ausgehen, wenn die Fluten übertreten und das Wohnen bedrohen, am Ende gar zerstören.
Auf dem Innentitel erfährt man, dass Prof. Mario Andreotti eine Widmung und Arno Surminski ein Nachwort beigefügt haben. Beide Namen sind in der Fachwelt bekannt. Andreotti, als Germanist durch sein Standardwerk: „Die Struktur der modernen Literatur in der 6. Auflage“ und Surminski ein Roman- und Sachbuchautor mit zahlreichen Publikationen.
Nicht ungewöhnlich ist, dass Begleitworte in einem Genre Freundschaftsdienste sind. Es gilt daher, die Texte selbst in Augenschein zu nehmen, umso mehr, da ich Cordula persönlich kenne und in Begegnungen Freundschaft gewachsen ist. Es ist das eigene Empfinden und Verstehen zu prüfen, ein einschmeichelndes „Goodwill“ zu meiden. Leider habe ich zuvor die Begleittexte gelesen. Dennoch versuche ich mich, zunächst von den bestehenden Meinungen freizuhalten, beim Betrachten eine sachliche Distanz zu wahren, was nicht leichtfällt. Jede Beurteilung ist subjektiv, orientiert an der eigenen Vorprägung.
Im sanften Sommernachmittag lasse ich mich auf die Gedichtsammlung ein, blättere im Buch. Einige Begriffe fallen aus dem Satzspiegel heraus: „Erinnerungen“, „Offene Stille“, „Im Bogen der Zeit“, „Mit dir“, „Wenn andere Tage kommen“, „Zwischen den Zeiten“ und „Orte in uns“. Auf diese 7 Überschriften sind die 35 Gedichte unterschiedlicher Länge verteilt. Jetzt eine Rubrik herausgreifen?
Ich entscheide mich für ein äußeres Merkmal, den Text mit den wenigsten (5) und mit den meisten Versen (17) herauszufinden.
Das kurze Gedicht ist unter dem Titel “Im Bogen der Zeit“ eingeordnet, steht zuletzt stellt für die Gruppe einen „Pin-Zettel“ dar. Der Überschrift wird zugleich zum ersten Vers und zum Einstieg in den Text, so dass aus 5 Versen 6 werden.
Was für eine Vorstellung, eine gebogene Zeit, eine Ahnung von Einsteins gekrümmten Raum, Assoziation eines Regenbogens, an einen Augenblick im Sonnenlaufbogen, das Unsichtbare im sinnmachenden Lächeln, schlichte Worte, die Sonne als greifendes Wesen, Metapher, Brücken, die nahegehen. Die Kürze zeigt, dass Dichtung auch mit Verdichtung zu tun hat. Diese 6 Zeilen spiegeln eine bild- und sinnreiche Einstimmung zu den weiteren Texten dar.
„Im Bogen der Zeit“ finden sich folgende Texttitel: „An diesem Sommermorgen“, „Mit dir“, „In der Dämmerung“, „Mit dem Meerwind“, „Summa summarum“ und am Schluss „Im Bogen der Zeit“. Die Titel fügen sich fast zu einem eigenen Gedicht über Natur, Partner und Quintessenz.
Hier staune ich, mit welcher Treffsicherheit und Ausstrahlung vieles zusammenpasst. Die Auswahl, die Titel und das Sortierraster überraschen und sind wohlgefügt. Der Band wird dadurch geprägt und stellt ein überzeugendes Ganzes dar.
Im längsten Gedicht stehen die Bilder der Großeltern auf, Personen mit individuellen Zügen, die zugleich Geheimnisvolles in sich tragen im: „Besuche von Gedichten“ beim Großvater und mit der „Wanderniere“ bei der Großmutter. Es sind „zweieiige Zwillingstexte“, die über Norwegen und im Paar sein, zwei Menschen miteinander verbinden, die offenbar in der Fremde leben. Das Fremdsein, zieht mich in die Gegenwart, wo Flucht Schicksal ist: aus Afghanistan, aus Syrien oder aus der Ukraine … Und unvermittelt zeigt sich in den so lautmalerischen und Gemüt bewegenden Texten ein Riss. Der „Pin-Zettel“ „Zwischen den Zeiten“ offenbart bei näherem Betrachten im Bogen der Zeit Apokalyptisches: „Kriegsernte“, „Am Friedensgedenktag“, „Noch immer Krieg“, „Aleppo“, „Wut“ und „Selten noch“. Da ist eine Beuge hinein in die Jetztzeit, so sehr, dass der Titel „Noch immer Krieg“ im Verzeichnis wiederholt wird – eine Nachlässigkeit, wo dies eine schrecklicher Realität ist – das mag fast nicht mehr verwundern. Offenbar ist das Unterbewusstsein davon belastet.
Die Gegenwart „läuft sich blutig“ und die Zukunft? Doch “Zwischen den Zeilen/ schweigen die Bomben“, die erschreckenden Vorstellungen erschüttern. Wie anders das Bild im Gedicht „Fort Lauderdale“ „am Küstenrand den Rücken zum Meer“ gewandt zu sein, zu einem Kahn zu werden. Das weckt Assoziationen zum Treibholz und dann die Wendung, der Ruf: Vollmond. Die Natur entdecken. Das trifft uns. Wie ist zeitloser ein Augenblick festzuhalten?
Ich lese erneut in den Begleitworten, „Poesie vom großen Atem und weiten Horizont“ (Andreotti) oder „die großen Orte der Natur mit den Gefühlen verbinden“. (Surminski)
Ja, hier zieht mich eine Autorin mit Betrachtungen, die in  Sprachbildern aufstehen, mit Gedanken voller Tiefe, Besinnlichkeit und Innerlichkeit zur Uferwohnung in die Gezeiten des Lebens und Erlebens. Das fasziniert. Danke Cordula! 

                                                                                                                                                                              © Willi Volka                                                                                                                                                                                 09. September 2022

 

Hannover Messe 2022

Vorwort
Roboter, Cobots, Chatbots
sind da,
Quantenrechner.
Was bringen sie uns
im 4.0 als Banner
bald schon im 5.0 Modus,
im Mensch-Technik-Naturverhältnis?


