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Sätzling 17

May-Day in Brüssel
zum x-ten Mal.
Der Brexit-Deal, ein maypole Tanz ohne Krönung?
Rule Britannia, rule,
weit weg on Cool Britannia.
(20.02.2019)

Dezemberfrage: Hausbesetzung –Mietbefreiung, wie lange noch? 
(Beitrag auch in der IGdA-aktuell 3/18 veröffentlicht, S. 22-25)

Vor-Antwort 

Die Welt schenkt uns Wohnraum –
sie verlangt keine Miete.
Wir danken ihr mit Abfällen.
Wann wird sie uns rauswerfen?


                                    Kaleidoskop

      Unsere Welt durch ein individuelles Kaleidoskop betrachtet wird zum purzelnden Drehmosaik. Hier tanzt ein großer Diktator mit der Erdkugel als Ballon, dort werfen Kinder sich federleicht einen Wasserballglobus zu. Im Empfang aus dem Weltraum flimmern Bilder von einem wolkenmarmorierten Erdenrund zu uns, einem blauen Planeten. Im nächsten Jahr wird der ersten Mondlandung von 1969 gedacht. Wir werden Neil Armstrong, der als erster Mensch den Mond betrat, mit seinen „Sprüngen“ auf der Mondoberfläche erneut bestaunen können.      
      Was sollen die Weltenbilder, die gegenüber der realen oder analogen Gegenwartswelt in unseren Köpfen herumgeistern? Da ist Licht und der Glanz in unseren Städten, das Produzieren, von zahllosen Motoren, Maschinen und Getrieben, ihr unermüdliches Summen oder Dröhnen. die Glitzerpassagen im Leuchten und Flimmern, das sich Bewegen in künstlicher Luftzirkulation von Klimaanlagen, das Arbeiten in bildschirmbestückten Büros, das Konsumieren in Kaufhäusern von Tischen voller Auslagen, Waren gefüllte Schaufenster, innerhalb großer Malls, der Einkauf via Internet auf dem Versandweg. Die Warenwelt lockt zu oft hinter auf Glanz geputzten Glasscheiben, von Plakaten und durch Werbevideos. Überall treffen wir auf Wände, Türen, Trennungen, finden wir uns in geschlossenen Welten, in mobilen Käfigen eines Pkws, in einem Waggon oder angeschnallt im Flugzeugsessel. Ausgewählte Menschen kreisen in Weltraumkapseln schwerkraftgelöst um die Erde. Die Spacekolumbusse träumen von noch zu entdeckenden realen Welten, weg vom eigenen Zuhause.

                                         Kopfwelten

      Auf der Welt treten wir unsere Füße achtlos ab, indem wir sie als Abtrittmatte nutzen und dazu alles hinwerfen, was wir los haben wollen. Die Welt als Mosaik aus nächster Nähe ist zugleich Umwelt, Mitwelt, unser Haus, unser aller Lebensraum, vollgeworfen mit achtlos aussortiertem Ramsch, bis zu Gefahrenstoffen wie Gift und Atommüll.
       Viele leben abseits des naturnahen Seins, leben mit Jahreszeiten der Modeschaufensterpuppen, unter ständig strahlenden LED-Lichtern und im Kunstklima, das zu jeder Stunde kontrolliert und reguliert werden kann. In den Straßen atmen wir dieseltödliche Luft. „Alles tote Hose“ schrieb einer auf geschliffenen Granit. Blieb nicht lange dort. 
      Umwelt ist Leben, Mitwelt. Frische Atemluft wird unser Schicksal, verbindet uns zu einer Schicksalsgemeinschaft. Wir sind noch immer biologische Wesen, als Menschen Teil der Erde. Wir übersäen den Erdball mit unnatürlichen, synthetischen Stoffen und Verbindungen, die sich nur über lange Zeiträume abbauen. Wir stören damit das bisherige Gleichgewicht von Wachsen und Vergehen.
       Aber Welt existiert auch in unseren Köpfen, gewinnt Vorstellung aus selbstbezogene Auferstehung und Gestalt, bis hin zum Selbstbetrug. Die reale Umwelt wird dadurch uns zur Anti- und zur Unwelt. Wir lassen Bildwirklichkeiten und Kunstwelten erblühen. Unser Sein unteerliegt Verführung und Vorstellung medialer Gewalt.
      Doch noch ist das Erdenrund unser Haus, unsere Wohnung. Rodungen, Monotonie in Maisfeldern, ausgeräumte Landschaften, Monokulturwälder möblieren unsere Stube. Ahnen wir beispielsweise Bodenvorgänge, wie das sterbende lebenswichtige Myzel von Pilzen und ihren daraus folgenden Tod? Wir treiben und betreiben die Welt und leben doch unter ihrer Gesetzen und ihrer Schwerkraft, überziehen sie mit Stadtlandschaften. 
        Eine neue Welt galt es nach der Vertreibung aus dem Paradies zu erobern. Das hinaus geworfen sein war der Weg ins Neue und Ungewisse. Eine eigen verantwortete Welt wurde damit beschritten. Von Anfang an sollte dabei klar gewesen sein, dass die Welt unser Wohnhaus ist. „Macht euch die Erde Untertan.“ Wir leben in, auf und mit ihr, gewollt oder ungewollt. Leben ohne Mietvertrag in ihr. Das gilt seit dem Steinzeitfeuer und erst recht seit Dampfmaschinen und Verbrennungsmotoren, denen neue Lebensarten folgten und nun die digitale Welt mit Künstlicher Intelligenz, die unsere menschlichen Handlungsspielräume erweitert.

