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Sätzling 8 

Datenkapitalismus 
Empörung
was im Angebot steht
findet Käufer -
gefangen  im Datenfatalismus.     
                   (23.04.2018)
      

Maifrage:
Industriemesse Hannover 2018, welche Welt?

Kurzantwort
Homo Sapiens
Stein- und Eisenzeit
Technik- und Kommunikationsära
nicht nur zwischen Menschen
nein
mit gehorsamen Robotern
autonomen Speichern und virtuellen Sphären
MI + KI Summen-Sapiens. 


                                        Die Messe

   
  „Enjoy your stay at the exebition ground“ ertönt die Ansage in der Straßenbahn bei Ankunft vor dem Eingang Nord des Messegeländes. Die Flügeltüren des Eingangs erzeugen einen Sog. Der Menschenpulk verschwindet hinterm Glas. Gepäckkontrolle, elektronischer Ticketcheck, ein Umhängeband mit Karabinerhaken für das ausgedruckte Ticket mit Namen und Zuordnung. Damit man nicht vergisst: México –   Partner Country 2018 Hannover Messe ist einer der Aufdrucke.
        Vom 23.-27. April 2018 findet die Industiremesse im 71. Jahr seit 1947 statt. Sie hat zusammen mit der gleichzeitig laufenden CeMAT (Centrum für Materialflusstechnik) 5000 Aussteller aus 75 Ländern und 210 000 Besucher angelockt. Auch die Politik findet ihren Auftritt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Präsident Mexikos Enrique Peña Nietos, als Vertreter des diesjährigen Gastlandes, eröffnen gemeinsam mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stefan Weil u.a. die Marktschau. Neben den Hoffnungen aus der Industrie 4.0 lassen sie einen Appell für freien Welthandel verlauten, insbesondere für einen Abschluss eines Freihandelsabkommen mit den USA.
        Das Motto der diesjährigen Messe lautet: „Industrie 4.0 meets the industrial internet“ und thematisiert dies in fünf internationale Leitmessen
        - Integrierte Automation, Industrial IT, Antriebs- und Fluidtechnik,
        - Integrierte Prozesse und IT-Lösungen
        - Integrierte Energiesysteme und Mobilität
        - Innovative Zulieferungslösungen und Leichtbau
        - Forschung, Entwicklung und Technologietransfer
       Außerdem war wieder der Rote Teppich durch die Welt der Automation und IT ausgelegt. Er lenkt die Schritte auf einer „optimalen“ Tour durch die Hallen und zu den Themen der IT innerhalb der Leitmesse Digital Factory, wo Automation und IT miteinander verbunden sind.
       Ergänzt wird die Messe durch ein Rahmenprogramm mit Foren wie z.B. Forum „tech transfer“ oder „Life needs Power“ mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen.
       Die Aussteller füllen 22 Hallen, wobei Integrierte Automation, Energie und CeMat die größten Anteile belegen. Die Industriemesse Hannover zählt nach wie vor zu den größten technischen Leistungsschauen weltweit.

                                Zu ausgewählten Themen
1. Roboter un dkünstliche Intelligenz (KI)

          ff                                                  (Stand: 14. Mai)

 
Märzfrage:  "Child Survivors – was heißt das?“

                          Kurzantwort
                   

                        Child Survivors
                   davon Gekommene
                   aber wie?
                   Bescheidenes Wissen
                   über ihr Leben …

                                                  Antwort
    

          „Child Survivors“ ist als englisch-amerikanischer Begriff  bisher wenig in unseren Köpfen verankert. Geht man dem Begriff nach, so erfährt man von einem Weltverband der Child Survivors (World Federation of Jewish Child Survivors of the Holocaust and Descendants) und seinem deutschen Ableger Child Survivors Deutschland e.V., gegründet 2001. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Betroffenen für Betroffene, hier Menschen, die als  Kindern in der NS-Zeit wegen ihres Judentums bzw. ihrer jüdischen Wurzeln verfolgt wurden. Sie werden auch als eine vergessene Generation bezeichnet, die aufgrund der Erlebnisse von Holocaust oder Schoah schwere und schwerste Traumata mit durch ihr Leben tragen, ohne sich je mitteilen zu können oder mitgeteilt zu haben.