Nach 2 Jahren fand 2022 vom 30. Mai bis 2. Juni über 4 Tage in Hannover wieder eine Präsenzmesse statt. Bundeskanzler Olaf Scholz und der portugiesische Premierminister Antón Costa als Gast eröffneten die neu belebte Industrieschau. Im Jahr zuvor gab es einen Internetauftritt, während weiter davor coronabedingt die Messe ausfiel.
Das Gastland Portugal stellte in 5 Hallen wirtschaftliche Unternehmen vor. Das Motto lautete: „Portugal macht Sinn“. Dies ist ein Hinweis auf die Vielfalt der portugiesischen Angebote und Aussteller - über 100 an der Zahl. Die Schwerpunkte der Stände richteten sich an Leitthemen aus. Neben dem Pavillon Portugal war z.B. Engineered Parts & Solutions (mit 69 Anbietern) oder Lösungen zur Energiewende mit Hilfe der digitalen Transformation zu entdecken. In der portugiesischen Algarve existiert mit „Solara“ die größte Photovoltaik-Anlage Europas.
Das Format der Messeschau knüpfte wieder an das bewährte Muster früherer Ausstellungen an. 2.500 Anbieter (diesmal ohne russische Beteiligte), verbunden mit Wissensplattformen mit 600 Vorträge und Paneldiskussionen. Diese Beiträge und Podien verteilten sich auf unterschiedliche Bühnen in 10 geöffneten (von 27) Hallen. 75.000 Besucher kamen dieses Jahr zum 75. Jubiläum der Industriemesse. 15.000 nutzten einen virtuellen Zugang übers Internet. Das diesjährige Ereignis zählte nicht zu den großen (es gab Jahre mit bis zu 140.000 Besuchern). Für 2023 erwartet der Veranstalter mehr Gäste bei einer 5-tägigen Veranstaltungsdauer.
Leider fand ich diesmal nur einen Tag Zeit, mich den vielen Ständen und Wissensplattformen zu widmen. Die Neugier auf das Besondere, nach Innovationen und nach Entwicklungsperspektiven, leiteten mich. 
               Leitthemen der Messe 2022
Sie dienen der Bewusstseinslenkung und lauten: Automation, Motion & Drives, Digital Ecosystems, Energy Solutions, Engineered Parts & Solutions, Future Hub, Global Business & Markets und Compressed Air and Vacuum.
Hervor zu hebende Themen sind: Dekarbonisierungsindustrie 4.0, IT-Sicherheit, KI und maschinelles Lernen, Lernkreislaufwirtschaft, Logistik 4.0 und nicht zuletzt Wasserstoff- und Brennzellen.
                    Nachhaltigkeit
Beim Durchqueren der Hallen fiel mir bei einigen Ständen ein „grüner Trend“ auf. Die eine oder andere Firma schmückte sich mit einem „Naturkleid“, mit lebendigem Pflanzengrün als Dekoration (sogar mit einer Heilpflanze).
Zweifelsohne ist dies in Folge der globalen Klimasituation ein Hinweis auf die Notwendigkeit „Grün“ als Zukunft (Nachhaltigkeit), als eine Devise für die weitere wirtschaftliche Entwicklung vorzusehen. Die Maschinen oder Maschinenteile ins Grün gesetzt, zeigten optisch einen irrealen Kontrast (Bilder 1-3).

 Am letzten Messetag waren die Hallen nicht überfüllt. Man konnte überall gut verweilen und Gespräche suchen, und sehen, dass eine Reihe von Ständen gut mit Personal versorgt waren. Die Stimmung wirkte ruhig und gelassen, obwohl sie unter einem gedämpften Produktionswachstum von 2 Prozent stand und unter den Auswirkungen des Ukrainekriegs stand, den Pan demiefolgen und unter den Energien konflikten und den auftretenden Lieferengpässen litt.