                                            Verantwortung

     Ich bin, du bist, er, sie, es ist. Die Welt war lange vor uns und wird nach mir, dir und euch sein. Aber wie? Im Besitzen bin ich die Welt. Welche Anmaßung - welche brennende Welt in kurzsichtigen Kopfgeburten und im selbstbezogenen Handeln? Die Welt will erfasst sein, in ihrer Vielheit, in ihrer Mannigfaltigkeit, in ihrer Gesetzlichkeit, in ihrer Weite, ihrer Größe und Verletzlichkeit? Viele  Gesetze kennen wir nicht einmal. Wir tun so als gelten zuvorderst einzig unsere kopfgeborenen Handlungen, unsere auf Fußmatten abgetretenen kurzsichtigen Egoismen. Ich bin, du bist, er, sie, es ist, aber muss nicht konjugiert werden: Wir sind? Gehört nicht auch unsere Mitverant-wortung dazu, eine „Mietverantwortung“?  
      Du bist, du und ich. Von einem Wir sind wir weit, weit entfernt. Denn wir, heißt doch miteinander den Krieg gegen das Miteinander aufgeben, für einander zu sein, zu begreifen, dass die Erde in ihrem Leben Eigengesetze verfügt, die wir kennen und erkennen sollten, auch um mit ihr friedlich leben zu können. Überrascht uns die Natur nicht mit ihren Reaktionen, wenn ihre Wasser überschäumen, ihre Böden durch Unachtsamkeit versauern und vermüllen? Teile ihres Grüns welken und wandern, ihre Luft ist nicht mehr rein. Sie reagiert sich an unserer Haut allergisch ab, um nur weniges zu nennen. Das Aneignen durch Hausbesetzungen kann einfach so nicht weiter gehen. 
      Unser Gehirn ist fähig zu denken und zugleich auch Gedachtes glatt zu bügeln und entfaltet sich sowohl in einem virtuellen als auch materiellen Kapitalismus. Wir nisten uns in der irdischen Hülle ein, setzen uns mit Flechten und Geschwüren in ihr fest. Nun schmilzt das Eis an den Polen und auf Berghöhen. Der Meerspiegel steigt oder es regnet an dem einen Ort wochenlang nicht, um an einem anderen im Übermaß Wasser zu schütten. Mit immer heftigerer Dynamik ziehen Windhosen übers Land, verwehen Autos, decken Dächer ab oder drücken Wände ein. Das Grün der irdischen Haut wird verwundet. Bäume entwurzelt, Feldfrüchte vernichtet und Menschen verunglücken dabei. Erdbeben mit Tsunamifolgen, Vulkanausbrüchen mit Lava, Bomben- und Aschenregen gab es schon immer. Den Ozonschirm durchlöchern wir oder dünnen ihn aus. Gegen das Innenleben der Erde können wir nichts ausrichten. Das müssen wir ertragen, wie sie uns ertragen muss. Aber für das ständige Verletzen ihrer Hülle, dazu können wir was! Wir müssen erwachen und aufhören nicht wissen zu wollen und dazu kommen, zu sagen: „Mit mir nicht mehr!“ und danach handeln.