                                                 Erläuterungen
 
                                        Ausgangspunkt   

            Über die Verfolgungszeit unter den Nazis gibt es zahllose Zeugnisse und Reflexionen bis hin zu Tagebüchern wie beispielsweise  „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder die Tagebücher 1933 -1945 von Victor Klemperer oder in dem jetzt in Deutschland erschienen Roman „der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz.
           Weniger bekannt und vertraut sind Lasten und Folgen der im Menschenleben versenkten Leiden und ihrer Weitergabe. Verfolgte, Entrechtete, Erniedrigte und Gequälte, die Hölle der Nazidiktatur Überlebende, haben nach der Befreiung oder Kapitulation Partner gefunden, neue Familien gegründet und Kinder gezeugt. Damit ist auch die nächste Generation durch die Biographie ihrer Eltern und auch Großeltern nicht nur mental betroffen. Drei Leidensfolgen sind zu unterscheiden, die bis 1945, die Zeit danach und das Leben in der umgebenden Gesellschaft bis heute, die Suche nach Zugehörigkeit.
           Die Vereinigung der Child Survivors zeichnet sich durch ein besonderes Verständnis für die Verfolgten aus und strebt eine friedliche Welt an. Hieraus wächst auch das Engagement und Ermutigung, sich als Zeitzeuge zu öffnen. Dies gilt auch als ein besonders schwieriges Angehen, da unter den Schrecken der Verfolgung, die Überlebenden „gelernt“ hatten „möglichst ruhig, verborgen, unauffällig zu sein“. Die Hoffnung ist, dass mit dem sich öffnen können Menschen die Gelegenheit haben, authentische überzeugende Zeitzeugen zu sein.
          Im Sehen, Hören und Diskutieren sind Einsichten zu gewinnen, die kaum einprägsamer sein können, weit mehr als durch das Lesen allein.

                                            Aufarbeiten

          2014 fand der 26. Weltkongress des Weltverbandes Child Survivors in Berlin erstmals in Deutschland statt, obwohl viele der Betroffenen eine düstere Vergangenheit mit diesem Land verbinden und vermittelte wie bedeutsam die Vereinigung der Child Survivors für eine Menschengruppe ist, die heute zwischen 70 und 90 Jahre alt ist. Die Vereinigung wirbt für ein besonderes Verständnis für die Verfolgten. Zugleich wächst daraus Engagement und Ermutigung, sich als Zeitzeuge in Gespräche zu wagen, etwa in Schulen zu persönlichen Begegnungen.
             Dies  ist ein schwieriges Angehen und die Hoffnung ist, dass authentische überzeugende Zeitzeugen, die immer weniger werden, im Öffnen Menschen die Gelegenheit geben, im Sehen, Hören und Diskutieren Einsichten zu bekommen, die einprägsamer sind, als das Lesen der Lebensgeschichte. Vor allem Schulen, Gedenkveranstaltungen und Lesungen eignen sich dazu.
             Ein Beispiel ist die Initiative von Karin Weimann, selbst Lehrerein an der Pädagogischen Fachschule Ruth Cohn in Berlin. Ihre Motivation ist getragen von der Einsicht einer Schuld, „etwas“ mit den Verbrechen der Vergangenheit zu tun zu haben. Seit 30 Jahren  setzt sie sich mit der Zeit des Nationalismus auseinander. Durch Begegnungen mit Child Survivors lud sie Zeitzeugen ein, über ihre Leidenserfahrungen zu berichten. Dazu wurde der 27. Januar gewählt, da an diesem Tag 1945 das Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit wurde. Seitdem 1997 gibt es diesen Gedenktag an der Schule, wo auch Gespräche mit Zeitzeugen stattfanden.
            Thematisiert werden die  überwundenen Schreib- und Sprachblockade (unter dem Druck von Angst verursachenden Traumata), dem eingebettet sein von Lebenserfahrung in der Lebenswirklichkeit (Diskrepanz zwischen der verschlossenen Innenwelt und dem Nichtwissen, nicht nachempfindenden könnenden Zeitgenossen) und in der Vorstellung die unvorstellbarer Verbrechen (Konzentrationslaber, Familientrennung, Misshandlungen und als Versuchsobjekte u.a.). die geschehen sind. Damit wird einerseits auch ein Weg gefunden, um aus der Einsamkeit heraustreten zu können und andererseits auch Bewusstsein geweckt.
           Jüngst ist im Beggerow Verlag eine Taschenbuchreihe*) „Die Unruhe der Zeitzeugen des Holocaust“ (2018, bisher zwei Bände) zum Thema Child Survivor eröffnet worden. Mit ihnen liegen nun auch gedruckt Zeitzeugenberichte und ein Projektbericht vor.

