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                               „Schnuggebock“ lukullisch
 
       „Wir wollen einmal zum Schnuggebock gehen“
       „Wohin?“ „Lasst euch überraschen.“
        Kurz ein Anruf. „Nein, morgen ist Ruhetag.“
       „Na, dann jetzt oder nie“, heißt es nun bei unserem Kurzbesuch.  
        Meine Frau und ich leben in Hannover, wo ich einst Arbeit fand, nicht allzu weit von der Lüneburger Heide entfernt. Als Neuling im Norden Deutschlands begegnete ich bereits der „Schnugge“ im Begriff „Heid-schnucke“, dem Heideschaf, oder als Heidschnuckenbraten. Dass dieser vom Gaumen geschätzt wird, lernte ich schon bald auf einem unserer Betriebsausflüge kennen, als wir in einem Restaurants gelandet waren, das mit Heidschnuckenbraten für sich warb. Bei der Bestellung kam heraus, dass an diesem Nachmittag nur noch eine Portion serviert werden könne. „Und die ist für mich“, sorgte blitzschnell die Stimme meines Chefs für Klarheit. Der Fall war gegessen.
        Nun, wir sind in St. Gallen bei einem Vetter meiner Frau zu Besuch, übrigens zum ersten Mal. Er zeigt auf den Säntis mit seinen 2.500 Metern Gipfel, den wir von seinem Garten aus sehen können. Nicht weit von der Wohnung spazieren wir später mit dem Hund zu einer imposanten Fußgängerbrücke, über das für einen Flachländer atemberaubend tief eingekerbte Tal der Uräsch, die in der Tiefe rauscht. Und dort auf der andern Uferseite beginnt mit der Gemeinde Ausserrhoden im Kanton Appenzell. Vom Schnuggebock flussaufwärts ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts.
        Als ich 5 Jahre alt war, musste meine alleinstehende Mutter sich plötzlich einer schweren Operation unterziehen – nach dem Krieg war das Leben von Lebensmittelknappheit und Visagenehmigungen für Grenzübertritte in Deutschland zwischen den Besatzungszonen der Alliierten geprägt.  So gab es für meine allein stehende Mutter kurzfristig nur die Lösung, mich einem Kindertransport, ein Hilfsangebot der Schweiz, des Roten Kreuzes anzuvertrauen. Ich kam nach Zürich, in die Stadt am See mit blauen Straßenbahnen. Ich erinnere mich an Besuche mit herrlichen Erdbeeren und Schlagsahne. Nach 5 Monaten war mir der Klang des „Schwizerdütsch“ vertraut.
       Seitdem ergaben sich immer wieder Reisen in die Schweiz: Schikurse, Besuch von Freunden und Verwandten, die Schweizer Frauen geheiratet haben oder in der Schweiz Arbeit fanden. Und seit 2002 lebt meine älteste Tochter mit Ihrer Familie in der Schweiz, jetzt in Corsier sur Vevey, wo einst Charlie Chaplin seine Wahlheimat fand und auch begraben ist und er in diesem Jahr mit der Eröffnung eines Chaplin Centers geehrt wurde.
       Nach einer etwa 20-minütigen Autofahrt, nachdem wir zuletzt auf kurviger, autobreiten Straße, bei bis zu 20 % Steigung, die den Motor herausfordern, fahren, passiert es: Gegenverkehr. Bergfahrt hat Vorfahrt. Die Fahrt wird verlangsamt und der Motor dabei abgewürgt. Wir hängen in  der Steigung. Anfahren am Berg, sie hat es in der Fahrschule gelernt. Unsere Fahrerin schafft es und wir erreichen den Hochpunkt um die 1000 Meter, stellen das Fahrzeug neben vielen anderen auf einem ebenen Parkplatz ab.
       Da ist er also der „Schuggebock“  oder das „Waldegg“ in der Abenddämmerung. Ein kalter Wind weht und die giebelseitigen Gebäude leuchten im warmen Glühbirnenlicht.