                   Industrie 4.0 und 5.0
Seit 2017 wirbt die Messe Hannover mit dem Slogan „Industrie 4.0“. Sie markiert damit einen Schlüsselbegriff der digitalen Entwicklung und automatisierten Produktion, wo Hardware, Software, Anwendung und Service als zentraler Bestandteil miteinander verstrickt sind. 4.0 ist zu einem Etikett oder Signet geworden, einprägsames und signalisierendes Dauerschlagwort. 4.0 ist ins Bewusstsein gehoben worden, gilt als Aushängeschild und Visitenkarte für den digitalen Fortschritt.
Heute verbindet sich 4.0 mit IIoT (Industrielles Internet der Dinge) und der KI (Künstliche Intelligenz). Eine Software definierte KI vernetzt reale Welt mit der virtuellen, lässt virtuelle Produkte entstehen, bis hin so sog. realitätstreuen „digitalen Zwillingen“. Ihre Nutzung ist effizient, klimaneutral und bringt Wertschöpfung mit sich. Mit einer sogenannten „Augmented Reality“ kann eine aus der Ferne einsehbare Vorlage abbildstreu gezeigt werden und als Übertragungshilfe bei vorzunehmenden Tätigkeiten (Reparaturen) direkt dienen, ohne, dass ein Experte anreisen muss.
Mit Blick auf Industrie 4.0 wird bereits an eine Industrie 5.0 gedacht. Jan-Marc Lischka (in Markt &Technik, Industrie 4.0, S.36 ff) bemerkt, dass Industrie 4. in ihrer Produktion und ihrer digitalen Landschaft von der Technologie, vom Prozess her bisher zu wenig vom Menschen hergedacht wurde. Dieser notwendige Paradigmenwechsel sieht die Mitarbeiter der Unternehmen als zunehmend wichtiges Potenzial, erst recht bei dem sich zeigenden Fachkräftemangel, in Verbindung mit dem digitalen Wandel.
Applikationen sind besonders zu beachten, wenn „klickbare“ Oberflächen von Anwendungen entstehen, die iterativ weiterentwickelt und interaktiv optimiert wurden“. Dieser Prozess wird unter dem Fachbegriff „Composable IT-Architektur“ gefasst. Es heißt Software als Dienstleistung einkaufen, einsetzen und einpassen und dabei auf Kosteneffizienz zu schauen. Selbst das Smartphone gewinnt als mobile Informationstechnologie Bedeutung zur Steuerung und Überwachung von Anlagen in Echtzeit.
Der Softwaremarkt zeichnet sich durch eine kaum noch überschaubare Vielfalt an Lösungsangeboten aus. Dies gilt sowohl für netzwerkbezogene als auch unternehmensbezogene Funktionen. In diese Vielfalt kann ein Anwender nur mit konkreten Vorstellungen und von den Aufgaben her Lösungsangebote finden und sich erläutern lassen. Im schnellen Vorbeigehen bleiben die „unsichtbaren“ digitalen Programme „Schwarze Löcher“. Zu mannigfaltig sind die Aufgaben und ihre Verknüpfungen.
Die papierlose Digitalisierung ist von außen nicht durchschaubar, sondern erst in ihrem funktionalen Ablauf, wenn Vorwissen und genaue Vorstellungen mitgebracht werden. Was für die Zukunft wichtig werden kann, gilt es aufmerksam herauszufiltern, um wettbewerbsfähig und effektiv zu bleiben, mit entsprechendem Wertschöpfungspotenzial bei mehr Energieeffizienz und Klimaneutralität Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.
Es geht um ein Mensch-Maschine-Zusammenwirken, eine Prozesssteuerung, um Beschaffungs- und Projektplanung, eine Lieferkettensteuerung, Aufträge und Absatz - kurz um alle Notwendigkeiten um die industrielle Fertigung wie Vertrieb, Verwaltung, Überwachung, Kontrolle, um Funktionsblöcke in Verbindung mit einer Marktanalyse. Angebote zu allen Facetten des Wirtschaftens und der Steuerung müssen gefunden werden.  Dazu bedarf es einer Marktübersicht, die eine Messe mit seinen zahlreichen Anbietern bieten kann. Zu prüfen gilt, ob Initialisierung, Konzeption, Realisierung, Integration, Optimierungen möglich sind. Dazu werden auch Webinarprogramme angeboten
Es folgen einige herausgegriffene Aspekte: Quantencomputer, Wasserstofftechnik, Neue Materialen und Verfahren, Robotik und Mobilstandard G 5.
                      Quantencomputer
Seit etwa 10 Jahre wird zu dieser neuen Technik gearbeitet, zu der noch viel weiter zu forschen sein wird. Erste Anwendungen schälen sich heraus. Bei meinem Rundgang konnte ich einer Podiumsdiskussion über die Zukunft des Quantencomputers folgen. Der Vorteil eines Quantenrechners liegt zum einen in seiner Schnelligkeit und zum anderen im geleichzeitigen Bearbeiten von Aufgaben. In der Wissenschaftszeitschrift Nature wird in einem Beitrag der Firma Xanatua und dem Institut für Technology dargelegt, dass die „Extremelektronik“ in nur 36 Metasekunden Dinge errechnen kann, wozu ein herkömmlicher Rechner 5000 Jahr benötige. Quarkbits könnte dabei in der Kombination von Schnelligkeit mit Mehrfachverarbeitung die neue Recheneinheit werden und einen Schub auslösen. Prognosen für Anwendungen in der Zukunft beim technischen Fortschritt und gesellschaftlichen Auswirkungen waren derzeit eher Erwartungen als konkrete Umsetzungen. Es bedarf noch weitergehender Forschung, da die Technik bisher noch fehleranfällig scheint.
                     Wasserstofftechnik
Wirtschaftsminister Robert Harbeck, dessen Ministerium den Schutzherrn für den neuen mit 5000 € dotierten „H2Eco Award“ abgibt, nutzte die Preisvergabe zu einem Rundgang durch Hallen der Messe. 200 Aussteller befassten sich mit Hydrogen und Fuel Cell Themen.
Ein Wirtschaftsforum der SPD setzte sich im Rahmen der Messe mit der Energiewende auseinander. Dazu gehörte z.B. der Plan bei der Stahlherstellung der Salzgitter AG, mit grünem Wasserstoff befeuerten Hochöfen eine klimafreundliche Produktion aufzubauen. Es gelingt in einer neu entwickelten Anlage bereits 200 Nm3 grünen Wasserstoff pro Stunde mit einem Hochtemperatur Elektrolyseur zu produzieren. Die Befeuerung der Hochöfen sollen bis 2033 ganz auf Wasserstoffbetrieb umgestellt sein.
In diesem Zusammenhang ist auf ein Großprojekt „Green Wilhelmshaven“ hinzuweisen, wo ein Importterminal für Ammoniak geplant wird, das den Ammoniak in Wasserstoff zurück verwandelt. Kombiniert mit Offshore-Windparks, einen Wasserstoffpipelinenetzt und Kavernenspeichern werden ehrgeizige Ziele gesetzt, die Abhängigkeit von Gas zu verringern und eine Dekarbonisierung voranzutreiben.
Einzelne Firmen stellen sich bereits auf einen solchen Markt ein, wie beispielsweise Motorradhersteller oder ein Bootsbauer mit einem Wasserstoff betrieben Motor (Bilder 4+5).
                          Neue Materialien und Verfahren
Vielfach werden neu Techniken und Verfahren entwickelt und eingesetzt – die Innovationen sind nicht einfach zu überschauen – wenn z.B. Photometallisierung bei Touchscreens, mit Beschichtung von Substraten mit photoaktiven Komponenten möglich werden, ein direktes Laserschreiben oder Belichtung durch einen flexiblen UV-transparenten stempeln zulassen. So können Silberstrukturen bis zu 100 µm auf starren oder biegsamen Substraten bis in den mΩ/□-Bereich möglich werden und als intelligente Verpackungen mit aufgedruckten Elektronics hergestellt werden.
Ein anderes Beispiel ist ein Glasfaser verstärktes Polymer als Glasersatz mit niedrigem Gewicht, hoher Transparenz und bruchstabile Displays. Wie überhaupt das entstehende Glasfasernetz Daten über Lichtimpulse transportieren kann und dem Kupferkabel an Geschwindigkeit, Datendurchsatz und energetisch überlegen ist.
In eine andere Richtung weist ein Fahrrad aus 100 % recyceltem Kunststoff, mit erheblichem Anteil recyceltem Plastikmüll, das 2023 auf den Markt kommen soll. Das Material gilt als korrosionsbeständig, unempfindlich gegen Witterung, Wasser und UV-Strahlung und langlebig. Geplant ist zudem der Einbau von intelligenten Bauteilen, die Informationen über den Zustand und Verschleiß von beweglichen Teilen vermitteln. An die Wiederverwertbarkeit von Materialien wird gedacht (Bild 6).
Neue Wertstoffe, die stabil, leicht und korrosionsbeständig sind, bringen Vorteile. Andererseits wird an Recycelkonzepten gearbeitet, die der Abhängigkeit von der Einfuhr z. B. seltener Erden zu reduzieren.
                        Robotik
Roboter sind äußerlich auffallende Elemente beim Gang über die Messe. Zum einen bewegen sie sich mal schnell, mal langsam und zum anderen gibt es die unterschiedlichsten Typen. Manche sind groß und stark, können ein ganzes Auto stemmen, andere sind klein, flink und präzise, greifen und bewegen winzige Figuren auf einem Schachbrett (Bild 7), wieder andere bestehen nur aus Greifarm, manchmal mit Doppelarmen und andere sind weiß eingekleidet mit Gesicht mit humanoiden Zügen, schauen durch ausdrucksstarke Augen und zeigen ein Minenspiel. Da gibt es Einzelgänger und Teamwerker, sprechende und musizierende Roboter, „losgelassene Spaziergänger“, verkleidete und drahtig verkabelte „Standfeste“. KI wird mittels Bild-, Daten- und Tonmuster als Basistechnologie beim „maschinellen Lernen“ für Prognose und Analyse, Kontrolle und Steuerung angewendet.
Ein Teil der Roboterspezies wird als humanoides Wesen mit Gliedmaßen auf Beine gestellt, die dem Menschen nachempfunden sind, wie neuere Beispiele zeigen.
In Halle 3 haben sich unter Industrial Startup Hub junge Firmen zusammengefunden, die auf der Messe Kontakte und ein Echo auf ihre Projekte suchen, Robotertechnik in Verbindung mit KI. Ein Beispiel hierfür sei eine Hand mit sensorischen Fingern vorgestellt. Sie ist der menschlichen Hand nachempfunden und so sensoriert, intelligent „eingekleidet“, dass in einer Art TracePen Bewegungen vorgemacht wird. Über diesen Weg können vorgeführte Verrichtungen direkt nachgemacht bzw. „kopiert“ werden, ohne sie zu programmieren.
Die Bewegung ist Vorbild zum Nachahmen, ist „direktes“ Lernen und kann für maschinelle Handlungen eingesetzt werden (Bild 8)
Produktion von Hand und Arm stammen aus einem 3-D-Drucker.
Verschiedene Anbieter stellen vor, wie weit inzwischen die 3-D-Drucktechnik sich entwickelt hat, auch in Bezug auf zu verarbeitende Materialien als auch Größe der zu „druckende“ Gegenstände.
Auf dem Scannermarkt wird eine Datenerfassung mittels Handscanner mit hoher Auflösung interessant, wie ein optischer Koordinatenmesser mit bis zu 7 Rotbandlasern und einem ergänzenden Blaubandstrahl für statische und dynamische Vorlagen.
An andere Stelle findet sich ein Arm mit Fünffingerhand, deren Mechatronik mit „Haut“ überzogen ist und auf Händedruck reagiert. Wie überhaupt variantenreiche Greifer Konstruktionen angeboten werden, je nach Anforderung im Produktionsprozess und gestellten Aufgaben. Verfeinerungen bei den hochentwickelten Sensoren tragen zur Innovation bei.
In koordinieren Bewegungen der Roboter liegt ein hohes Potenzial des Zusammenspiels von Mechanik, Steuerung und Reaktion durch intelligente Algorithmen und ausgefeilte Sensoren. Diese Fähigkeiten sind es auch, die sich in Industrieautomaten in komplexer Mechatronik finden, sich zu Fertigungsstraßen vereinigen, basierend auf hoch entwickelte Kommunikationstechnik. Besonders leistungsfähig sind für den Bewegungsablauf Sechsachsenroboter.
Eine besondere Spezies bilden etwa seit gut 10 Jahren sog. Cobots. Sie sind so konstruiert bzw. von Algorithmen geleitet, können Arbeitspartner von Menschen sein. Als Mensch-Maschinen-Team sind sie als kollaborativfähige Roboter gebaut und können in einer kooperativen Arbeitswelt Produktionsketten bilden.
Die Abläufe der Arbeit sind sicher, flexibel und interaktiv. Die technische Voraussetzung ist idealer Weise so ausgerichtet, dass ständig wechselnde Produkte mit kurzen Produktionszyklen angepasst werden können. Die Vielfalt der Lösungen steigt damit. Vielfach können die Cobots die menschlichen Arbeitskräfte von anstrengenden und schweren körperlich belastenden Arbeiten befreien. Sie können montieren, beschicken oder kontrollieren und als mobile Roboter „Hand in Hand“ auf „Augenhöhe“ mit Menschen arbeiten. Solche hybriden Produktionsstätten werden Standard. Automatisierte Produktionsmodule und manuelle Tätigkeiten werden vermischt, letztere werden abnehmen. Solche Automaten arbeiten mit Armlängen von 70 bis 130 cm und lassen Nutzlasten von 4 bis 14 kg zu.
Bei der Maschine -Mensch-Arbeit wird die Anforderung gestellt, dass das System zuverlässig, robust, sicher und verlässlich arbeitet.
Die Einführung moderner digitalisierten Arbeitsweisen eröffnen einen gesellschaftlichen Diskurs, wie die Zukunft zu gestalten ist.
                           Mobilstandard
Durch den neuen Mobilfunkstandard 5 G (5. Generation) können im drahtlosen Bereich Daten 100mal schneller übertragen werden als bisher auf LTE-Basis. Er besitzt das Potenzial für eine deutlich höher Anzahl von Endgeräten gleichzeitig anzubinden. Verbunden mit dem gesteigerten Datendurchsatz ist zugleich ein geringerer Datenverlust, als es beim W-LAN-Standard der Fall ist.