                                                Fazit

            Es zeigt sich, dass die hier gemachten Erfahrungen heute leider wieder aktuell sind,wo weltweit so viele Herde des Grauens vorhanden sind, die Gewalt voller Menschenverachtung mit ihren Folgen wie Hungersnöte, Flüchtlingsströme und neuen Traumata. Wieder sind Minderheiten, Flüchtlinge und religiös Verfolgte betroffen.
            Erschreckend zeit sich, wie solche Verhaltensmuster in Gesellschaften, die Verfolgungen gar bejahen, mitmachen, wegsehen oder schweigen, sich ausbreiten, wie im sich wegducken unter dem Druck von Gewalt und im Mitschwimmen des Mainstreams, Mitmenschlichkeit verloren geht. Wie schnell können auch die Wegschauenden vom Strudel der Gewalt, wenn sie nicht aufpassen, selbst erfasst werden?
            Zeugen und Erinnerungskultur sind ein wesentliches Element eines kollektiven Gedächtnisses und gilt es zu pflegen. „Der Preis der Freiheit ist die ewige Wachsamkeit“ ( Solomea Genin). Die Child Survivors sollten von uns nicht nur auf komplementäre Empathie hoffen, sondern neben dem Verständnis auch Mitgefühl erwarten können, das ihnen Würde schenkt.
            Es gilt ein „Nie wieder das“, nicht in Gegenwart und Zukunft. Die Gesellschaft muss immer wieder erinnert werden. Ohne das historische Wissen könnte auch ein humanes Europa verloren gehen.
________________
*)  Child Survivors als Zeitzeugen für damals bis jetzt . Philipp Sonntag (Herausgeber)  155  S., ISBN 978-3-936103-60-1 und
     Karin Weimann: Child Survivors zu Gast am Gedenktag 27. Januar: Erinnern und VERANTWORTung  in der Ruth-Cohn-Schule, 128 S.. ISBN 978-3-936103-61-8. Beide erschienen in der Buchreihe: Die Unruhe der Zeitzeugen des Holocaust –Leiden vor 1945 – Frustration nach 1945 – Unruhe jetzt im Beggerow-Verlag, Berlin 2018
                                                   Stand:12.03.2018


 
Dezemberfrage: „Braves Essen, brave Landwirtschaft – was heißt das?“

                          Kurzantwort

                    Nahrung
                    Dienst am Menschen
                    Hypergewinnmaximierung
                    ruiniert
                    Mensch und Umwelt.  

                         Antwort
     
         Brav unterlag einem Bedeutungswandel. Ganz ursprünglich bedeutete brav so viel wie wild, grausam, barbarisch, um dann zu tüchtig zu mutieren (etwa beim braven Soldaten oder tapferen Schneiderlein) und heutigentags steht brav für ehrlich, verlässlich, geeignet, tüchtig oder hausbacken. 
          Hand auf den Magen, wissen wir, was wir ihm mit unserem täglichen Brot, Gemüse oder Weihnachtsbraten zumuten? Dabei meine ich nicht die Frage nach der Menge, sondern nach den „Zusätzen“, die von Natur aus nicht in das Essen oder ein in Getränk gehören. Die jüngste Abstimmung über die Verwendung des Totalherbizids Glyphosat macht, nicht nur wegen des sich angemaßten eigenwilligen Abstimmungsverhaltens des noch amtierenden Landwirtschaftsministers Christian Schmidt, nachdenklich, sondern vor allem auch darüber, was dies für unsere Nahrung und für die Umwelt bedeutet.
         Die für die Ernährung primär zuständige Landwirtschaft als „Rohstofflieferant“ sollte „ehrliche“ Produkte erzeugen und  „verlässlicher“ Partner sein. Industriell verarbeitete Nahrungsmittelprodukte  wie Fleischsalat, Heringshappen  oder Marmeladen, beispielsweise Aprikosenmarmelade, enthalten neben Früchten  und Zucker auch Zusatzstoffe wie Glukose, Fruktose-Sirup, Geliermittel, Pektine, Säuerungsmittel, Citronensäure. Über den Ursprung der Früchte erfährt man nichts.
 