                                       Weltsichten

       Da gibt es heute Menschen, die teilen ihr Leben in zwei - jenes vor ihrem Weltraumflug und jenes danach. Seit sie die Welt aus der Schwerelosigkeit distanziert geschaut, haben sie die  Einmaligkeit, die Schönheit, die Anschmiegsamkeit, die Klarheit und Verletzlichkeit unserer Erde erlebt. Obwohl unsere Erde aus der Distanz im Bild betrachtet, als kleine Kugel wahrzunehmen ist, gibt es Menschen, die sich an der Vorstellung, die Erde sei eine Hohlkugel klammern. Ist das auch unsere Fähigkeit, ein „wahrhaftiges“ Sein, ohne Realität zu konstruieren? Können wir, die wir nur unsere Füße auf der Erde abstreifen, sie begreifen, in ihrem verwundbaren Flaum, wenn noch Vögel zwitschern, Bienen summen, das Spiel der Wolken in  blauer Tiefe des Himmels geschaut werden kann? Wie schön im wärmenden Sonnenstrahl, im Grün zu sich zu kommen. Bin ich verrückt geworden? Was sollen Erinnerungen aus der Jugendzeit? Ist doch logisch, dass das nicht mehr ist im Schrillen von Stadtbahnen, im ständigen Lärm von Autostraßen, im Dröhnen der mechanischen Silbervögel der Luft, im Sirren und Brummen unter Glas, Aluminium und Beton, mitten in der Bild- und Technosphäre, Pop, Hardrock, Heavy Metall. Unsere Leben ist vielfach in Events und Vergnügungen eingeschäumt. Die Ohren sind betäubt, ganz ins Augenblicksein getaucht, überwältigt von Nirwanawelten ohne Einhalt. Das zerstreuende Gehabe und Treiben hält uns blind.
        Ständig bauen, konstruieren, kaufen, verbrauchen, werfen wir weg – alles auf die Welt draufsetzen, die Umwelt umformieren. Haben uns die Arbeiten am Fließband, das ewige Tönen, das Plärren aus Lautsprechern, das Leben unter Kopfhörern, die irre Lichtwelt, die uns ausnachtet, die nicht anfassbaren 24stündigen Bildschirmwirklichkeiten, die ewigen Wiederholungen so verwirrt, dass wir nicht anders mehr können, als benommen durch die moderne Zeiten zu taumeln, wie jener Chaplin, in seiner “modernen Zeit“, der mit seinem Schraubenschlüssel jede Ausstülpung, die nur annähernd an eine Schraubenmutter erinnert, fest zu drehen versucht, dem Akkorddruck zu folgen. Können, wollen, müssen wir das so wie er ewig aushalten? Anhalten, einhalten - ja einhalten, gegenhalten und aufhalten. Aufhalten? Unter dem Druck der wachsenden Weltbevölkerung, den Kriegs- und Klimaflüchtlingsströmen und einem sich verknappenden Lebensraumes beginnen, manche vom Auswandern zu anderen Planeten zu träumen? Aber die eigene Welt liegt in unserer begrenzten Lebenszeit näher. Das Fegen an der eigenen und gesellschaftlichen Haustür ist lebens-, nein ist längst überlebensnotwendig geworden, uns Hausbesetzern eine Hausordnung zu vermitteln - nein vorgeben - um zu retten, was noch gerettet werden kann?

                       Recht auf unversehrten Wohnraum?

      Das globale Haus, das wir gemeinsam bewohnen müssen, wie lange können wir es noch ohne Mietvertrag funktionstüchtig bewohnbar halten? Wie lange besteht unser Welthaus noch, wenn dem sich alles aneignende Egoismuskapital, der Gesamtblick für die Realität abhanden gekommen ist, es sich weiter einer gesamtverantwortlichen Zahlungsweise entzieht?
      Immer wichtiger wird unsere Denk- und Verständniswährung für uns Hausbesetzer, zu einem regelnden, die übergriffige Mietfreiheit durch einen rettenden Mietvertrag zu abzulösen, versehen mit dem das Recht auf unversehrten Wohnraum, das ihn auch gewährleisten! …                                                                                                             © Willi Volka


Märzfrage:  "Child Survivors – was heißt das?“

                          Kurzantwort
                   

                        Child Survivors
                   davon Gekommene
                   aber wie?
                   Bescheidenes Wissen
                   über ihr Leben …

                                                  Antwort
    

          „Child Survivors“ ist als englisch-amerikanischer Begriff  bisher wenig in unseren Köpfen verankert. Geht man dem Begriff nach, so erfährt man von einem Weltverband der Child Survivors (World Federation of Jewish Child Survivors of the Holocaust and Descendants) und seinem deutschen Ableger Child Survivors Deutschland e.V., gegründet 2001. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Betroffenen für Betroffene, hier Menschen, die als  Kindern in der NS-Zeit wegen ihres Judentums bzw. ihrer jüdischen Wurzeln verfolgt wurden. Sie werden auch als eine vergessene Generation bezeichnet, die aufgrund der Erlebnisse von Holocaust oder Schoah schwere und schwerste Traumata mit durch ihr Leben tragen, ohne sich je mitteilen zu können oder mitgeteilt zu haben.