Installation, Wartung und Betreiben von 5-G-Drahtlosnetzwerken ist in Teilen noch in der Entwicklungsphase und wird zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt.

Mit einer erhöhten Datenrate in Verbindung mit KI wird ein Innovationsschub erwartet. Sensoren, Maschinen, Geräte und IT-Systeme werden im drahtlosen digitalen Austausch leistungsfähiger, d.h. mobiler und flexibler. Maschinenkombinationen arbeiten mit Echtzeitdaten (eine Millisekunde). Automatisierung und eine effizientere Produktionsweise bauen darauf auf. Dazu gehören vernetzte Maschinenparks, mobile Werkzeuge und fahrerlose Transportsysteme. Vor allem die Möglichkeit 100 verschiedene Produkte parallel miteinander zu vernetzen und führt zu neuen Standards beim Einsatz von der Kommunikations- und Informationstechnologie.
Im Zeitalter der BIG-Data mit dem Massendurchsatz paralleler Daten (bis zu 10 Gigabyte pro Sekunde) bei hoher Schnelligkeit und neuer, sensorbestückte Erfassungsgeräten wird Echtzeit die Zukunft bestimmen. Der Flow von KI gilt auch als Schlüsseltechnologie für autonomes Fahren.
Der Mobilstandard 5 G benötigt einen leistungsfähigen Netzwerkausrüster, der die Vorteile voll ausschöpfen kann. In den gängigen Sende- und Empfangseinheiten existieren 4. Das neue System besitzt 64. Die Evolution weist revolutionäre Züge auf. In zahlreichen Städten werden Glasfaserkabel gelegt, um den Datenflow zu steigern.

                        Ausblick             

 Die Messe wird jedes Jahr mit einem Motto geimpft. Dieses hat Signalwirkung und lautet für 2022: „Industrielle Transformation“ und zielt auf das technisch-digitale-künstliche-intelligente-Umfeld. Damit werden wesentliche Aspekte der Innovativen, die die Gesellschaft überrollende Dynamik der technischen Entwicklung, herausgestellt. Innovation braucht Orte für Begegnungen und Vernetzungen, um das Neue vorzustellen und zu verbreiten. Die Messe ist einer davon.