                                             Erläuterungen

                                              Ausganspunkt
   
        In der globalisierten Welt kann das Problem der Ernährung nicht aus der Sicht des Kleingärtners oder der 10% Biohöfe betrachtet werden. Wir schnippeln Bananen in unseren Obstsalat, trinken Kaffee oder Tee. Damit nicht genug. Wir kaufen Milch und Fleisch, oft ohne zu wissen welche Wirtschaftsweise zu Grunde liegt. Kommt das Produkt aus der industriellen Landwirtschaft oder einer eher natürlichen Produktionsweise? Der Verbraucher wird vielfach unwissend gelassen, welche Zusatzstoffe in den Produktionskreislauf eingebracht wurden. Nimmt man beispielsweise ein verpacktes Produkt in die Hand, findet man wie erwähnt zahlreiche Zusatzstoffe aufgelistet. Was sich hinter all den Begriffen verbirgt, weiß man kaum. Manchmal sind auch Mail-Adressen angegeben oder ein QR-Code. Einem Smartphone-Besitzer könnte die vielleicht beim Entschlüsseln helfen. Aber wer nimmt sich schon die Zeit dazu? Was bedeutet das für mich als Verbraucher? Und sind die aufgeführten Stoffe auch risikolos?

       Immerhin, Obst und Gemüse sind oftmals über ihr Herkunftsland gekennzeichnet. Als Käufer habe ich dann die Möglichkeit mich zu entscheiden, ob ich den südafrikanischen Apfel, der über tausende Kilometer transportiert wurde, oder einen europäischen oder gar einen regional geernteten Apfel kaufe und esse. Wenig erfährt man hingegen, wenn er nicht gerade als Bio ausgewiesen ist, in wieweit  Herbizide u.a. verwendet wurden. Wenn nicht gerade ein Fairtrade-Label dabei ist, sind auch die sozialen Hintergründe beim Anbau und der Ernte unbekannt. 

                             Bewusstseinsbildung

        Ein zunehmender Teil der Gesellschaft beginnt seine Nahrungsmittel bewusst zu kaufen, indem auf Herkunft und Natürlichkeit geschaut wird. Manch einer würde sich beim Kauf anders entscheiden, wenn er klar erkennen könnte, was im Hintergrund seines eingekauften Produktes steht. Dieser Hintergrund ist nicht offen gelegt. Umweltaktivisten brechen immer mal wieder in die dahinterstehenden Verhaltensweisen ein und weisen auf Missstände hin. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen beispielsweise, dass Tomaten vom „freien“  Feldern geerntet wesentlich mehr Antioxidantien enthalten als die unter Glaskulturen erzeugten Produkte. Die Antioxidantien (Quercetin und Kaempferol)  sind vorteilhaft bei Herzkrankheiten, bestimmten Krebsarten und bei einigen Formen von Demenz. Was nicht gleichbedeutend mit Medizin ist, sondern ein Nahrungsbestandteil der mithilft die Gesundheit zu fördern oder auch zu erhalten. Je mehr solche Produkte solche Aufbaustoffe in sich tragen, desto besser für die Qualität der Ernährung.
        Unter welchen Bedingungen ist das Nahrungsmittel entstanden? In guter Qualität, als gesunde Nahrung, in der Region erzeugt und saisonal ausgerichtet? Es ist an der Zeit, dass die Politik mehr auf die Graswurzelbewegung eingeht und danach handelt, den Rahmen ausbaut, dass es möglich wird, mehr über den Produktionshintergrund zu erfahren. Die Bionahrungsmittel haben heute einen Anteil von 5-6 %. Der Ruf, den Anteil zu erhöhen, und Kennzeichnungspflicht eingesetzt wird. Es macht Sinn, den Pestizidanteil zurück zu fahren. Dazu wäre ein Förderprogramm notwendig. Stattdessen werden z.T. die Großbetriebe unterstützt. Bei ihnen steht vielfach das Prinzip des materiellen Gewinns und nur der für den Produzenten selbst im Vordergrund und verschreibt sich dabei einem kapitalistischen Vorgehen, deren Wirken auf Dauer weder für das Produkt noch für den Boden zukunftsfähig ist, wenn weder natur- und sozialverträgliche Grundsätze gelten. Denken und Handeln können nahezu zynisch auseinander fallen, indem beim Anbau der Pflanzen Unterschiede gemacht werden. Etwa, wenn die für den Markt erzeugten Kartoffeln mit hohem Chemie- und Pestizideinsatz begleitet werden, aber auf einer kleinen Restfläche die Kartoffeln für den Eigenbedarf zusatzstofffreier erzeugt werden. Hier zeigt sich ein gespaltenes Bewusstsein, zwischen Profit und eigener Gesundheit.
          Inzwischen gibt es viele Bewegungen, „naturnahe“ Produkte auf den Markt zu bringen oder anzuregen mehr auf Grundsätze  einer gesunden Ernährung und ihrer sozialen Bedingungen zu achten. Das sind  Bewegungen wie Citaslow, Vegetarier, Veganer, Aufrufe via Internet (Av, weniger Fleisch  zu essen) oder Fresh-Land Organisation für Kleinbauern, single living, sich abwenden von der Überflussgesellschaft bis hin zur Bewegung „Saatgut und Kulturgut“ u.v.m. 
                  