       Als erstes umrunden wir die Gebäude und begreifen, dass hier ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen ist. Für sommerliche Tage gibt es eine Außenterrasse mit Fernblick auf den jetzt noch Schnee tragenden Alpenstein und für die Kleinen einen Spielplatz.
       Nicht schlecht staunen wir, als wir über Stufen und durch Türen in eine „Großelternwelt“ tauchen, in eine Zeit, die den Atem des Vergangenen trägt. Holzverkleidete Räume und Stuben, massive Holztreppen, aus einer Zeit, wo die Handarbeit vorherrschte. Wir sehen eine Art Uhrenkabinett, ein Klassenzimmer mit Schulbänken, Tafel und Schulranzen, Treppenanstiege mit Reklametafeln wie SBRINZ – Der schweizer Reibekäse, oder Maggi Grund-Sauce, Schnapskabinett mit Pflümli, Regal mit bemalten Dosen und Schachteln, Friseursalon mit zugehörigen Utensilien, Nadelplattenspieler und Zieharmonikas, Kafferösterei, Holzofenbäckerei, Schlafkammer und einen kleinen Laden („Ladebeizli“) mit Spezialitäten nach Omas Rezepten wie Marmelade, Likör, Appenzeller Alpenbitter oder auch einem Monat-Hit „Aprikosen-Hung“. Später lesen wir, von Nostalgie- oder Eventkursen, wo man die Schulbank drücken oder Käsen üben kann.
      Jeder Raum und jede Türe bringt neue Überraschungen, bis wir zu einem Schweinkoben kommen, wo eine lang ausgestreckte Wutz im wärmenden im wärmenden Rotlicht hinter Glas ihre 6 Jungen säugt. Eine Kellnerinnen, in heimischer Tracht gekleidet, kräftig gebaut, begrüßt uns, weist uns mit flotten Sprüchen auf der Zunge einen Tisch zu, bringt die Karte, fragt, was wir trinken wollen? Der Vetter schlägt vor, das „Würzbier“ zu kosten, das durch frische Tannenschösslinge einen eigenen frischen Geschmack gewinnt.
      Und dann: Es fällt nicht leicht ein Gericht auszusuchen. Für meine Frau sollen es Käsespatzen sein, für mich ein Appenzeller Schnitzel und für die anderen Grützwurst bzw. ein Metzgertopf. Das Bier ist schmackhaft und süffig und dann kommt ohne sie bestellt zu haben, überraschend eine hausgemachte Suppe „aus Omas Küche“ im weiß emaillierten Eimerchen mit Schöpfkelle. Sie schmeckt so hervorragend, dass wir den Koch loben. Nicht nur deshalb, auch die Hauptgerichte  sind gut und reichlich.
      Die Gäste um uns und in den anderen Kammern sind gut gelaunt. Es wird gelacht und erzählt. Ein Gang zum WC wird zum „Walderlebnis“, die Wände sind mit einer Waldtapete geschmückt, alles holzgezimmert und sauber, man glaubt Wald zu riechen. Die Hände sind im Strahl aus einem Hahn über einem hölzernen Brunnenbeckens zu waschen. Ein ausgestopftes Wiesel schaut dabei zu.
      Und plötzlich pfeift deutlich hörbar ein Wind, spürt ihn aber nicht. Dann wird er lauter und faucht sich zum Sturm. Leicht gruselnd, aber zugleich beruhigend, erkennen wir einen Lautsprecher als Quelle.  Nun donnert es von fern, dann flackert das Licht. Blitze zucken. Fast beginnt man sich zu ducken, wenn es laut kracht. Schließlich fallen die Räume ins Dunkel und rettend bringen Bedienungen Stalllaternen mit Kerzenlicht. Die Räume sind in eine heimelige holzschalige Atmosphäre getaucht, der Sturm flacht ab, die Stimmung bleibt, wird noch nostalgischer. 
      Gut gesättigt, hoch zufrieden brechen wir auf. Einmal „Schugg gebockt“, macht uns noch nicht zum „Schnugge-bocker“. Aber sagt nicht ein Sprichwort: „Wer einmal leckt, weiß wies schmeckt“. Mer Freuid Ös of de Nöchscht Bsuech! Danke, ganz beiderseits! Uf Wiederluege, ist angesagt.