                                                 Erläuterungen
 
                                        Ausgangspunkt   

            Über die Verfolgungszeit unter den Nazis gibt es zahllose Zeugnisse und Reflexionen bis hin zu Tagebüchern wie beispielsweise  „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder die Tagebücher 1933 -1945 von Victor Klemperer oder in dem jetzt in Deutschland erschienen Roman „der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz.
           Weniger bekannt und vertraut sind Lasten und Folgen der im Menschenleben versenkten Leiden und ihrer Weitergabe. Verfolgte, Entrechtete, Erniedrigte und Gequälte, die Hölle der Nazidiktatur Überlebende, haben nach der Befreiung oder Kapitulation Partner gefunden, neue Familien gegründet und Kinder gezeugt. Damit ist auch die nächste Generation durch die Biographie ihrer Eltern und auch Großeltern nicht nur mental betroffen. Drei Leidensfolgen sind zu unterscheiden, die bis 1945, die Zeit danach und das Leben in der umgebenden Gesellschaft bis heute, die Suche nach Zugehörigkeit.
           Die Vereinigung der Child Survivors zeichnet sich durch ein besonderes Verständnis für die Verfolgten aus und strebt eine friedliche Welt an. Hieraus wächst auch das Engagement und Ermutigung, sich als Zeitzeuge zu öffnen. Dies gilt auch als ein besonders schwieriges Angehen, da unter den Schrecken der Verfolgung, die Überlebenden „gelernt“ hatten „möglichst ruhig, verborgen, unauffällig zu sein“. Die Hoffnung ist, dass mit dem sich öffnen können Menschen die Gelegenheit haben, authentische überzeugende Zeitzeugen zu sein.
          Im Sehen, Hören und Diskutieren sind Einsichten zu gewinnen, die kaum einprägsamer sein können, weit mehr als durch das Lesen allein.

                                            Aufarbeiten

          2014 fand der 26. Weltkongress des Weltverbandes Child Survivors in Berlin erstmals in Deutschland statt, obwohl viele der Betroffenen eine düstere Vergangenheit mit diesem Land verbinden und vermittelte wie bedeutsam die Vereinigung der Child Survivors für eine Menschengruppe ist, die heute zwischen 70 und 90 Jahre alt ist. Die Vereinigung wirbt für ein besonderes Verständnis für die Verfolgten. Zugleich wächst daraus Engagement und Ermutigung, sich als Zeitzeuge in Gespräche zu wagen, etwa in Schulen zu persönlichen Begegnungen.
             Dies  ist ein schwieriges Angehen und die Hoffnung ist, dass authentische überzeugende Zeitzeugen, die immer weniger werden, im Öffnen Menschen die Gelegenheit geben, im Sehen, Hören und Diskutieren Einsichten zu bekommen, die einprägsamer sind, als das Lesen der Lebensgeschichte. Vor allem Schulen, Gedenkveranstaltungen und Lesungen eignen sich dazu.
             Ein Beispiel ist die Initiative von Karin Weimann, selbst Lehrerein an der Pädagogischen Fachschule Ruth Cohn in Berlin. Ihre Motivation ist getragen von der Einsicht einer Schuld, „etwas“ mit den Verbrechen der Vergangenheit zu tun zu haben. Seit 30 Jahren  setzt sie sich mit der Zeit des Nationalismus auseinander. Durch Begegnungen mit Child Survivors lud sie Zeitzeugen ein, über ihre Leidenserfahrungen zu berichten. Dazu wurde der 27. Januar gewählt, da an diesem Tag 1945 das Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit wurde. Seitdem 1997 gibt es diesen Gedenktag an der Schule, wo auch Gespräche mit Zeitzeugen stattfanden.
            Thematisiert werden die  überwundenen Schreib- und Sprachblockade (unter dem Druck von Angst verursachenden Traumata), dem eingebettet sein von Lebenserfahrung in der Lebenswirklichkeit (Diskrepanz zwischen der verschlossenen Innenwelt und dem Nichtwissen, nicht nachempfindenden könnenden Zeitgenossen) und in der Vorstellung die unvorstellbarer Verbrechen (Konzentrationslaber, Familientrennung, Misshandlungen und als Versuchsobjekte u.a.). die geschehen sind. Damit wird einerseits auch ein Weg gefunden, um aus der Einsamkeit heraustreten zu können und andererseits auch Bewusstsein geweckt.
           Jüngst ist im Beggerow Verlag eine Taschenbuchreihe*) „Die Unruhe der Zeitzeugen des Holocaust“ (2018, bisher zwei Bände) zum Thema Child Survivor eröffnet worden. Mit ihnen liegen nun auch gedruckt Zeitzeugenberichte und ein Projektbericht vor.