                                   Hypermaximierung

       Ein Blick auf die industrielle Landwirtschaft, vor allem in ihrer Hypermaximierung, setzt sich von einer konventionellen, die mehr ganzheitlich ausgerichtet ist, deutlich ab.
      Die industrielle Landwirtschaft verkörpert eine Wirtschaftsweise, die vor allem die Priorität des hohen Ertrages vor anderen Gesichtspunkten setzt. Die Folgen sind ausgeräumte  Landschaft für maschinengerechte Großflächen, Zusatz von reichlich Dünger und das Wachstum begleitende Herbizide, Fungizide und Pestizide. Eine entsprechende ausgebaute Maschinenkultur trägt diese Wirtschaftsweise. Wer auf die Logik einer „Hyperproduktivität“ setzt, vernachlässigt „Kollateralschäden“ beim Boden und potenziert sie beim Menschen, wenn er belastete Nahrungsmittel verzehrt.
      Die Ertragsmenge mag das Einkommen sichern bzw. hoch halten, aber die auf mit Zusatzstoffen befrachtete Nahrung landet im Magen von Mensch und Tier. Großflächig eingebrachte Chemiekeulen von Totalherbiziden, wie beispielsweise Glyphosat, Azoxystobin oder Lambda-Cyhalothirn haben auch indirekte Auswirkungen, unabhängig von potenziellen Gefahren für Menschen. Es werden feldweise Wildkräuter unterdrückt, die Insekten nähren, mit der Folge, dass dies weniger werden und den Vögeln Nahrung entzogen wird. Hier müsste eine mehr ganzheitliche Sichtweise ins Bewusstsein gebracht werden.
        Einerseits muss, wie heute bei allen Wirtschaftszweigen, das globale Netz und der Wettbewerbsdruck gesehen werden. Andererseits rechtfertigen diese Strukturen nicht, sich über soziale Bedingungen, über die Gefährdung von Kreisläufen des Wassers, der Pflanzenvielfalt, der Bedrohung der Tierwelt hinweg zu setzen. Noch fraglicher wird dieses Verhaltensmuster, wenn die maximale Produktivität zu Lasten der Allgemeinheit und der Natur geht, indem sie ihren Anteil zum Klimawandel  tragen. Sie  befördern die Erderwärmung mit ihren Wetterkapriolen, die offensichtlich mit verstärkten Anomalien wie Stürme, heftige Niederschlagsereignissen, der Eisschmelze an den Polen Folgen haben und große Schäden anrichten.