 



















„Wie bitte geht Gerechtigkeit?“ Cornel West über Liebe und vom Sterben
lernen

    Hannover stand vom 13. bis 16. März 2014 im Zeichen des 4. Festivals der Philosophie, das seit 2008 alle zwei Jahre unter einem bestimmten Thema stattfindet: 2008 „Die Seele: Metapher oder Wirklichkeit“, 2010 „Mensch – Natur – Technik (Motto der Weltausstellung Hannover 2000), 2012 „Vernunft“ und 2014 „Wie bitte geht Gerechtigkeit?“
   An verschiedenen Orten in der Stadt wurden Vorträge, Symposien, und Lesungen gehalten, Film- und Theateraufführungen gegeben, die sich an jedermann richteten. Sie kosteten meist keinen Eintritt. Viele Veranstaltungen liefen leider parallel, so dass der Einzelne immer wieder gezwungen sah, sich zu entscheiden. Ziel des Festivals war es, die Philosophie den Bürgern näher zu bringen, „im besten Sinne zu philosophieren“. Vorbild ist das „Festival di Filosofia“ in Modena (Italien). Hannover hat als erste Stadt Deutschlands das „Format eines Philosophie-Festivals“ aufgegriffen.
   Oberbürgermeister Stefan Schostock von Hannover, seit Oktober 2013 im Amt, eröffnete zum ersten Mal dieses Festival und begrüßte mehr als 250 Zuhörern, wovon infolge des Andrangs einige noch stehen mussten,
















den Festredner Prof. Dr. Cornel West  im Kongresssaal des Herrenhäuser Schlosses zu erleben. West war eingeladen, die Auftaktveranstaltung des Festivals zu bestreiten. Schostock stellte heraus, dass Hannover sich als Stadt von Leibniz präsentiere, dass das nicht nur ein Etikett sein soll, wie beim Leibnizkeks oder im Namen der Leibniz Universität, sondern auch Anstöße des Denkers aufgegriffen und weiter getragen werden, wie es die hier ansässige Leibnizgesellschaft und das Festival der Philosophie selbst verkörpere. Das Leben Leibnizund sein Wirken ist mit Hannover verbunden und die Stadt sehe es als Pflicht und Chance an, sein Werk und Denken weiter zu tragen..





