Die Vorgänge im planetarischen Geschehen wachsen zu Problemen für das Leben infolge der Erwärmung der Atmosphäre, der Ozeane und der Landflächen. Der Wettbewerb treibt immer weiter voran. Drängend wird die Frage, wie umgehen mit Lösungen zur notwendigen Dekarbonisierung, CO2-Neutralität, weniger Ressourcenverbrauch, vermehrte erneuerbare Energien, Klimaschutz, Energieeffizienz u.a.
Um den Hintergrund zu greifen, hilft ein Blick auf ein Theoriegebäude, wo verschiedene Sphären abstrahiert sind, wie es etwa in der Geografie der Fall ist. Hier werden Teilaspekte des Lebensraumes unterschieden:
- eine physikalische (anorganische) Welt (Gestein, Klima, Morphologie u.a.),
- eine Biosphäre (organische Welt), Pflanzen und Tiere und
- als dritte eine menschlich gestalte (geistbestimmte) Welt, die Kulturlandschaft in ihrer Mensch-Umwelt-Relation.
Jede dieser Teilwelten hat ihre eigene Gesetzlichkeit und alle drei haben (synergetische) wechselseitige Beeinflussungen.
Pierre Teilhard de Chardin hat in seinem Werk „Die Entstehung des Menschen“ eine Ableitung skizziert, wie aus der Materie der Mensch hervorgegangen sein kann, indem sich die Biosphäre durch Vielfalt verzweigt, verdichtet hat, sich eine „Noosphäre“ mit der in ihr vertretenen Individuation einer Gesellschaft entwickelte. Sie wurde fähig eine wissens-technische-politische Ordnung, Menschen mit Denkfähigkeit zu erschaffen. (Werkzeugnutzung, Bauten, Verkehrswege, heute auch digitale Netze usw.) zu entfalten. Hier sind wir in der Gegenwart angekommen. Noch nicht ganz.
Die Nobelpreisträger Paolo Cruitzen (Chemiker) und Eugen Stroemer (Biologe) sprechen inzwischen (2000) von einem Zeitalter des Anthropozän, das von Menschen bestimmt ist und das dem geologischen Zeitalter des Holozäns nun folgt.
Bildlich gesprochen wurde das Reitpferd vom Dampfross und den motorisierten Pferdestärken abgelöst. Mit der Kraftentfaltung und der damit verbundenen Raumüberwindung, wie den thermodynamischen Prozessen, wuchsen neue Dimensionen, entwickelte sich die Sphäre der Technik mit dem Globus überspannenden Netzen. Sie wird von Kollateralerscheinungen begleitet, die letztlich in so einem Ausmaß angewachsen sind, dass sie die irdischen natürlichen Ressourcen überfordern. In dieser Technosphäre existieren Qualitäten, wo eine reale und virtuelle Welt miteinander verknüpft sich entfalten. Durch sie wird im Wirtschaften, Arbeiten und Handeln die gesamte Gesellschaft aufgemischt und in eine neue Dimension geführt und sich verändernde Lebensformen entstehen können.
Die technisch-industrielle Netzsphären geben die Basis ab, wo der gesellschaftliche „Boden“ verändert, reliefiert wird, wie Wüstendünen vom Wind geformt und an andere Stelle ganz neue Qualitäten wachsen.
Noch einen Schritt weitergedacht, stellt sich die Frage, kann aus der Technosphäre einmal ein „eigenständiges“ Leben, aus der Vielfalt eine neue Qualität hervor gehen, analog der von de Chardin bei der Biosphäre abgeleiteten Idee, wo ähnlich der Anthropogenese, sich eine eigene lebendige Technowelt entwickeln könnte?
Konkret hieße das, es könnte ein „KI-Komplex“ entstehen, der als selbständiges Wesen im Roboter aufsteht, indem in ihm eigene „Vorstellungen“ oder eigene „Vorgehensweise“ aufkommen, eben lernend, sich selbst bewegend, mit eigenem Wesenszug von Bewusstsein. Das heißt, eine Gefühlswelt à la Mensch mit Empfindungen der Sympathie, Durst, Liebe, Lust Traurigkeit oder Freude in mentalen Zuständen zu durchleben, die überraschend aus diesen erwachsen, in sich tragen?
Könnte dies nicht zu einer neuen Lebensform führen, technikbasierte „Technonen“, Partner, die empfindungsfähig und mit Bewusstsein auftreten?
Eine solche Entwicklung ist vielleicht vorstellbar, aber weit von jeder Realität entfernt.
In der gegenwärtigen Technomoderne übernehmen Maschinen Arbeiten von Menschen, helfen bei der Ausführung. Sie können als Serviceleister mit Chatbots Unterhaltungen führen, eine Sprach:KI als Gegenüber ein Dasein haben, wie es inzwischen von den mit menschlicher Stimme redenden System „Alexa“ oder „Siri“ der Fall ist.  Sie treten als Sprache ohne „Verstand“ in Wahrscheinlichkeiten auf.
Skurril ist daher die Vorstellung, dass eine Schweizer Gewerkschaft 2018 einen humanoiden kollaborativen Roboter als nichtmenschliches Mitglied aufgenommen hat.
Humanoide oder tierisch nachgebaut Roboterwesen können vom Menschen als Partner angenommen werden. Dennoch werden künstliche Systeme zunehmend autonomer und intelligenter. Sie sind inzwischen in der Lage unter bestimmten Voraussetzungen ohne menschliches Eingreifen zu agieren.
In der technischen Erweiterung werden menschliche Fähigkeiten z. B. durch Implantate wie Herzschrittmacher oder sensoral angebundene Computer erweitert, Geräte oder virtuelle Welten.
Es entsteht eine neue Dimension mit der dem Menschen angedockten Technik, eine Art Vershaltung des Menschen. Geforscht werden an Möglichkeiten Körper und Gehirn digital mit dem Internet und anderen Netzen zu verbinden. Mit diesem Technologismus werden die Möglichkeiten der individuellen Entfaltung des Menschen neue Horizonte erschlossen-
In der gegenwärtigen automatisierten und autonomen Fertigung mit Hilfe der KI-Verknüpfung fehlen vielfach noch Standardlösungen. Inselinstallationen können nicht die Zukunft sein.
Der rasante Wandel und der technische Fortschritt betreffen die Gesellschaft insgesamt, sich ihm entziehen ist kaum möglich. Der Glaube an technischen und wissenschaftlichen Fortschritt spielt dabei eine Rolle. Immer mehr stellt sich die Frage: Was bringt die digitalisierte Welt den Menschen und ihrer Arbeitsweise, was geschieht im Bereich des Alltags, was wollen wir nutzen und was müssen wir dulden? Wie verändert sich das Miteinander im Leben, wie wandelt sich unsere Lebensweise und unsere Arbeitswelt und nicht zuletzt durch die Folgen für unser Ökosystem. Eine Verteilungsfrage über Zugänge und Verfügbarkeit zu digitalen Techniken tritt hervor?  Die Technologien werfen ethisch Fragen auf.
Global zeigen sich Entwicklungsschwerpunkte, Hotspots der Innovation. In aller Munde ist vor allem das „Silicon Valley. Weitere Hotspots der Entwicklung sind z. B.  Tokyo-Yokohama, Japan, Shenzhen-Hong Kong, China, Republik Korea, Seoul, Osaka-Kobe-Kyoto, Japan, Peking, China, Boston-Cambridge, Massachusetts, USA, Nagoya, Japan, Paris, Frankreich
Veränderungen gab es immer wieder, wie etwa in der Zeit des Aufkommens mechanischer Webstühle. Die Folge waren soziale Unruhen mit „Maschinenstürmern“. Eine andere Art von Strukturwandel zeigte sich in der Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte durch die Industrialisierung, die kontinuierlich ablief und heute noch weiter geht.
Ein simples, schon historisches Beispiel, zeigt wie stark technische Innovation sich durchsetzen können und verbreiten. Als vor einigen Jahren bei einem Messebesuch die LED-Leuchtkörper vorgestellt wurden, war nicht zu ahnen, dass sich dieses Produkt so rasch als energiesparendes Leuchtmittel ausbreiteten wird. Dies ist ein eindimensionales Beispiel. Wie viel mehr bedeutend sind die KI-gesteuerten Vorgänge. Mit der Informationstechnik entstehen neue Wirkräume.
In 4.0 wird gefordert, sich anzupassen. Können die Individuen der Gesellschaft mithalten?
Die Anpassung zwingt zum Umlernen, sich zu schulen. Es wird zum lebenslangen Prozess werden, um zu adoptieren. Für die Zukunft ist eine entsprechende Basis und Wissenskompetenz zu generieren.
Zwar handeln Robotermaschinen nach vorgegebenen Algorithmen, die sich selbst auf der Grundlage von Big Data „Einsichten“ erweitern können. Aber hinter den Algorithmen stehen „moralische“ Aspekte, die von Algorithmenarchitekten gesetzt werden, die damit Normen und Sicherheitsstandards u.a. bestimmen. Wie wird sich die Gesellschaft politisch artikulieren und die Regeln der Technik definieren? Geben Techniker und Manager die Regeln oder ist die Aufgabe der Politiker. Letztlich hat der Mensch der Mittelpunkt zu sein und nicht das markttechnische Geschehen.
Der Wunsch des Einzelnen, dass sich in Zukunft alles, immer und überall durch Knopfdruck lösen lässt, bleibt ein unerfüllter „ja, das möchste-Traum“, Maschinendiener mit Knopfdruckverhalten oder mit Spracheingabe jederzeit, um sich zu haben, bleibt Illusion. Das Paradies auf Erden wird die Robot-Cobot-Automatenwelt wohl kaum erschaffen, weder im Bereich der Produktion noch im Dienstleistungsbereich. Auch wenn die automatisierten Produktionssteigerungen durch weniger Arbeitszeit eine Art Zeitwohlstand liefert, wird im gegenwärtigen Gesellschaftmodell Arbeit die Erwerbsarbeit eine Grundlage bleiben.
Technische Innovationen können für Umwelt und Klimafolgen auch eine engtscheidende Rolle spielen. Was zählt ist die Politik und die Art und Weise, wie und wann die Technologie eingesetzt wird und zu fördern ist. Die evolutionäre Entwicklung wirft auch moralische Grundsätze auf und verlangt nach Rechenschaft.
Greta Thunberg hat mit ihrer Bewegung „Fridays für Future“ viel Aufsehen erregt und auf die Umweltgefahr und Verantwortung zu zeigen z.B. mit Vorwurf auf dem Klima-Gipfel in New York 2019 “How dare you!“ („Wie könnt ihr es wagen!“).
Digitalisierung, Netzwerke, stoffliche Entdeckungen und neue Produkte, all die technischen Entwicklungen sind kein Selbstzweck, sondern ein reflektiertes Wollen, um Neues zu bieten und Gewinne zu erzielen.
Mit dem Science-Fiction-Roman „Snow Crash” von Neal Stephanson ist ein neuer Begriff, aufgekommen, der Metavers. Diesen Begriff greift Facebook-Gründer Mark Zuckerberg für seine Vorstellung einer virtuellen Umgebung auf, in der Menschen in digitalen Räumen zusammen sein können. Er wählt für das neue Facebook den Namen „Meta“ und plant eigene „Metaverse“ aufzubauen und will eine weitere Stufe der digitalen Vernetzung erreichen, einen virtuellen Raum mittels VR-Brillen schaffen, ein Metaversum für innersive Erlebnisse im Sprung aus der Fiktion in die Realität.
Ein anderer Entwicklungsstrang zeigt sich im Zusammenführen von mechanischen, pneumatischen und automatischen Entwicklungen, wie z.B. in der Herstellung animatronischer Tiere, d.h. angewandte Animatronik verbunden mit Künstlicher Intelligenz. Sie sind ebenfalls eine Ausprägung einer virtuellen und illusionären Welt, ohne „biologischen“ Wirklichkeitskörper. Die dabei auftretende nicht authentisch zu erfahrende Wirklichkeit wird zu einer Wahrnehmungskategorie eigener Art. Wird ein neuer Puppenmarkt entstehen oder eine Vielfalt von Anwendungen, etwa „elektronische“ Zootiere oder Fantasiewesen eingesetzt werden?
Die Anzahl der Menschen wird sich von 8 Milliarden auf 10 erhöhen, wodurch Ressourcenbedarf und Belastung weiter steigen werden und weitere Herausforderungen kommen.
Die technischen Messen stellen wichtige Meilensteine dar, um zu erkennen, wo die Entwicklung steht und welche Wege sie möglicherweise geht
Der von der dynamischen Entwicklung beeinflusste Klimawandel fragt nicht nach Algorithmen und Automation. Vielmehr hat die Klimaänderung Automatismen, die wir als Gesellschaft zu spüren bekommen. Wir erleben bereits eine Überforderung der existierenden Kreisläufe, die Klimafolgen, die Übernutzungen und Ausbeutung begrenzter Ressourcen.
Die technologische Entwicklung hat das Potenzial für Lösungen zur Verbesserung.
Der Bundespräsident Roman Herzog rief 1997: „durch Deutschland muss ein Ruck gehen“, Solch einen Ruck bedarf es erneut. Dafür ist es höchste Zeit!
© Willi Volka
12. September 2022