                                          Zukunftsaspekte
 
       Allerdings zeichnen sich auch positive Ansätze ab, wie sich mit Hilfe von KI und Digitalisierung zumindest der Masseneinsatz von Zusatzstoffen besser steuern und kontrollieren lässt und damit die Bedingungen, der Zeitpunkt, der Ort der Pflanzen mit einbezogen werden können, die Auf- und Einbringung bestimmter Stoffe besser auszubalancieren sind. Das ist sicher ein Schritt voran, um die negativen Entwicklungen etwas abzumildern. Aber letztlich müssten Wege gefunden werden, auf die Zusatzstoffe weitgehend zu verzichten, um Entspannung und Regeneration bei den Böden zu erreichen.
        Sollte sich die Zahl der Menschen bis 2050 auf 9 Milliarden erhöhen, braucht es weitere Ressourcen für die Ernährung und wächst der Druck auf die Massenerzeugung von Nahrungsstoffen. Ein Megatrend zeigt sich in dem Phänomen der Verstädterung. Seit 2008 leben mehr Menschen in Städten als auf dem flachen Lande. Das Städtewachstum wird weiter gehen. Hinzu kommen noch unterschiedliche Trends beim demographischen Wandel zwischen unsrer älter werdenden Bevölkerung und in den expandierenden Räumen mit hohen Geburtenraten.
        Futurologe sehen die Zukunft in vertikalen Produktionsflächen – vertical Farming – in Städten. Projekte dazu laufen bereits, vor allem in Asien für Kräuter, Erdbeeren, Gemüse. Dazu wird Licht gebraucht, neues hocheffizientes LED-Licht (dazu wird geforscht), viel Wasser und geschlossene Kreisläufe und Schädlinge fern zu halten, Fischzucht in Aquakulturen. Damit würden für diese Produkte lange Transportweg entfallen, hygieneresistente Räume lassen den Einsatz von Pestiziden reduzieren. Die Zukunft wird in landwirtschaftlichen oder gartenwirtschaftlichen Hochbauten gesehen. Auf der Expo im Jahr 2000 hat z-B. Holland mit seinem mehrstöckigen Pflanzenetagenpavillon bereits ein Zeichen gesetzt.
        Für die vertikalen Produktionsflächen braucht es Flächen, Wasser und Transportinfrastruktur, sie geben ein neues Element in der Stadtplanung ab. Es werden neue Organisationsformen entstehen. Wer wird bewirtschaften? Wird es die Nahrungsmittelindustrie sein als Unternehmen „Big Food“? Wird sie massentauglich sein, ausreichend Produkte liefern und zu welchen Bedingungen werden sie auf dem Markt bestehen können?
         Ansätze zur stockwerklichen Nutzung finden sich auch bei ´hochgestelzt4en Sonnen-Paneelen, wo sie darunter liegende fläche als Weide für Schafe genutzt oder Gemüse angebaut wird.
       Einen anderen Weg geht die Forschung in der Fleischproduktion, wo Stammzellen beispielsweise Fleischfasern eiweißhaltiges Lebensmittel  zum Wachsen bringen werden. Damit hofft man Hähnchenschnitzel, als eine Art Laborfleisch, z.B. in “bio-chemischen“ Fabriken produzieren zu können, ohne, dass Pflanzen erst über den Tiermagen zum Steak werden.
       Eine Produktionsweise dieser Art, die freilich erst in den Anfängen steckt, würde ein Produkt liefern, das den Ausstoß von Treibhausgas, wie es bei der herkömmlichen Fleischproduktion geschieht, verringert, den Wasserverbrauch reduzieren (bis zu 80 % erwartet man), Tierleid verhindern und weniger Flächen und Böden beeinträchtigen. Voraussetzung dafür ist, dass der „Geschmack“ stimmt und beim Wachsen der Fleischfasern mit Nährlösung Wirtschaftlichkeit zu erreichen ist.
        Denkt man die hier angesprochenen Trends weiter, so wird sich in digitalen Welt der Nahrungsmittelproduktion ändern und zu neuen Anbau- und Produktionsfabriken kommen. Wird ein Kompaktanlagenzentrum mit Hochhausanbau, Stammzellenzüchtung, Nährstofferzeugungsanlagen, die für den Ablauf und Produktion notwendigen Produkte erzeugen, Kraftwerke für den Energiebedarf (alternative?) und Forschungslabore – kurz High-tech-Nahrungsproduktionszentren, als Einheiten entstehen, wo sich alles konzentriert.
         Damit käme es zu einer Revolution der Ernährungsbasis. Wir hätten eine neue Nahrungsmittelproduktionskette, die neben dem klassischen Pflanzenanbau und der Tierzucht bestehen würde und zur Ernährung der Menschen in den Großstädten
beitragen könnte. 
                                                 Fazit                      
                                                                        ff (Stand 30.12.17)


Oktober - Novemberfrage
: „Mit Maschinen verpartnert – von „Mitmaschinen“ vereinnahmt, gefangen?“

Vor-Antwort

 

Maschinen /
Um, in und mit uns /
Maschinen als Helfer und Führer /
Autonome Gesellen /
Zukunftsträchtig.