  Schostock
konnte festhalten, dass dieses Jahr das Festival zum einen internationaler und damit interkultureller geworden war, zum anderen, dass es sich verstärkt an die jüngere Generation wandte. Dies spiegelte sich auch in einem frischen Design, das vom Aufbruch zeuge. Stolz stellte er fest, dass das Philosophiefestival zu den großen in Deutschland zähle, vier Tage dauere und über 90 Veranstaltungen anbiete.
   Das Themenangebot war breit. Da gab es höchst gesellschaftsaktuelle Themen oder Stichworte, wie z.B. „Wie wird das Denken der Technik gerecht?“, Recht des Menschen angesichts von Maschinen und Roboter“, “Multiethischer Kontext“, Gerechtigkeit zwischen Genrationen“, Gerechtigkeit mal weiblich“, „Verteilungsgerechtigkeit“, Grenzen des Wachstums“, “Gerechte (Auto)Mobilität“ oder die „Rolle der Medien.“Nicht nur Vorträge waren im Angebot, sondern auch Filme, Theaterstücke, Ausstellungen, Lesungen, Schreibwerkstatt, Jazz-Gottesdienst, Frauenfrühstück um einiges zu nennen. Bemerkenswert war auch das Poetry Slam zum Thema und um wieder auf Cornel West zu kommen, seine Diskussion mit OberstufenschülerInnen über die Frage „Wie kann ich Gerechtigkeit lernen?“ 
   Schostock
  stellte Cornel West als einen vielseitigen Menschen dar, als eine multidimensionale Persönlichkeit und einen  prominenten Provokateur vor, der seine Philosophie auch lebe.
    Es folgte eine kurze Begrüßung durch Prof. Dr. Klaus Hulek, Vizepräsident für Forschung der Leibniz Universität Hannover.
    Prof. Dr.  Miriam Strube, Professorin für Amerikanistik, Literatur und Kultur an der Universität Paderborn, hatte es übernommen Werk und Leben  von Cornel  West zu würdigen, seine akademischen Laufbahn, seine Werke und sein Wirken vorzustellen. Sie kennt ihn schon lange und konnte auch von ihren persönlichen Begegnungen mit ihm sprechen und führte danach durch den Abend, was weitgehend in englischer Sprache erfolgte.
    Cornel West zeige sich als Persönlichkeit von vielseitigem Charakter: Sie zeichnete ihn in vielen Facetten als einen provokativen Intellektuellen, einen Philosophen, einen Theologe,  einen Prediger, einen Bürgerrechtler, der in Martin Luther King ein Vorbild sieht, als einen Musiker und Propheten der sich mit afroamerikanische Studien befasse. Gehe man mit ihm durch die Straßen, erlebe man, dass er seine Philosophie für den Menschen auch lebe, indem er Straßenrandbettlern spende. Er hat Lehraufträge an verschiedenen Elite-Universitäten wie Yale, Princeton. Außerdem sei er vielfach in den Medien wie Radio, Fernsehen und Kino vertreten. Mit über 20 Buchtitel, die seinen Namen tragen, ist er auch Erfolgsautor, wie z.B. sein bekanntes Werk, die  Essaysammlung „Race Matters“ (Bestseller), 1993  oder  „The Rich and  the Rest of US“ (2012) oder „Hope on a Tightrope – Words and Wisdom (2008).  Letzteres gilt als mutiges Buch, er analysiert die Rassenunruhen von Los Angelos und hält der amerikanischen Gesellschaft in vielen Aspekten den Spiegel vor in Bezug auf Rasse, Vorbilder, Glaube, Familie, Philosophie, Liebe, Konsumverhalten und Dienste. Neben vielen Auszeichnungen erhielt er z.B. 2009 den American Book Award für zeitgenössische Literatur.
    Zum anderen sei er auch Musiker der Popp-Szene und hat mit Hip-Hop bei Einigen Befremden ausgelöst. Bekannt ist er  durch seine Auftritte mit BMWMB. Von sich sagt Cornel West: „I am a blues man in the life of the mind music“ oder “ I’m a jazz man in the world of ideas …“.
    Bei so vielen Vorschusslorbeeren waren die Erwartungen hoch, werden sie erfüllt werden können?





















   Die äußere Gestalt fällt unter der hannoversichen Bevölkerung sofort auf – als Afroamerikaner ist tritt er mit schwarzem Dreiteiler und schwarzer Krawatte auf, wodurch die weißen Hemdmanschetten besonders heraus leuchten, was die Bewegungen der Hände und Arme unterstreicht, ein Gesicht im Kontrast zum Schwarz des Stoffen, gar nicht mehr so schwarz erscheint, Kraushaar, breite Lippen, dichte Augenbrauen, Bart und Brille, dem Glanz vom Augapfelweiß  und die sonore Stimme, die kräftig tönt, manchmal zurückhaltend und dann am Rednerpult die Körpersprache, aufrecht, erhabenem Hauptes, mit gestikulierenden Händen, den Blick fest ins Halbrund gerichtet, nach vorne, rechts und links zur Seite. Sein Aufruf, für die lobenden Worte des OB zu beklatschen, wird mit seinen Dankesworten und einer Verbeugung begleitet, wie er auch unter den Zuhörern entdeckte Freunde begrüßt. Der Weg zum Rednerpunkt war gewandt und leicht erfolgt.