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Reset Europa

Reset Europa. Wann, wenn nicht jetzt, kann Kultur dem Kontinent neuen Schwung verleihen? Kulturreport 2020, Vol. 10, ifa/Steidl, 281 S., ISBN 978-3-95829-671-8, Göttingen 2020

Zum Einstieg

Erreicht eine Reihe einen 10. Band, ist das ein Grund, genauer hinzuschauen. Die Frage stellt sich, woran liegt das? Das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) ist Herausgeber von Bandreihen wie „Kulturreport“ oder „Perspektive Außenkulturpolitik“.

Das ifa, eine Mittlerorganisation verfügt über eine große Bandbreite von Aktivitäten mit Außenwirkungen, wie die Organisation des Deutschen Pavillon auf der Biennale Venedig, Vergabe des Theodor-Wanner-Preises (Gründer des ifa) an Persönlichkeiten, die sich im Dialog der Kulturen für Frieden und Völkerverständigung einsetzen, durch Ausstellungen und Vortragsveranstaltungen und durch Publikationen wie die Zeitschrift Kulturaustausch – Zeitschrift für internationale Perspektiven (71. Jahrgang) und Buchreihen, Förderprogramme u.a.m. Unter diese Aufgaben reiht sich die neue Publikation „Reset Europa“ ein. Die Einrichtung wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.

Zum Thema

Für einen Report bedarf es Reporterinnen oder Reporter. Sie tragen Namen. Viele davon sind mir geläufig (Alfred Grosser, Herta Müller, Emmanuel Macron, Federica Mogherini, Martin Schulz oder Eva Menesse), andere weniger (Ladislau Dawbor, Pankai Mishra, Heinrich August Winkler, Bogdan Góralczyk, Ilija Trojanow oder Margret Atwood). Insgesamt beteiligen sich 8 Autorinnen und 21 Autoren an dem Report.

Der zweite Begriff Reset stammt der aus dem Bereich digital programmierter Geräte Jeder, der zum Reset greifen muss, weiß, dass da einiges schief liegt, was einen Neustart unausweichlich macht. In der Regel basiert so ein Neuaufbau auf Vorwissen und auf Fakten, die hoffentlich zuvor gesichert werden konnten.

Dem Vorwort von Sebastian Körber, Leiter der Abteilung Medien des ifa, folgen im Kulturreport 3 Kapitel:

1: Demokratien in der Defensive – Der Vertrauensverlust der etablierten politischen Kultur

2: Reset Europa – Die Krise als Chance und

3: Die Fragmentierung der Öffentlichkeit – Der Kampf um die Deutungshoheit.

Es geht um nichts Geringeres als Europa, als kulturpolitischen Raum in dem, mit dem wir leben, der unser Leben bestimmt und einen Rahmen gibt. In der Unruhe, der dynamischen Technikentwicklung und dem Entstehen großer politischer Blöcke bedarf es eines Resets für Europa, um es weiter zu entwickeln.

Im weitesten Sinne befassen sich alle Beiträge mit der Frage der Widersprüche in Europa und, welche Perspektiven vorhanden sind und was zu tun ist? Die rund 30 Beiträge sind nicht einfach zusammen zu fassen, zumal die Themen mannigfaltig und schwer überschaubar sind.

Sie handeln vom globalen Durcheinander bei Identitäten, beim Wandel, Verstehen, Verschwörungen oder Pressefreiheit. Um mich den Inhalten zu nähern, wähle ich aus jedem Kapitell einen Beitrag aus, der mich neugierig werden ließ, auf den ich näher eingehe:

1.      „Polarisierung, Identität und wie alles schief ging“ von Bernd Reiter,

2.      „Was uns verbindet“ von Heinrich August Winkler und

3.      „Die digitale Illusion“ von Jaron Lanier.

Zur Struktur der Beiträge

Blättert man im Buch, fällt der Blick zuerst auf eine ein -oder zweiseitige farbige Bildstrecke mit „resetbedürftigen“ Wohnhäusern und Landschaftsteilen mit Menschen, die sich zur ihrer Lebenssituation äußern. Eher düstere und abschreckende Bilder. Den meisten fehlt der Sonnenschein.

 Verlockender sind die farbigen Porträts der Autorinnen und Autoren, die zu jedem Beitrag gehören. Sie sind aussagekräftig ausgewählt, zeigen die Personen vor einem typischen Hintergrund, in einer Pose oder bestimmten Situation. Auch das Alter ist ablesbar. Die Porträtfotos tragen an der Oberseite einen schwarzen Balken, der meist das Gesicht ein wenig anschneidet. Wird man sich dessen bewusst, stellt sich die Frage: Welche Bedeutung hat der Balken? Nicht ganz einfach ist, eine Antwort zu finden. Vielleicht wird damit angedeutet, dass die Thematik im Dunkeln liegt, in und durch „Köpfe“ erhellt werden muss.