                                                    Antwort

        Wir sind mit einer ausufernden Zahl technischer Geräte, Maschinen und Apparaten umgeben, die mehr oder weniger „autonom“ uns begleiten und sich kaum überschaubar und variantenreich vermehren. Das will heißen, dass Maschinen im Digitalisierungsprozess mit Hilfe von künstlicher Intelligenz immer weiter gespannte Aufgaben auch zunehmend selbstlernend erfüllen werden. Die Gesellschaft ist dabei, sich mit Maschinen zu verbrüdern und sich immer weiter mit den technisch-digitalen „Mitmaschinen“ zu verpartnern – das reicht von einer einfachen Bohrmaschine bis zur Fabrikationskette in der Industrie 4.0 und “RealDolls“.

                                       Ausgangspunkt

       Die digitale Revolution ist nicht mehr aufzuhalten. Egal in welcher Lebensphase, in welchem Berufsfeld wir stehen und wo immer wir uns bewegen, greifen Geräte, Maschinen und Apparate potenziell, sogar autonom, in unsere Lebensbereiche ein, wie wir andererseits auch die Angebote der Entwickler, Produzenten und Vertreiber der Geräte und Maschinen annehmen, wie beispielsweise das Smartphone.
        Bald verfügen nahezu alle Geräte neben der Mechanik, über einen digitalen Hintergrund mit einer Netzanbindung. So hat sich eine herkömmliche Armbanduhr mit mechanischem Uhrwerk zu einem digitalen „Zeitwerk“ mit Funkkorrektur entwickelt, wo Uhrzeitzahlen über ein Display blättern.
        Dieses kleine Gerät „Uhr“ wuchs sich längst zu einer Mehrfunktionalität aus, zum Wearable, einer  Fitnesswatch mit Schrittzähler-, Herzfreqenzmessfunktion und Blutdruckmesser  u.a., was zugleich mit Smartphone oder Computer verbunden werden kann. Damit legen sich die Geräte ein „Gedächtnis“ an, das gegebenenfalls gemäß angelegter Algorithmen vor Überlastung, warnt oder kontrolliert, ob man sich denn schon genug bewegt hat.
        Diese Geräte sind inzwischen weit verbreitet und zeigen, wie wir Symbiosen mit Geräten eingehen können, die diese Geräte zu Mitmachinen für uns machen. Doch die Frage stellt sich, ob das Anwachsen der Zahl und der Fähigkeiten der Mitmaschinen unser Leben derart verändern, dass wir ähnlich wie „Urmenschen“ uns aus der gängigen Mensch-Mensch-Gesellschaft verabschieden, wenn wir z. B. Telefon und Smartphone zwischen uns schalten. Mit diesen und mehr verändern sich die Kulturtechniken total, entwickeln wir uns zu einer Mensch-Maschine-Mensch-Gesellschaft. Keiner weiß wie weit das gehen wird. (...)