                                                Fazit

            Es zeigt sich, dass die hier gemachten Erfahrungen heute leider wieder aktuell sind,wo weltweit so viele Herde des Grauens vorhanden sind, die Gewalt voller Menschenverachtung mit ihren Folgen wie Hungersnöte, Flüchtlingsströme und neuen Traumata. Wieder sind Minderheiten, Flüchtlinge und religiös Verfolgte betroffen.
            Erschreckend zeit sich, wie solche Verhaltensmuster in Gesellschaften, die Verfolgungen gar bejahen, mitmachen, wegsehen oder schweigen, sich ausbreiten, wie im sich wegducken unter dem Druck von Gewalt und im Mitschwimmen des Mainstreams, Mitmenschlichkeit verloren geht. Wie schnell können auch die Wegschauenden vom Strudel der Gewalt, wenn sie nicht aufpassen, selbst erfasst werden?
            Zeugen und Erinnerungskultur sind ein wesentliches Element eines kollektiven Gedächtnisses und gilt es zu pflegen. „Der Preis der Freiheit ist die ewige Wachsamkeit“ ( Solomea Genin). Die Child Survivors sollten von uns nicht nur auf komplementäre Empathie hoffen, sondern neben dem Verständnis auch Mitgefühl erwarten können, das ihnen Würde schenkt.
            Es gilt ein „Nie wieder das“, nicht in Gegenwart und Zukunft. Die Gesellschaft muss immer wieder erinnert werden. Ohne das historische Wissen könnte auch ein humanes Europa verloren gehen.
________________
*)  Child Survivors als Zeitzeugen für damals bis jetzt . Philipp Sonntag (Herausgeber)  155  S., ISBN 978-3-936103-60-1 und
     Karin Weimann: Child Survivors zu Gast am Gedenktag 27. Januar: Erinnern und VERANTWORTung  in der Ruth-Cohn-Schule, 128 S.. ISBN 978-3-936103-61-8. Beide erschienen in der Buchreihe: Die Unruhe der Zeitzeugen des Holocaust –Leiden vor 1945 – Frustration nach 1945 – Unruhe jetzt im Beggerow-Verlag, Berlin 2018
                                                   Stand:12.03.2018


 
   © Willi Volka                                                        


                                   
      „Fingerselfie“

 Stufe 1:
 Was Hänschen gelernt,
 er wieder und wieder tut
                                      Stufe 2:
                                      Was Hans neu gelernt,
                                      er fortsetzen tut
                                                                              Stufe 3 ff: Hänschens und Hansens Kunst,
                                                                              beide kombiniert, sich wieder und wieder
                                                                              wiederholen tut.

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Motto

Bilder verblassen
Reisespuren  verwehen
Erinnerung wächst. 

  Flüchtige Gedanken aufschreiben oder Augenblicke im Bilde fest halten – wenn man dies immer wieder tut, was ist dies? Ein Hobby, ein Grundbedürfnis, eine Lebensweise? Dieses Festalten kann viele Ausprägungen erfahren: Tagebuchnotizen, vom Erleben angestoßene Phantasiegeschichten, ein als schön empfundener Satz sich zu einem Vers weiter gesponnen oder auch in unserer technisierten Zeit ein Foto, ein Video, etwas Gesprochenes, Gesungenes oder Vertontes, ausgelöst durch das was gerade geschehen, was in die Erinnerung gestiegen oder ausgedacht worden ist. Das Festhalten erfolgte seit Jahrtausenden vor allem in Zeichnungen, Bild- und Schriftzeichen:

                 

 „Sie zwingt die Hälse aller Männer  sich umzudrehen, um sie anzuschauen“,

so ein Vers aus der Zeit der Pharaonen                                                                  (aus "Junger Mann", in "Gärten der Liebe", aus dem Papyrus Chester Beatty I: Der Zyklus der sieben Stanzen , Artemis & Winkler, 2000, S. 10)

  Ein Beobachten, das leicht nachvollziehbar ist, zeigt einen Moment des Seins, der wohl heute noch nachempfunden werden kann. Geben wir der Neugier Raum, aufzublättern, Stimmungen einzufangen, Empfindungen, Erwartungen wieder zu erkennen ... . 

Wer neugierig ist, lebt!