Über dem jeweiligen Foto stehen in einer viele Punkte größeren Schrift hervorgehobene Leitsätze, die dem Thema des Beitrages Richtung geben. Darunter steht auch der Verfassername. Bild, Namen, wie Thema stellen damit eine erkennbare Einheit dar. 

Will man mehr über Autorin oder Autor wissen, so findet sich am Ende des Beitrages ein Hinweis auf Funktion, Beruf und Veröffentlichungen.

Zu erwähnen ist auch, dass zwischen dem Fließtext immer wieder einzelne markante „Stolpersätze“ herausgehoben sind, die auch für sich stehend wichtige Inhalte transportieren. Durch eine Gliederung mit Überschriften ist das optische Bild der Texte für das Lesen und fürs Auge angenehm. Der Umfang der einzelnen Beiträge schwankt zwischen 3 und 24 Seiten. Der zweispaltige Gesamttext aufgrund der gewählten Schriftgröße wirkt etwas gedrängt.

1 Zum ausgewählten Beitrag (aus Kapitel 1)

Die 9 Beiträge aus dem 1. Kapitel werden mit folgenden Begriffen gewichtet: Nationalismus, Desinformation, Rechtsstaatlichkeit, Medien- und Meinungsfreiheit, Freiheit der Wissenschaft, die Frage nach demokratischen Werten, zu Skepsis, Fake News und Polarisierung. Was ist die europäische Idee, was verbindet? Eine umfassende Begriffssammlung wird aufgefächert.

Bernd Reiter weist mit seinem Beitrag „Polarisierung, Identität und wie alles schiefging“ auf Auseinandersetzungen von Weltanschauungsgemeinschaften hin, die sich polarisierend aneinander reiben und bezieht sich auf zwei Autoren und deren Veröffentlichungen: Francis Fukuyama „Identität: Wie der Verlust der Würde unserer Demokratie gefährdet“ (der auch in diesem Band einen Beitrag “Kampf um die liberale Demokratie“ beisteuert) und Kwame Anthony Appiah „Identitäten. Die Fiktion der Zugehörigkeit“.

Sein Denkansatz führt in die Vergangenheit. Seine These lautet, die Zeit der Kolonisierung durch die „Weißen“, wirkt bis heute in der Gesinnung nach. Die letzten Kolonien wurden im letzten Jahrtausend, um 1990 frei gegeben (z.B. Hongkong oder Macao). Das koloniale Erbe neigt dazu, Denken und Handeln, in Abhängigkeit zu halten. Unterdrückung und Ausbeutung, prägt bis heute die Gesellschaft durch standardisierte Begriffe. Dazu gehören Rasse und Nation, haftende Etiketten von ethnischer Zugehörigkeit und in Klassen Polarisiertee, wie im letzten Jahrhundert in Völkerschauen z.B. im Zirkus Sarrasani als er mit Menschen anderer Kulturen als „Zooobjekte“ wurden, durch die Lande zog.

Heute zeigt der Entwicklungstrend der Weltbevölkerung, dass die „Weißen“, global betrachtet, zu einer „Minderheit“ werden. Der Aufstieg der „Anderen“ hat längst begonnen, indem sie selbst nach Reichtum, Eigentum, Alphabetisierung und soziales Ansehen trachten. Die Ungleichheit sozialer, kultureller und wirtschaftliche Hierarchien verschieben sich.

Die Muster der Vergangenheit stecken zum Teil noch im europäischen und amerikanischen Denken. Die Mitschuld am Nichtfortschritt der „Anderen“, als eine Folge der über Jahrhunderte geübten Kolonialpraxis anzusehen, ist wenig bewusst.

Einem Teil der Gegenwartsgesellschaft fällt es schwer, dies zu akzeptieren und flüchtet sich in eine Abwehrhaltung (bis hin zu Gewalttaten) und zu Vorstellung in nationalistische Vorstellungsidentifikationen. Reiter sieht die Notwendigkeit, sich der eurozentrischen Sicht stärker bewusst zu werden und sich von rassistischen Vorstellungen zu befreien, bereit zu sein in der Weltgemeinschaft Verantwortung zu übernehmen. Die Hinterlassenschaft der Vergangenheit, die Vorstellung von der „guten alten Zeit“, sind aufzugeben. Er setzt auf Vernunft und Rationalität und sieht zugleich die Notwendigkeit, dass Naivität und Arroganz, die Irrationalität, von der Vernunft Irrationalität besiegt wird.

Erfahren wir nicht durch unseren „unverdient“ angesammelten Reichtum, dem Frieden, den die EU gebracht hat, den Fortschritt und die Sicherheit, eine zeitnahe magische Anziehungskraft auf Millionen Menschen. Anteil an diesen Privilegien zu haben Arbeit, Lohn und Menschenrechte ist ihr Streben.

Reiter ist wichtig, über Bildung und Kultur den Menschen den Zusammenhang von Kolonialherrschaft und Reichtum ins Bewusstsein zu bringen. Daraus sei abzuleiten, dass auch von der Nachfolgegesellschaft Verantwortung zu übernehmen ist. Seiner Ansicht nach kann das nicht über gewählte Beamte oder die politischen Eliten. Dafür ist ein direkteres und stärker partizipatorisches System zu finden, das die Verschiebung, der aus der Vergangenheit herrührenden Privilegien akzeptiert. Denn das europäische „Universum“ muss sich in Zukunft mehr zu einem „Pluriversum“ entwickeln und sich darauf konzentrieren, was im Jetzt ansteht, zugleich aber die historischen Wurzeln nicht verdrängen.

2 Zum ausgewählten Beitrag (aus Kapitel 2)

In diesem Reset-Kapitel 2 mit 8 Beiträgen geht es in erster Linie um Orientierung und neue Perspektiven für die Demokratiekrise, den Klima- und Strukturwandel, den gesellschaftlichen Hass. Es geht um Menschenrechte, Multilateralismus, Meinungs- und Pressefreiheit, Toleranz, Weltoffenheit und -Vernetzung.

Heinrich August Winkler stellt in „Was uns verbindet“ den Aspekt von Revolutionen besonders heraus. Als Historiker geht es ihm ähnlich, wie in dem zuvor ausgewählten Beitrag von Reiter, um Vergangenheitsereignisse, die bis in unsere Tage hineinwirken: die amerikanische (1776) und die französische (1789) Revolution, die die Idee von Freiheit und Gleichheit hervorbrachten. Sie wuchsen die Verstöße gegen die damaligen geltenden Werte. Dieser Aufbruch löste einen andauernden Lernprozess aus. Es ging ums Annehmen oder Ablehnen und gehört bis heute zu den fundamentalen Werten des Westens.

Die Freiheitsbewegung von 1989 z. B. verlief in Deutschland friedlich. Andere Vereinbarungen, wie etwa die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948, die Kopenhagener Beitrittserklärung von 1993 und der Vertrag von Lissabon von 2009 zeigen, dass der Prozess um die Gestaltung von Freiheit und Gleichheit als Grundlage der Staaten noch längst nicht abgeschlossen ist, obwohl diese Rechte als universaler Normanspruch gelten sollten.