   Seine ersten Sätze stellten eine gestenreiche Einleitung dar und zogen sofort in Bann. Das Publikum hing an an seinen Lippen – allerdings musste man der englischen Sprache mächtig sein, um auch Nuancen heraus hören zu können. Körpersprache, Gestik, Stimme und Inhalt wuchsen aus ihm in einer faszinierenden Einheit. Seine Worte sind emphatisch, begleitet von sich bewegenden Armen, wenn sie sich ans Pult fassen oder einfach abgelegt sind, um dann wieder sich frei zu strecken, auf diesen oder jenen zu zeigen oder den Zeigefinger zu erheben. Viel Gestik begleitete seine Aussagen. Seine Stimme ist voller Wechsel, mal sanft, mal eindringlich oder auch kräftig explosiv, bis hin zum Ansatz von Gesang
  . Unter vielen Aspekten verwies er unter anderem auf René Descartes, seine Denkanstöße in Bezug auf Materie und Geist, die Welt der Mathematik, Physik und Wissenschaft einerseits und die der Dichtung, Geschichte, Überlieferung, des Geistes und vertritt die Überzeugung, dass beides gleichermaßen wichtig sei und Hand in Hand gehen, dass der Dialog darüber geführt werden müsse, dass beide miteinander im Kampf stehen, letztlich um Kraft für die Freiheit zu finden. Das gehöre uneingeschränkt zum Menschsein dazu
 .  Seine Philosophie, sein wortgewaltiges Denken will bewegen, verändern. Ganz wesentlich ist ihm, dass die „Gerechtigkeit durch etwas gerettete werden muss, das tiefer liegt als Gerechtigkeit – die Liebe.“ Die Liebe stellt er über alles, ist geradezu ein Leitmotiv. Man kann nicht über Gerechtigkeit sprechen, ohne über Hoffnung zu sprechen. Immer wieder tauchte der Hinweis auf, dass Philosophieren neben der Liebe heißt, das Sterben zu lernen. Den Anhängern des Fetischismus ewig jung sein zu können bzw. sein zu wollen, sprach er die Reife, die Demut ab und sieht Verwundbarkeit darin. Seine wichtigsten Begriffe sind neben Liebe und Sterben, Weisheit, Aufrichtigkeit, Tugend, Anständigkeit mit Mut gepaart, Beständigkeit Vergleich (Benchmark), um eine Metamorphose durchleben zu können. Gerechtigkeit zeige sich, indem was Liebe der Gesellschaft bedeutet und es gilt ein versuche es noch einmal, um im Scheitern weiter zu lernen.
    Sein Zorn war auch in der Zeit der Black Power gewachsen und er setzte ihr gegenüber das Mitgefühl, die Liebe und der allgemeinen Umarmung entgehen. Eine Grundvoraussetzung sei  es, Gespräche zu suchen und zuzuhören, um zu verstehen und damit zu einsichtigen Reaktionen zu kommen.
    Aber er war nicht nur ein allgewaltiger Redner, sondern stellte ich auch Kommentaren und Fragen aus dem Publikum.
    Groß macht ihn, immer wach zu sein, anzuregen, verändern und verbessern zu wollen, sich für unterdrückte Menschen und soziale Gerechtigkeit einzusetzen, zu jedem darüber zu sprechen, für Studenten da zu sein, auch zu demonstrieren und das Ganze unter dem großen Schild und dem Untergrund der Liebe und Demut zu lernen und damit und davon zu leben. Wir sterben täglich ein wenig mehr, das ist selbstkritisch zu sehen.
    Der Abgang vom Rednerpult, im Gegensatz zum Gang ans Rednerpult, erfolgte  eher mit fast einknickenden Bewegungen, gebeugt, als drücke ihm all die Last seines Wissens, der Ballast der Ungerechtigkeit gegen die er antritt – eine schlanke, mittelgroße Gestalt, im schwarzen Anzug, der sein Gesicht fast leuchtend erscheinen lässt. Heftigen Applaus erhält er. Er hat den Zuhöreren ein Leitmotiv gegeben, lernen zu sterben, um lieben zu lernen. Die Liebe als die Stimme aus dem Hintergrund, um aus Fehlern zu lernen. Das Zuhören praktizieren. Aus der Metamorphose des Sterbens lernen und  die Frage nach Gerechtigkeit aktivieren, gemäß dem Satz von Leibniz: „Ein Gesetz kann ungerecht sein, nicht die Gerechtigkeit.“
                                                                                                       © Willi Volka





                                  

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