     
                                Anwendung – Partnerschaft

          Eine besondere Stufe oder Beziehung findet sich in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine und je nach Entwicklungsstufe zwischen Maschine und Mensch. Die einfache Stufe ist längst vielerorts aufgebaut, wenn ein Roboter Staub saugt oder ein anderer den Rasen mäht.
          Doch andere Roboter lösen komplexere Aufgaben so z.B. in Japan, wo ein Hotel Henn Na bei Nagasaki von Robotermenschfiguren betrieben wird – so sitzt eine Empfangsdame an der Rezeption, begrüßt und weist ein. Oder andererseits wird an einer Robotertanzlehrerin gearbeitet. Ein weiterer Einsatzbereich findet sich bereits in der Pflege, wenn im Krankenhaus Roboter das Essen austeilen. Dieses und anderes sind Entwicklungen zu einem Mensch-Maschinenserviceumgang. So forscht man beispielsweise mit sog. „Talenoiden“, um die emotionalen Bedürfnisse von Babys im Zusammenwirken mit „Müttern“ einzustudieren.
          Eine besondere Menschrobotergattung entfaltet sich beispielsweise auch mit Sexrobotern (RealDolls), die dem menschlichen Aussehen nach Typus und Körperbau nachempfunden, hyperrealistisch gestaltet sind, und auf den ersten Blick kaum von einem biologischen Menschen zu unterscheiden sind, die situationsangepasst sprechen können, lernfähig sind und den Vorstellungen eines Liebhabers oder Liebhaberin nach Wunsch aüßerlich gestaltet werden und auch auf einen „Partner“ sich einstellen können.
          Die Puppe ist im Innern Mechatronik und von thermoplastischem Material umhüllt. Die Körper reagieren auf Berühren, auf Mimik, führen Erregung herbei, weiß Gesichter zu lesen, erkennt Wünsche und reagiert interaktiv, sie haben Körperöffnungen und lassen sich in viele Positionsvarianten biegen. Dieser sehr individuelle Bereich zeigt bereits, wie weit die Entwicklung zu Maschinenpartnern gehen kann.
          Zugleich zeigen sich dabei auch spezielle Probleme: die noch so gelenkige Roboterpuppe bleibt leblos, die Sprache ist letztlich auch mechanisch emotional. Und dennoch sind die Menschen in der Lage mit diesem Wesen Beziehungen aufzubauen und ihnen Namen zu geben, ja sich sogar in die „Maschine“ zu verlieben bis hin zu krankhaften Anforderungen zu einer Objektophilie.
           Auch zeigt sich, dass trotz geweckter Emotionen und vom Computer suggerierten Gefühlen, das Verhalten Mensch.-Maschine zu sozialem Rückzug, zu Kommunikationsverlust, zu Vereinsamung führen kann. Die „unerwarteten“ Dinge, die das reale Leben in sich trägt, fehlen der Maschine. 
            Eine andere Dimension eröffnet sich im medizinischen Bereich, z.B. im Diagnosebereich, ja selbst im Operationssaal.
                                                                        (Stand: 19.10.) 
   © Willi Volka                                                        


                                   
      „Fingerselfie“

 Stufe 1:
 Was Hänschen gelernt,
 er wieder und wieder tut
                                      Stufe 2:
                                      Was Hans neu gelernt,
                                      er fortsetzen tut
                                                                              Stufe 3 ff: Hänschens und Hansens Kunst,
                                                                              beide kombiniert, sich wieder und wieder
                                                                              wiederholen tut.

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Motto

Bilder verblassen
Reisespuren  verwehen
Erinnerung wächst. 

  Flüchtige Gedanken aufschreiben oder Augenblicke im Bilde fest halten – wenn man dies immer wieder tut, was ist dies? Ein Hobby, ein Grundbedürfnis, eine Lebensweise? Dieses Festalten kann viele Ausprägungen erfahren: Tagebuchnotizen, vom Erleben angestoßene Phantasiegeschichten, ein als schön empfundener Satz sich zu einem Vers weiter gesponnen oder auch in unserer technisierten Zeit ein Foto, ein Video, etwas Gesprochenes, Gesungenes oder Vertontes, ausgelöst durch das was gerade geschehen, was in die Erinnerung gestiegen oder ausgedacht worden ist. Das Festhalten erfolgte seit Jahrtausenden vor allem in Zeichnungen, Bild- und Schriftzeichen:

                 

 „Sie zwingt die Hälse aller Männer  sich umzudrehen, um sie anzuschauen“,

so ein Vers aus der Zeit der Pharaonen                                                                  (aus "Junger Mann", in "Gärten der Liebe", aus dem Papyrus Chester Beatty I: Der Zyklus der sieben Stanzen , Artemis & Winkler, 2000, S. 10)

  Ein Beobachten, das leicht nachvollziehbar ist, zeigt einen Moment des Seins, der wohl heute noch nachempfunden werden kann. Geben wir der Neugier Raum, aufzublättern, Stimmungen einzufangen, Empfindungen, Erwartungen wieder zu erkennen ... . 

Wer neugierig ist, lebt!