Einen besonderen Grundgesetzauftrag hebt Winkler für Deutschland hervor. Aufbauend auf die Erfahrung von 1933 wurde ein Asylrecht ins Grundgesetz aufgenommen, das politisch Verfolgten Asyl, ihnen ein individuelles Grundrecht gewährt. Die übrigen Staaten Europas kennen nur ein vom Staat gewährtes Recht. Zwischen der Aufnahme von Asylsuchenden und der Akzeptanz der Bevölkerung besteht ein Spannungsfeld, zwischen Gesinnungsethischem und Verantwortungsethischem (Max Weber). Die Folgen des Handelns müssen gesehen werden.

Generell besteht die Aufgabe, die Gemeinsamkeiten der historischen Werte, die internationalen und universalen Charakter tragen, diese selbst vorzuleben. Sie mit „Leuchtkraft“ auszustatten. Sie müssen auch einklagbar sein.

3 Zum ausgewählten Beitrag (aus Kapitel 3)

Die Leitbegriffe für 11 Beiträge lauten: Fragmentierung der Öffentlichkeit, Deutungshoheit, Fake News, Filterblasen, künstliche Intelligenz, Wählermanipulation, Medienzeitalter. Was ist Wahrheit? Wo Vertrauen, Transparenz und Faktenbasis?

Der Beitrag „Die digitale Illusion“ von Jaron Lanier vertieft den Begriff der virtuellen Realität, der von diesem Informatiker stammt. Und stell zunächst die positiven Seiten heraus: Spaß und Alltagserleichterung, um sich dann dem Dahinter, dem Charakter von Algorithmen zuzuwenden, denen man durch die Vorgabe der Konzerne ausgesetzt und ausgeliefert wird. Und dies geschieht unter der Absurdität einer Überwachungsökonomie.

Realistisch betrachtet, gibt es eben auch die negativen Seiten in der digitalen Welt. So wird ein Konstrukt wie Facebook oder Google in ihrer Machtfülle zu Konzernen „personalisiert“ sind. Die Muster sozialer Einlassungen werden dort zentral gesteuert. Ihre „Ideen“ sind im Computerprogramm „versteckt“, mit denen wir dann automatisch unser Leben führen. Die nicht zugänglichen Algorithmen, ihr Code steuert über den Datenschutz hinweg, indem sie persönliche Daten sammeln und für eigen Zwecke nutzen. In dieser algorithmischen Konzentration üben sie Macht aus, wie wir es in der Musikscene oder der Finanzbranche erleben können. Reichtum sammelt sich in den Händen weniger Personen. Die angewandten Algorithmen zwingen nach und nach der Gesellschaft auch Risken auf. Es heißt für sie zu akzeptieren, obwohl sie wenigen Profit einbringen. Man bildet mit vielen ein folgsames Rudel.

Das Codieren ist an Konzerne „outgesourct“. Es fehlt ein klärender Kanal in der Kodierung zwischen Denken und gesellschaftlicher Realität. Zugleich sichert „Big Data“ die algorithmische Konzentration.

Eine Automatisierung, die auf der Basis von „Big Data“ aufgebaut, verabreichen eine maschinenzentriete Zukunft. Nicht einfach ist es, sich davon zu lösen und die Kontrolle über die Codes zu gewinnen. Es gilt, Dinge aus der prä-digitalen und digitalen Zeit zu vermengen. Denn im globalen Geschehen zeigen sich Abgründe: Gefahren des Klimawandels, Bevölkerungswachstum, Migration, die Unfähigkeit die Neige der billigen fossilen Brennstoffe einzusehen, sozial betrachtet die Konzentration von Reichtum, den gewaltsamen Extremismus abzumildern. Wir als mitverantwortliche nutze stehen mittendrin. Im digitalen Aufstieg lösen die digitalen Errungenschaften einen Optimismus aus, der eine Rudelbildung befördert.

Gadgets, leistungsfähige Kleingeräte begleiten die Mitglieder der Gesellschaft und formen sie, indem sie ständig auf das Angebot im Netz zurückgreifen. Zugriff, der ständig im Fluss hält, schwimmt im Angebot des Netzes, ist im Rudelverhalten verlockend.

Lanier setzt für sich dagegen das Schreiben von Büchern. Ein gedruckter Text steht außerhalb des Internets, kann Perspektiven und Synthesen bleibend aufzeigen Sie können nicht, die nicht so leicht wie ein Bildschirm gelöscht werden, sondern beanspruchen „gedehnte Zeit“. Letztlich gilt es Raum für Alternativen zu erarbeiten und zu öffnen. Denn das bestehende Muster ist nicht das einzig mögliche. Es heißt, zwischen Algorithmen und Konzernen zu unterscheiden. Menschen sind mehr als Algorithmen der Konzerne. Humanitätsfaktoren, wie Familie und Freundschaft. Sie behalten ihren Wert sind staunenswert, interessant, glorreich und berauschend. Technologien sollten Facetten davon dies in sich tragen, obwohl menschliches Verhalten sich nicht in Algorithmen einfangen lässt. Aber gemeinsame Absprachen dazu müssen möglich werden.

Fazit

Die Kenner ihrer Materie legen zahlreiche Probleme des geschichtlich kulturellen Seins Europas offen, die uns angehen müssen. Das Geschehen ist zu verstehen. Es gilt Verständnis zu wecken, die Probleme aufzuzeigen und daraus zukunftsgerichtete Handlungen abzuleiten.

Wie die 3 gewählten Beispiele deutlich machen, leitet sich jeder Beitrag aus ganz unterschiedlichen Erfahrungen ab. Damit überraschen sie und öffnen dem Denken vielseitige Spielräume. Ohne alle Beiträge schon gelesen zu haben, darf man noch weit mehr Gesichtspunkte erwarten, geradezu Empfehlungen, wie sie bereits z. T. in den Titeln zum Ausdruck kommen, wie etwa „Europa endlich verstehbar machen“ (Martin Schulz).

Ohne Zweifel sind die Texte anspruchsvoll. Ich gestehe, dass ich meine Auswahl wiederholt lesen musste, um die Inhalte aufzunehmen, um über die Schlagworte und die Leitsätze hinaus zu kommen. Dazu ist ein gedruckter Text auch gut. Das ist eine Herausforderung.

Das Ganze liest sich nicht fortlaufend wie ein Roman, sondern stellt ein Steinbruch dar, aus dem man sich das eine oder andere herausschlagen kann, was man selbst im Kopf bearbeiten muss, um Perspektiven zu entwickeln. Dies erfordert Interesse und Offenheit.

Nehme ich mir meine 3 Beiträge vor: So ist die Erinnerung an die Kolonialzeit wichtig, auch wenn jetzt die Rückführung von geraubter Kunst akut wir, oder der Revolutionsgeist aufgefächert bei der Asylpolitik hervortritt. Hervortreten die virtuellen Realitäten, die die heute die Kommunikation beherrschen. Interne und globale Vernetzung ermöglichen bisher kaum vorstellbare Verknüpfungen und Einflussnahmen. Realitäten, die man nicht ohne Weiteres übersieht, zu erkennen, sich der Entrechtlichungen bewusst zu werden, dagegen anzugehen.

Die Welt ist im Aufbruch. Die Chance besteht, die Richtung der Entwicklung zu gestalten. Der Aufruf: „Reset Europa“ muss gehört werden. Bürger hört die Signale. Wir müssen alle daran arbeiten, wenn wir in Europa am Leben halten und weiter entwickeln wolle. Es gilt

Es gilt auf Europamüdigkeit und Ratlosigkeit zu reagieren. Wir sind Teil der Geschichte.

Ich bekenne dankbar, auf diesen Report gestoßen worden zu sein.